Biathlon National
Biathlet Greis sorgt mit "Extratour" für Wirbel

Michael Greis "respektiert den Bundestrainer", möchte aber "weiter eigenständig trainieren". Die "Extratour" des Olympiasiegers sorgt für Trubel im deutschen Biathlon-Lager.

Ausgerechnet Olympiasieger Michael Greis sorgt mit seiner Extratour für markante Risse in der seit Jahren heilen deutschen Biathlon-Welt. "Ich respektiere den Bundestrainer, aber ich möchte weiter eigenständig trainieren" - diese Aussage von Greis belegt Differenzen mit dem seit 1998 sehr erfolgreich arbeitenden Bundestrainer Frank Ullrich. Der Deutsche Skiverband (DSV) ist um Schadensbegrenzung bemüht und toleriert offiziell die Vorstellungen des abtrünnigen Teamstars.

Pfüller um Vermittlung bestrebt

"Man muss trainingsälteren Athleten wie Michael einfach zugestehen, dass sie in der Saisonvorbereitung ihren eigenen Weg verwirklichen wollen", sagt Thomas Pfüller. Der DSV-Sportdirektor war mit bislang mäßigem Erfolg bei verschiedenen internen Gesprächen als Vermittler im Einsatz und mag zwischenmenschliche Probleme zwischen Greis und seinem langjährigen Coach nicht abstreiten. So etwas sei aber normal: "Wichtig ist, dass am Ende alle an einem Strang ziehen."

Greis hatte gemeinsam mit seinen Trainingspartnern Andreas Birnbacher (Schleching) und Daniel Graf (Frankenhain) bereits das traditionelle Radtraining Anfang Juni auf Sardinien geschwänzt und stattdessen in Deutschland ein Mehrtagesrennen bestritten. Auch beim jüngsten Höhentraining der Ullrich-Truppe in Frankreich fehlte das Trio.

Graf wird im Gegensatz zu Greis und Weltmeister Birnbacher Anfang Oktober zu dem von Ullrich auf dem Dachsteingletscher angesetzten Lehrgang wieder in der Auswahl erwartet. Greis und Birnbacher wollen unter Anleitung des Ruhpoldinger Stützpunkt-Trainers Remo Krug dagegen erst dann am Dachstein üben, wenn Ullrichs Truppe wieder weg ist.

Wogen bis zum Winter glätten

Der eigentlich für seine harte Führung bekannte Bundestrainer mag kein Öl ins Feuer gießen und ist "optimistisch, dass wir das bis zum Winter wieder hinkriegen". Ullrich verweist darauf, dass unter seiner Führung bereits Asse wie Frank Luck, Ricco Groß und Sven Fischer gelegentlich ihre Extrawürste braten durften.

Ullrich erwartet aber auch, dass sich Greis ab dem üblichen November-Lehrgang auf Schnee in der düsteren Einöde des nordfinnischen Munio wieder in das Team integriert. "Als Kapitän hat Michael auch Verantwortung. Er braucht doch die Mannschaft auch", glaubt der Coach.

Zur nächsten Belastungsprobe in der angespannten Atmosphäre der Männermannschaft werden die deutschen Meisterschaften, die am 13. September in Ruhpolding beginnen und außerdem in Langdorf (16. September) und Oberhof (20./21. September) genügend Raum für neue Wortwechsel bieten.

© SID

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