Bittere Sprintniederlagen gegen McEwen
Boonen trotz Gelb mit der Tour nicht grün

Vekehrte Radsport-Welt: Der belgische Radsport-Star Tom Boonen fährt nun schon den zweiten Tag im Gelben Trikot und ist doch nicht richtig zufrieden. Zu sehr schmerzen die Sprint-Niederlagen gegen Robbie McEwen.

Als Sprinter von der Qualität eines Tom Boonen hat man es nicht immer leicht. Nicht einmal, wenn man das Gelbe Trikot der Tour de France überstreifen darf: "Es ist nur das zweitschönste im Radsport - nach dem des Weltmeisters", meinte der Belgier am Start der fünften Erappe in Beauvais. Doch auf sein geliebtes Regenbogen-Jersey, das er seit seinem WM-Titel im vergangenen Oktober normalerweise trägt, muss der 25-Jährige verzichten, so lange er in einer der Tour-Wertungen führt: "Notgedrungen", sagt er.

Viel schwerer wiegen für den Seriensieger des Frühjahres allerdings die Niederlagen in den Sprintfinals der ersten Etappen, bei denen er gegen den Australier Robbie Mcewen zweimal klar den Kürzeren zog. Denn für seine dritte Tour-Teilnahme hat sich der 25-Jährige eigentlich viel vorgenommen. "Ich fühle mich sehr gut und bin hier, um Etappen zu gewinnen", erklärt Boonen selbstbewusst.

In den beiden letzten Jahren ist ihm das schon je zweimal gelungen. Und nach seinen bisherigen 17 Saisonerfolgen, die er sich meist im Massenspurt holte, galt der Kapitän des Quick-Step-Teams als großer Favorit für mögliche Sprintentscheidungen bei der Frankreich-Rundfahrt. Boonen sieht sich selbst aber keinewegs nur als Mann für die Zielgerade: "Ich bin kein reiner Sprinter, mein Potenzial geht darüber hinaus. Sprinter treten nur auf den letzten 100 Metern in Erscheinung, ich zeige mich auch vorher."

Der goldene April 2005

So wie im April 2005, als ihm das Kunststück gelang, innerhalb von acht Tagen die beiden Radsport-Monumente Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix zu gewinnen. Jeweils als Ausreißer nach einer frühzeitigen Attacke. Und auch bei der WM in Madrid setzte sich das 1,92m große und 85kg schwere Kraftpaket auf einem schweren Kurs gegen die versammelte Elite der Eintagesspezialisten durch.

Doch bei der Tour läuft es für ihn noch nicht rund. "Manchmal spüre ich schon die Last des WM-Titels", räumt der Flame mit Wohnsitz in Monacco ein. Auch die Euphorie seiner Landsleute, die in ihm schon einen neuen Eddy Merckx sehen, ist Boonen eher unangenehm: "Ich bin kein Gott, sondern nur ein Typ, der Rad fährt. Aber die Leute brauchen Helden, und den glauben sie offenbar in mir gefunden zu haben."

© SID

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