Biathlon WM
Sommer-WM eher Pflicht als Kür

Kati Wilhelm macht lieber Urlaub als bei der Sommer-WM in Oberhof anzutreten. So wie sie sehen viele Profis die heute beginnende WM eher als Pflicht und nicht als Herausforderung.

Schnöder Wintertest statt Sommermärchen: Die deutschen Biathleten nehmen die Sommer-WM in ihrer Hochburg Oberhof als Pflichtnummer hin. "Ich habe es mir nicht ausgesucht, werde aber natürlich mein Bestes geben", sagt Magdalena Neuner. Die sechsmalige Weltmeisterin und der dreimalige Olympiasieger Michael Greis sind die prominentesten deutschen Teilnehmer bei dem zweigeteilten Championat (21. bis 27. September), das heute mit Crossläufen beginnt und in das erst ab Freitag (dann auf Skirollern) die Biathleten eingreifen.

"Wir machen nur einmalig mit"

"Bei der Sommer-WM machen wir wohl nur einmalig mit", sagt Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang, der mit seinen Assen ebenso wie das deutsche Männer-Team und zahlreiche andere Nationen seit Jahren einen großen Bogen um die ungeliebte Sommer-WM macht: "Diesmal ist die WM in Oberhof. Da sind wir natürlich in der Pflicht, wir sehen die Rennen als Standort-Bestimmung."

Das allerdings gilt nur für einen kleinen Teil seiner Olympia-Favoritinnen. Die zum Auftakt der gerade auf Skirollern absolvierten DM in glänzender Form laufende Ex-Weltmeisterin Andrea Beck meldete sich krank ab, Doppel-Weltmeisterin Kati Wilhelm und Simone Hauswald kommen lieber einer Einladung zum Kurzurlaub im "Club der Besten" an der türkischen Riviera nach. Einzel-Meisterin Kathrin Hitzer soll in Ruhpolding Trainingsrückstand aufholen, und ob Lokalmatadorin Andrea Henkel antritt, ist aufgrund mangelnder körperlicher Frische nicht sicher.

Bei den Männern fehlt Skiroller-Spezialist Andreas Birnbacher. Der Schlechinger, der gerade seine DM-Titel 14 bis 17 einsammelte, verzichtet wegen Rückenproblemen. Vor dem Olympiawinter will selbst bei lockender heimischer Kulisse niemand ein Risiko eingehen. Wenigstens der Turiner Dreifach-Olympiasieger Michael Greis stellt sich nach überstandenen Knieproblemen der Konkurrenz. "Ich will meine Form überprüfen. Aber alles ist Olympia untergeordnet", sagt Greis.

WM ohne Norwegen, Frankreich und Österreich

Der Biathlon-Weltverband IBU versucht seit knapp einem Jahrzehnt, die Sommer-WM als zusätzlichen Saison-Höhepunkt (und Extra-Einnahmequelle) zu etablieren, und holt in Oberhof wenigstens die bislang ignoranten Deutschen ins Boot. Die Norweger um Superstar Ole Einar Björndalen fehlen unter den offiziell 329 Sportlern aus 31 Nationen am Rennsteig ebenso wie Franzosen und Österreicher. Selbst die biathlonverrückten Thüringer Fans zeigen sich reserviert. Erst 6 000 Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt, die Organisatoren hoffen auf bescheidene 5 000 Zuschauer pro Tag - wenn das Wetter mitspielt.

IBU-Kommunikationschef Peer Lange kündigte bereits an, dass künftig keine Crossläufe mehr im Programm der Sommerbiathlon-WM stattfinden werden. Beim IBU-Kongress 2010 in St. Petersburg sollen zahlreiche Änderungen beschlossen werden und künftig helfen, die Zugkraft der Sommer-WM zu erhöhen. Lange: "Unser Ziel ist klar: Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Weltklasse-Biathleten zur Sommer-WM kommen."

© SID

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