Biathlon National
Steinigen bekräftigt Doping-Vorwürfe gegen Ullrich

Der frühere Biathlet Jens Steinigen hat die Doping-Vorwürfe gegen Frank Ullrich bekräftigt. Auch Ullrich sei 1986 bei Gesprächen über unterstützende Mittel anwesend gewesen.

Der frühere Biathlet Jens Steinigen hat die Doping-Vorwürfe gegen den aktuellen Bundestrainer Frank Ullrich bekräftigt. "Im September 1986 wollten uns die Trainer in einem lange Gespräch davon überzeugen, "unterstützende Mittel" zu nehmen. Da war auch Frank Ullrich teilweise anwesend", sagte Steinigen dem Sport-Informations-Dienst (sid). Seit 1985 habe jeder Athlet gewusst, dass es sich dabei um Dopingmittel handele.

Neben Steinigen hatte auch Jürgen Wirth, Staffelweltmeister 1987, in der ARD Vorwürfe gegen Ullrich und Bock erhoben. Ullrich habe ihn damals angewiesen, Oral-Turinabol einzunehmen, damit er schneller wieder regeneriere. Außerdem habe Ullrich diese Einnahme auch kontrolliert.

Der Deutsche Skiverband (DSV) widerspricht diesen Schilderungen und beruft sich auf eine Zeugenaussage Wirths vor dem Landeskriminalamt Thüringen aus dem Jahre 1991: "Für mich kann ich sagen, dass ich von dem (Frank Ullrich, d. Red.) nie diese Tabletten bekommen habe." Das Protokoll liegt dem DSV nach eigenen Angaben als Kopie vor. Der DSV empfiehlt daher Ullrich, die Möglichkeit einer Strafanzeige sowie einer zivilrechtlichen Klage gegen Wirth zu prüfen. Weiterhin wird der DSV eine Untersuchuchungskommission einsetzen, die sich "umfassend mit allen Zusammenhängen" beschäftigen soll.

Laut Steinigen sei Ullrich unterdessen bereits 1986 interimsweise im Trainerteam der DDR integriert gewesen. Damit widerspricht der heutige Anwalt aus Traunstein den Äußerungen Ullrichs, der seine Laufbahn nach eigener Aussage erst 1987 als junger Co-Trainer begonnen habe und weder zu Anordnungen noch zu Kontrollmaßnahmen befugt gewesen sei.

1 993 habe Steinigen Ullrich auf das Gespräch angesprochen. "Er konnte sich auch daran erinnern, meinte aber, das er davon ausgegangen sei, dass unter dem Begriff "unterstützende Mittel" nur Vitamine und Mineralien zu verstehen seien", sagte Steinigen.

Er selbst habe 1986 die Einnahme der Mittel offiziell verweigert und sei deshalb wegen einer "nicht ausreichenden Persönlichkeitsentwicklung" aus dem Nationalteam geflogen. Erst nach der Wende schaffte er ein Comeback und wurde 1992 Staffel-Olympiasieger. "Im Westen habe ich nichts mehr genommen", sagte Steinigen.

Dem DSV lag zumindest zeitweise eine Empfehlung vor, nach der Ullrich und der frühere DDR-Chefcoach Wilfried Bock wegen Verstrickungen ins DDR-Dopingsystem nicht weiter beschäftigt werden sollten. Dies berichtete die WDR-Sendung sport inside am Montagabend.

DSV erhielt Empfehlung, Ullrich nicht fest anzustellen

Das geschäftsführende Präsidium des Deutschen Sportbundes (DSB) hatte am 25. Mai 1991 den Beschluss gefasst, dem DSV eine entsprechende Mitteilung zu machen. Dies geht aus einem Brief des damaligen DSB-Justiziars Jochen Kühl vom 19. Juni 1991 an den Sportausschuss des Deutschen Bundestages hervor.

Kühl weist darauf hin, dass in die Mitteilung an den DSV die Empfehlung einbezogen sei, "mit den Trainern Bock und Ullrich kein festes Anstellungsverhältnis entstehen zu lassen, solange der gegen sie bestehende dringende Verdacht der persönlichen tatsächlichen Beteiligung an der systematischen Verabreichung von Dopingmitteln an Aktive nicht ausgeräumt" sei.

Allerdings teilte der DSV am Dienstag mit, dass das Nationale Olympische Komitee (NOK) am 28. Januar 1992 mitgeteilt habe, "dass der gegen Frank Ullrich erhobene Verdacht eines Dopingvergehens nicht erhärtet wurde" und "dass Frank Ullrichs Aussage, dass er weder als Aktiver noch als Trainer mit Dopingfragen direkt oder indirekt befasst gewesen sei, glaubwürdig erscheint". Somit sei der DSV der DSB-Empfehlung gefolgt, die endgültige Klärung abzuwarten.

© SID

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