Biathlon WM
Wilhelm und Greis mit ehrgeizigen Zielen

Kati Wilhelm und Michael Greis treten bei der heute beginnenden Biathlon-WM in Antholz als Favoriten im Kampf um das Siegerpodest an. Seit sechs Jahren hat "Gold-Kati" keine WM-Solomedaille mehr gewinnen können.

Mit den Sportlern des Jahres 2006 an der Spitze peilen die deutschen Biathleten bei der heute beginnenden WM in Antholz (Italien) eine Fortsetzung des Wintermärchens der Olympischen Spiele von Turin an. Die Weltcup-Spitzenreiter Kati Wilhelm und Michael Greis haben sich besonders viel vorgenommen: "Ich möchte alle Rennen gewinnen, bei denen ich antrete. Sonst könnte ich doch gleich zu Hause bleiben", sagt Michael Greis mit dem Selbstbewusstsein eines dreifachen Olympiasiegers: "Ich freue mich auf die Sonne und die Strecken, weil sie so schön zäh rauf und runter gehen. Das kommt meinem Laufstil entgegen."

Greis fordert Björndalen

Der 30-Jährige aus Nesselwang ist mit einem Sieg und fünf Podestplätzen im aktuellen Winter härtester Rivale des siebenmaligen Saisonsiegers Ole Einar Björndalen, der im 1 600 Meter hoch gelegenen Antholzertal vier WM-Titel zu verteidigen hat. Den Ausnahme-Könner aus Norwegen hatte Greis vor einem Jahr in San Sicario auf vergleichbarer Höhe abgehängt. "Wenn Ole keine Fehler schießt, ist er kaum zu schlagen. Aber ich bin nicht weit weg und will den Kampf so spannend wie möglich gestalten."

Greis hatte bei der vergangenen WM 2005 in Hochfilzen Silber über 20km und damit die erste WM-Solomedaille seiner Karriere gewonnen. Damit es in Antholz mit der Titel-Premiere klappt, wurden im Trainingscamp Ridnaun extra neue Ski für die erwarteten Minusgrade getestet.

Die Rückenschmerzen, die den Bundeswehr-Oberfeldwebel zuletzt quälten, sind dank der heilenden Hände einer Osteopathin verschwunden. Und als Glücksbringer liegen von einer befreundeten Allgäuer Familie gestrickte schwarz-rot-goldene Ringelsocken im Gepäck: "Vielleicht trage ich die bei der Siegerehrung."

Da möchte Kati Wilhelm auch zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder auftauchen. Seit dem damals sensationellen Sprint-Triumph bei ihrem WM-Debüt 2001 in Pokljuka hat die dreimaligen Olympiasiegerin keine WM-Solomedaille mehr gewonnen. "Das mit dem Titel ist schon verdammt lange her. Deshalb habe ich mir diesmal die Medaille als Saisonziel Nummer 1 gesetzt", sagt die Thüringerin, die nach mühsamem Saisonstart unmittelbar vor der WM in Topform ist.

Wilhelms "Schieß-Trick"

Beim vergangenen Weltcup gelang der erste Saisonsieg auch dank eines speziellen Tricks beim Stehendschießen. Wilhelm veränderte den Rhythmus, visiert die Scheibe links außen nicht mehr als letzte sondern als vorletzte an. "Das erhöht die Konzentration und hat bisher perfekt geklappt", erzählt die 30-Jährige, die im Vorjahr zwei Weltcups in Antholz gewann und dort außerdem im Dezember 2000 als Dritte den ersten Weltcup-Podestplatz ihrer Laufbahn feierte.

"Wir können von unseren Biathleten nicht wieder fünfmal Gold erwarten wie in Turin. Da hatten wir auch das Glück auf unserer Seite", sagt Thomas Pfüller und dämpft die hohen Erwartungen an das "Flagschiff des Deutschen Skiverbandes". Der DSV-Sportdirektor baut auch auf die Saisonsieger Andrea Henkel (Großbreitenbach/3 Siege), Magdalena Neuner (Wallgau/1) und Alexander Wolf (Oberhof/1): "Natürlich haben wir in allen Rennen realistische Titelchancen, aber mit sechs Medaillen sollten wir restlos zufrieden sein."

Antholzer WM-Erfahrung haben in der deutschen Mannschaft nur die beiden Altmeister Ricco Groß (Ruhpolding) und Sven Fischer (Oberhof), die schon 1995 beim bisher letzten Championat in Italiens Biathlon-Hochburg Medaillen gewannen. Weil die Mixed-Staffel (jeweils zwei Damen und Herren laufen über insgesamt 4x6 km) ins WM-Programm aufgenommen wurde, werden zum ersten Mal in der Historie elf Weltmeister ermittelt. Das sind zehn mehr als bei der Premieren-WM vor 49 Jahren in Saalfelden.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%