Biathlon International
Biathleten wehren sich gegen Doping-Vorwürfe

Die deutschen Biathleten setzen sich gegen massive Doping-Verdächtigungen zur Wehr. DSV-Präsident Alfons Hörmann sprach unterdessen von "Rufmord" an seinen Athleten.

Die deutschen Biathleten setzen sich gegen massive Doping-Verdächtigungen zur Wehr. "Ich bin sauber und stehe für einen sauberen Sport", sagte Michael Greis bei der WM in Östersund. Der dreimalige Olympiasieger reagierte damit auf eine in Österreich im Zusammenhang mit einer anonymen Anzeige aufgetauchte Liste von 31 Sportlern, die angeblich in Wien Blutdoping betrieben haben. 16 Athleten sind Österreicher, unter den 15 restlichen befinden sich zehn Deutsche. Der Deutsche Skiverband (DSV) kündigte juristische Schritte an, DSV-Präsident Alfons Hörmann sprach von "Rufmord".

Nach dem Gewinn von Staffel-Bronze ging Greis offensiv mit dem Thema um: "Es war mir klar, dass ich auf der Liste stehe. Wer soll denn sonst draufstehen, wenn nicht ein dreimaliger Olympiasieger. Aber ich betone noch einmal: Da ist nix dran." Der 31-Jährige unterzeichnet wie alle anderen deutschen WM-Starter nach der Rückkehr von der WM eine eidesstattliche Erklärung, wonach er niemals in seiner Karriere mit Doping in Berührung gekommen ist. Die Erklärung ergänzt jene bereits vorliegende eidesstattliche Versicherung, wonach kein WM-Starter je Kontakt zu einer in Verdacht geratenen Wiener Blutbank hatte.

DSV glaubt an seine Athleten

Hörmann sprach beim Skispringer-Weltcup in Willingen von einer "hochgradig böswilligen Rufmord-Kampagne". Im DSV habe niemand auch nur einen Funken von Zweifel an den Aussagen der Athleten. "Der Verband wird sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wehren", erklärte Hörmann, in Personalunion auch Vizepräsident der Internationalen Biathlon-Union IBU. Einige Athleten hätten ebenfalls bereits Rechtsanwälte beauftragt, "um den Sumpf trockenzulegen".

"Uns bietet sich ein Bild, wonach eine gezielte Kampagne gegen den deutschen und den internationalen Biathlonsport im Gange ist", sagte Teamsprecher Stefan Schwarzbach: "Vor drei Wochen habe ich gesagt, das ist an der Grenze zum Rufmord. Diese Grenze ist jetzt ganz klar überschritten worden."

Einige Athleten hätten die Geschichte "mit einem Schulterzucken abgetan", anderen sei es sehr nahe gegangen: "Wenn man plötzlich so am Pranger steht, ist das natürlich keine ganz einfache Situation." Das bestätigte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich: "Dem einen oder anderen hat es schon die Füße weggezogen." Der Coach bezog im ZDF-Interview klar Position: "Ich stehe voll hinter der Mannschaft und lege beide Hände für die Athleten ins Feuer, ich weiß, wie hart sie sich ihre Leistungen erarbeitet und erkämpft haben."

Wolf ist entsetzt

Alexander Wolf, ebenfalls Mitglied der deutschen WM-Staffel, war angesichts der Vorwürfe entsetzt. "Das ist so, als wenn du morgens die Zeitung aufschlägst und jemand hat gesagt, du wärst ein Kinderschänder", sagte Wolf: "Das ist einfach nur hart."

Vollkommen unaufgeregt nahm dagegen ZDF-Experte Sven Fischer zu den Ereignissen Stellung. "Ich weiß nicht, wo diese Liste herkommt, aber wenn es so ist, dass mein Name darauf steht, dann muss ich halt auch dazu Stellung nehmen", sagte der Olympiasieger: "Man darf sowas nicht einfach verschweigen, jeder soll sagen, was ist. Ich habe mir jedenfalls nichts vorzuwerfen und kann sagen, dass ich meine Leistungen immer absolut sauber errungen habe." Ihm sei während seiner gesamten aktiven Zeit niemals Doping angeboten worden: "Das gilt auch für mein Umfeld." Wie drei weitere auf der Liste genannte ehemalige Aktive unterzeichnete Fischer mittlerweile ebenfalls eine eidesstattliche Erklärung.

Laut Schwarzbach seien alle betroffenen Athleten sofort mit dem Vorgehen einverstanden gewesen: "Alle WM-Starter haben sofort erklärt, unterschreiben zu wollen, obwohl es kein Schulhof-Versprechen ist, sondern im Fall einer Falschaussage bis zu drei Jahren Gefängnis drohen."

Der DSV nahm unterdessen Kontakt zu dem in Österreich als "Auskunftsperson" genannten alpinen Olympiasieger Stephan Eberharter auf. Der dementiert nach Aussage von Schwarzbach jegliches Wissen um die angebliche Verstrickung deutscher Athleten in eine Dopingaffäre.

In den österreichischen Medien wiederholte Eberharter mehrfach sein Dementi. "Das ist das Idiotischste, was ich je in meinem Leben gehört habe", sagte der Riesenslalom-Olympiasieger von 2002: "Genausogut könnte man von mir behaupten, ich sei für die nächste Mission zum Mars als Astronaut eingeplant."

© SID

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