Biathlon Weltcup
Neuner nimmt die große Kristallkugel ins Visier

Beim Weltcup-Finale ab heute am Holmenkollen will Biathletin Magdalena Neuner "einfach drei vernünftige Rennen machen". Aber die große Kristallkugel liegt noch in greifbarer Nähe.

Im Februar hat sie dreimal WM-Gold eingesammelt, jetzt winkt Biathletin Magdalena Neuner in Oslo am Ende eines turbulenten Winters sogar noch die große Kristallkugel der Weltcup-Gesamtsiegerin. Ob die drei beim Saisonfinale am traditionsreichen Holmenkollen geplanten Rennen ab heute auch stattfinden können, bleibt nach tagelangem Dauerregen bei wegschmelzendem Schnee freilich fraglich.

"Einfach nur drei vernünftige Rennen machen"

"Den Gesamtweltcup hatte ich gar nicht auf der Rechnung. Ich versuche, nicht daran zu denken, und will einfach nur drei vernünftige Rennen machen. Mal sehen, was dann am Ende rauskommt", schildert Magdalena Neuner ihre Strategie für das Saisonfinale. Am Ende kommt meistens ein Triumph für die 21-Jährige heraus, die innerhalb von zwei Wintern die Hierarchie in der Skijäger-Zunft komplett auf den Kopf gestellt hat.

Drei WM-Titel bei der Premieren-WM 2007 in Antholz, noch drei dazu im Februar in Östersund: sechs WM-Goldmedaillen in ihren neun bisherigen WM-Rennen stellen einen Rekord für die Biathlon-Geschichtsbücher dar. Siebenmal Gold bei Junioren-WM (zwei davon im Januar in Ruhpolding) den nächsten. Und Weltcup-Gewinnerin im zweiten Winter bei den "Großen" ist sowieso noch niemand geworden.

Neuner sitzt Bailly im Nacken

Die Ausgangslage für "Gold-Lena" ist wieder einmal denkbar einfach. Sie muss auf den vom tagelangen Dauerregen in Norwegens Hauptstadt aufgeweichten Strecken so schnell rennen wie üblich und so gut schießen wie es eben geht. Dann dürfte die in der Weltcup-Wertung trotz Punktgleichheit (741) noch führende Sandrine Bailly (beide haben jeweils vier Saisonsiege, die Französin läuft im gelben Trikot, weil sie drei zweite Plätze aufweist und Neuner nur einen) ebenso chancenlos sein wie die mit 727 Zählern ebenfalls noch aussichtsreiche Weltcup-Titelverteidigerin Andrea Henkel.

Neuner, die noch nie in ihrer Karriere das Gelbe Trikot im Besitz hatte, scheinen selbst schlimmste Schießpleiten nicht mehr vom Titelkurs abzubringen. Trotz abenteuerlicher zwölf Strafrunden in den letzten zwei Rennen flitzte Neuner in Chanty Mansinsk auf die Plätze fünf sowie zwei und holte damit den Rückstand in der Gesamtwertung auf.

Ob sie allerdings überhaupt um den Holmenkollen jagen kann, bleibt fraglich. Wettkampfchef Norbert Baier mag inmitten von zahlreichen Wasserkanälen im pitschnassen Stadion nur für den Sprint am heutigen Donnerstag (11.30, Männer ab 14.15/jeweils live im ZDF und bei Eurosport) garantieren. "Für den Sprint werden wir die Runden hinbekommen, auch wenn es noch chaotisch aussieht. Dann müssen wir mal abwarten, ob der Regen endlich aufhört", meint der deutsche Sportwart.

Das Mittwoch-Training konnte auf einer provisorischen Runde immerhin stattfinden, für die noch fehlende Strafrunde im Stadion sollte über Nacht Schnee angekarrt werden. Die Schneereserven hinter der Königsloge am Skistadion allerdings sind bereits von 1 000 auf 300 Kubikmeter geschmolzen, in 15 Kilometer Entfernung sollen noch etwa 1 200 Kubikmeter liegen. Baier: "Die Wetterprognose verspricht Abkühlung und Sonne. Das glaube ich erst, wenn es endlich eintrifft."

© SID

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