Biathleten entfachen das Olympia-Fieber: Zeit für große Emotionen

Biathleten entfachen das Olympia-Fieber
Zeit für große Emotionen

Die Olympischen Spiele sind in den Bergen des Piemont angekommen. Prickelnde Spannung, begeisterte Zuschauer, und mitreißende Emotionen - was man eine Woche lang in Turin und den Bergen oft schmerzlich vermisst hatte, lieferten die Biathleten gestern in zweieinhalb Stunden nach.

SAN SICARIO. Die Protagonisten: Ein alles überragender Rotschopf aus Deutschland und ein schmächtiger Franzose mit großem Kämpferherz. In den Nebenrollen: ein entthronter König und zwei weitere Deutsche im Erfolgrausch.

Schon der erste Akt des Verfolgungs-Schauspiels von San Sicario riss die Zuschauer von den Sitzen. In einem fast perfekten Rennen lief Kati Wilhelm die Konkurrenz in Grund und Boden und gewann mit dem größten Vorsprung in der Geschichte des olympischen Frauen-Biathlons Gold. 73 Sekunden nach ihr sorgte Martina Glagow für einen deutschen Doppelsieg, Dritte wurde Albina Achatova aus Russland.

Nach dem Pech mit dem Wetter im Sprintrennen, ging Wilhelm mit 18 Sekunden Rückstand ins Rennen. Doch schon nach wenigen Kilometern war sie auf Tuchfühlung mit den Führenden: "Ich habe schon am Start gemerkt, dass ich einen geilen Ski habe und gut in Form bin", sagte Wilhelm. "Das hat mir Selbstbewusstsein für das Schießen gegeben." Was folgte, war die große Kati-Wilhelm-Show. Nach dem ersten Schießen übernahm sie die Führung und gab sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Nachdem sie auch beim letzten Anschlag fehlerfrei blieb, machte sich die 29-Jährige schließlich auf zur Triumphfahrt.

"Das war eines Champions würdig", jubelte auch Trainer Uwe Müßiggang, zumal auch Martina Glagow, die als 17. gestartet war, eine weitere grandiose Leistung zeigte und als Zweite im Ziel direkt in die Arme ihrer Teamkollegin fuhr.

Grund zur Freude hatten die Deutschen auch im Verfolgungsrennen der Männer. Sprint-Olympiasieger Sven Fischer lief trotz vier Fehler im Liegendschießen auf den Bronzerang. Der Jubel der Deutschen wurde aber von den Freudenfeiern der Franzosen übertönt, die zu Hunderten über die Grenze gekommen waren. Sie erlebten die große Stunde des Vincent Defrasne. Von Anfang hielt sich der 28-Jährige, der zuvor erst ein Weltcup-Rennen gewonnnen hatte, in der Spitzengruppe und schüttelte einen Verfolger nach dem anderen ab. Einzig Ole Einar Björndalen hielt Kontakt. Auf der Schlussrunde leisteten sich die beiden ein packendes Duell, mehrfach wechselte die Führung. Was Björndalen auch versuchte, er wurde den Franzosen nicht los. Selbst ein Strauchler in der letzten Kurve brachte den Franzosen nicht aus der Bahn. Er kämpfte sich noch einmal heran, zog an Börndalen vorbei und gewann.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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