Biathlon Weltcup
Parasiten-Alarm beim Weltcup-Auftakt in Östersund

Das deutsche Biathlon-Team startet ohne Magdalena Neuner, aber mit viel Optimismus in den Weltcup. Im Auftaktort Östersund herrscht Parasiten-Alarm. Einige Sportler sind erkrankt.

Verunreinigtes Trinkwasser, kranke Sportler und Durchfall bei über 1 500 Einwohnern - in Östersund herrscht vor dem Weltcup-Auftakt der Biathleten der Ausnahmezustand. Bei der ersten Mannschaftsführersitzung am Montagabend wurde offiziell verkündet, dass das Wasserleitungsnetz in Östersund mit dem Parasiten Cryptosporidium verseucht ist. Das erst am Montagabend ohne die erkrankte "Gold-Lena" Neuner angereiste deutsche Team ist bislang von den Durchfall-Problemen nicht betroffen - dafür fehlte am Dienstag das Gepäck.

"Im Moment siehts bei uns noch gut aus. Aber die Sportler sind angewiesen, kein unabgekochtes Wasser zu trinken oder sich damit die Zähne zu putzen", sagte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang dem SID. Panikartige Reaktionen gebe es vor dem ersten Rennen des WM-Winters am heutigen Mittwoch (16.20 Uhr 15 km Frauen/live in der ARD) bei den anderen Nationen noch nicht, eine Weltcup-Absage sei momentan kein Thema, aber die Lage ernst. Die schwedische Weltmeisterin Helena Ekholm klagte laut Medienberichten am Wochenende über Fieber, Durchfall und Magenschmerzen. Auch ihr Teamkollege Fredrik Lindström ist betroffen.

Mannschaften aus Frankreich, Österreich und den USA betroffen

Außerdem sind Mitglieder der französischen und der österreichischen Nationalmannschaft, darunter Vizeweltmeister Christoph Sumann und Simon Eder, von akutem Unwohlsein betroffen. Zudem seien vier US-Biathleten erkrankt, ihr Start sei mithin fraglich. "Obwohl die Behörden Fürsorge zeigen, sich des Problems annehmen und die Hotels anweisen, das Wasser abzukochen, sind unsere Bedenken groß", sagte ÖSV-Weltcup-Koordinator Wolfgang Korosec. Da die Inkubationszeit des Erregers eins bis neun Tage betrage, müsse man nun jeden Tag hoffen, dass die Sportler gesund blieben.

1 500 Einwohner der 45 000-Einwohner-Stadt in Mittelschweden haben sich bereits krankgemeldet, die Behörden befürchten mehr als 3 000 Infektionen, und das Mineralwasser in Flaschen ist in Östersund bereits ausverkauft. "Ich war jetzt schon in vier Läden, aber nirgendwo gibt es mehr Wasser", sagte der norwegische Teamchef Per Arne Botnan: "Wir halten uns von Wasser aus dem Hahn fern, trinken und putzen Zähne mit Flaschenwasser. Wenn die Athleten unter der Dusche ihren Mund geschlossen halten, sollte alles gutgehen." Gun Fahlander vom OK versprach, dass man "selbstverständlich für sauberes und frisches Wasser" sorgen werde.

Schwierige Ausgangssituation weil Podestgaranten fehlen

Dem deutschen Team kommt entgegen, dass es so spät angereist ist und bereits auf dem Flughafen vor der Parasiten-Gefahr gewarnt wurde. Deshalb startet die Mannschaft ohne die kranke Magdalena Neuner, aber mit viel Optimismus in den WM-Winter. "Die Vorgabe ist relativ einfach: Wir müssen möglichst oft vorn ankommen", sagt Müssiggang dem SID: "Wir können dem Zuschauer schlecht vermitteln, dass wir nach 20 Jahren Erfolg jetzt um Platz 15 laufen wollen."

Dabei ist die Ausgangssituation vor dem ersten Weltcup-Rennen im tiefverschneiten Schweden am heutigen Mittwoch (16.20 Uhr 15 km Frauen/live in der ARD) denkbar schwierig. In Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Beck sind gleich drei Podestgaranten nach der Olympia-Saison zurückgetreten. Zu allem Überfluss fehlt wie schon in der vergangenen Saison Frontfrau Magdalena Neuner wegen einer Erkältung beim Aufgalopp in den Winter.

"Irgendwie scheint es mittlerweile fast eine traurige Tradition zu sein, dass ich pünktlich zum Weltcupstart krank werde", sagt die Doppel-Olympiasiegerin. Der 23-Jährigen geht es zwar schon wieder besser, aber sie will lieber erst richtig gesund werden und daheim für den zweiten Saison-Weltcup in Hochfilzen (10. bis 12. Dezember) trainieren. Sie wird wohl in Wallgau im Warmen vor dem Fernseher sitzen, wenn ihre Kolleginnen in der arktischen Kälte des bis zu minus 20 Grad kalten Östersund um die ersten Podestplätze kämpfen und sich vor Parasiten in Acht nehmen müssen.

© SID

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