Bestechungsskandal
Handball-Liga kämpft um ihren guten Ruf

Nach den öffentlich gewordenen Bestechungsvorwürfen gegen Rekordmeister THW Kiel steht der Handball unter Generalverdacht und das Ansehen der deutschen Handball-Liga in Europa ist nachhaltig beschädigt. Die Verantwortlichen bemühen sich um Schadenbegrenzung – trotzdem bleiben Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Sports.

KÖLN. Der deutsche Handball bemüht sich um Schadensbegrenzung. Sein Aushängeschild, der Rekordmeister THW Kiel, soll Gerüchten zufolge seit dem Jahr 2000 Schiedsrichter bei Europapokal-Spielen bestochen haben. Der Ligaverband HBL kam am Montag zu einer Krisensitzung zusammen – und es war nicht überraschend, dass die Verantwortlichen schnell alle Bedenken aus der Welt schaffen wollten. „An den Vorwürfen ist nichts dran. Der THW hat keine Spiele manipuliert. Ich bin froh, wenn diese Geschichte zu den Akten gelegt werden kann“, sagte Kiels Manager Uwe Schwenker. HBL-Präsident Reiner Witte erklärte: „Die Fragen, die gestellt wurden, sind beantwortet worden. Belastbare Tatsachen liegen nicht vor.“ Ob weitere Schritte unternommen würden, müsse noch geklärt werden.

Allen Beschwichtigungsversuchen zum Trotz – der Handball steht nun unter Generalverdacht. Die Geldgeber hoffen, dass keine weiteren Vorwürfe die Glaubwürdigkeit des Sports erschüttern werden. Der Hauptsponsor der Bundesliga Toyota wollte sich gegenüber dem Handelsblatt gestern lieber nicht äußern. Das sei Sache der Liga, sagte eine Sprecherin.

Das große Medienecho dürfte die Funktionäre überrascht haben. Sogar HBL-Aufsichtsratsmitglied Dieter Matheis, der die Manipulationsvorwürfe erst erhoben hatte, ruderte gestern schnell wieder zurück: „Ich hatte Gerüchte gehört und in einem Brief an Schwenker Fragen gestellt. Diese sind beantwortet worden.“

Doch Zweifel bleiben: Für viele Experten ist Bestechung im internationalen Handball keine Seltenheit. So beichtete Ex-Schiedsrichter Manfred Bülow gestern in den „Lübecker Nachrichten“, dass er bei internationalen Spielen selbst Bestechungsversuche erlebt habe. Geschenke, wie teure Uhren, die bei der Ankunft auf dem Hotelbett lagen, Angebote, sich den Abend mit Prostituierten zu versüßen, „all das war keine Seltenheit“, sagte Bülow.

In einigen Ländern seien dabei Geldangebote gängige Praxis gewesen. Bei internationalen Spielen würde er seine Hand nicht für jeden Schiedsrichter ins Feuer legen. „Und leider waren einige Kollegen von uns, gerade aus den Ost-Ländern, da auch empfänglich“, sagte Bülow.

Der dänische Sponsor des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, erneuerte gestern seine Bestechungsvorwürfe gegen die Kieler. „Wir wissen, dass es rund um die Champions-League-Spiele des THW Kiel Unregelmäßigkeiten gegeben hat – von Schlüsselpersonen innerhalb des THW und aus dessen Umfeld.“

Auch der dänische Handball-Spieler Joachim Boldsen, der 2007 beim Champions-League-Finale seines damaligen Vereins SG Flensburg-Handewitt gegen die Kieler in der 19. Minute die Rote Karte gesehen hatte, bleibt skeptisch – und wich bei Fragen zu den Bestechungsvorwürfen aus. „Ich halte mich da raus“, sagte der Profi der Zeitung „Ekstra Bladet“. Die Schiedsrichter-Entscheidung kommt ihm trotzdem seltsam vor: „Das war total lächerlich. Vielleicht war das Foul für zwei Minuten gut – aber nie und nimmer für eine Rote Karte in einem Champions-League-Finale.“ ih

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