Biathlon
Klebeband statt Sponsor-Logo

Auf dem Siegerpodest in Hochfilzen feierten Russlands Biathleten ihre Staffelsiege, aber ihr deutscher Sponsor war sauer. Dicke Klebeband-Streifen verdeckten den Viessmann-Schriftzug auf den Trikots der Skijäger, so wie in bisher allen Saisonrennen. Ein Ende des Streits im russischen Lager um Werbeverträge, Geld und Mitspracherecht ist nicht in Sicht.

sid HOCHFILZEN/LEIPZIG. „Wir wollen endlich einen Vertrag unterschreiben, der uns an Werbeeinnahmen beteiligt, wie es in anderen Ländern üblich ist. Aber wir werden nur mit Gesprächen vertröstet, Geld haben wir noch nicht bekommen“, beklagt Dmitri Jaroschenko. Er ist als Zweiter der Gesamtwertung bester Russe im Weltcup.

Verbandspräsident Alexander Tichonow, einst selbst elfmal Weltmeister, hatte im Sommer mit dem deutschen Heizgeräte-Hersteller Viessmann einen Vertrag abgeschlossen, ohne auf die Wünsche seiner Sportler Rücksicht zu nehmen. Die wollten wie zum Beispiel im deutschen Team üblich Teile ihrer Ausrüstung selbst vermarkten oder wissen, wieviel Geld ihnen das Viessmann-Logo auf Mütze, Waffe und Laufanzug bringt.

„Wir wissen von nichts“, sagt Biathlet Iwan Tscheressow. Die Drohung Tichonows, die Mannschaft aus dem Weltcup abzuziehen, wenn die Klebestreifen nicht fallen, lässt ihn kalt: „Wir starten doch nicht für Tichonow sondern für Russland. Millionen Fans in der Heimat wollen uns im Weltcup laufen und siegen sehen.“ In Hochfilzen versuchte Wadim Melichow, als ranghöchster russischer Funktionär vor Ort abzuwiegeln. „Das Problem klären wir bald. Es wird Gespräche geben und dann eine Lösung. Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht“, sagte das Mitglied des Technischen Komitees des Weltverbandes IBU.

Das sieht Waleri Polchowski anders. „Nichts ist gut, alles ist großer Mist“, fluchte der Frauen-Cheftrainer auf Deutsch. Er schrieb gemeinsam mit Weltmeister Nikolai Kruglow und zwölf Auswahlbiathleten einen offenen Brief mit der Bitte um Hilfe an die russische Sportführung.

Derweil drängt der deutsche Sponsors auf ein zügiges Ende der „Aktion Klebestreifen“. „Wir haben einen Sponsoring-Vertrag mit dem russischen Biathlon-Verband abgeschlossen. Wir können nur hoffen, dass verbandsintern schnellstens eine Einigung erfolgt, damit der Vertrag erfüllt werden kann“, heißt es in einer Stellungnahme der Allendorfer.

Ob Tichonow das Abziehen der Klebestreifen noch als Biathlon-Chef erlebt, ist fraglich. Sechs Kandidaten wollen sich nach Angaben von Melichow am 26. Dezember beim Verbandskongress in Moskau zur Präsidenten-Wahl stellen. „Das gibt uns Hoffnung“, sagt Sportler Jaroschenko.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%