Bestechungsaffäre
Handball-Skandal: Löwen-Investor will reden

Jesper Nielsen investiert bei den Rhein-Neckar Löwen - und könnte nun Kronzeuge im größten Bestechungsskandal der Handball-Geschichte werden. Denn der dänische Unternehmer, der 2008 kurz davor stand Hauptsponsor des im Mittelpunkt der Affäre stehenden THW Kiel zu werden, will aussagen, was er weiß.

HAMBURG. Manchmal kann Jesper Laustrup Nielsen nicht so recht begreifen, was in den letzten Wochen geschehen ist. Vor einem halben Jahr ist der dänische Unternehmer als Gesellschafter beim Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen eingestiegen. In Mannheim will er das beste Handballteam Deutschlands aufbauen. Doch nun findet er sich als Kronzeuge wieder in einem abgeblichen Korruptionsskandal, der die Handballwelt erschüttert: Nielsen will Klarheit darüber haben, ob der THW Kiel Schiedsrichter bestochen und so mindestens zehn Spiele in der Champions League gekauft hat. Der Däne schüttelt den Kopf: "Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Spaß haben im Handball", sagt er. "Und jetzt haben wir diese Scheiße."

Beim Treffen in seiner Firmenzentrale in Hamburg-Allermöhe am vergangenen Freitag will Nielsen eigentlich nicht über den THW Kiel sprechen. Aber der 39-Jährige sitzt erst ein paar Minuten am Tisch, als Uwe Schwenker anruft. Der Geschäftsführer des THW Kiel steht neben Ex-Trainer Noka Serdarusic im Zentrum der Vorwürfe. "Oh, Schwenker", sagt Nielsen. "Uwe erzählt, dass der ,Spiegel' ihm viele Fragen gestellt hat." Der THW-Manager habe ihn gebeten, nicht über den Fall zu sprechen. Das wolle er einhalten. "Aber wenn der Staatsanwalt mich fragt, dann werde ich die Wahrheit sagen."

"Ich sage, was ich denke"

Dazu könnte es bald kommen: Die Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Kiel wegen des Verdachts der Untreue gegen Schwenker bereits eingeleitet. Zuvor hat Nielsen auch öffentlich klare Worte gewählt. "Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten. Als ich das gesehen habe, war ich schockiert. Ich konnte das kaum glauben", wird er vom "Mannheimer Morgen" zitiert.

Weshalb ist dieser Unternehmer bereit, so offen über den Fall zu sprechen, der den Handball in die größte Krise seiner Geschichte stürzt? Nielsens Antwort ist schlicht: "Ich sage, was ich denke. Das ist manchmal nicht intelligent, aber ich kann das nicht anders. Ich bin total ehrlich."

Die deutschen Handballfans kennen Nielsen nicht, aber er kennt Deutschland. Als er im Februar 2005 die Lizenz erwarb, Schmuck des dänischen Labels "Pandora" in Deutschland, der Schweiz und Österreich zu vertreiben, reiste er monatelang durch die Republik. "Ich kenne alle deutschen Städte mit mehr als 5 000 Einwohnern", sagt Nielsen, "jede Fußgängerzone."

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