Düsseldorf/MünchenWas wie ein PR-Gag klingt, ist keiner: Das Eis beim Eishockey könnte blau eingefärbt werden, damit der Puck für Fernsehkameras besser zu sehen ist. Tischtennisspieler sollten sich größere Bälle um die Ohren hauen, damit das Spiel etwas langsamer wird und es so die Zuschauer leichter zu verfolgen wird. Und beim Rudern muss sowieso mehr Action rein, also könnte man den Wechsel der Bahnen erlauben.
Solche Überlegungen, wenn auch nicht neu, haben ein stets aktuelles Ziel: Sport publikumswirksam zu vermarkten. Paradebeispiel, wie das funktioniert ist der Super Bowl mit den teuersten Werbezeiten überhaupt und Weltstars wie Madonna, für die es eine Ehre ist, dann aufzutreten, wenn das eigentliche Event - das Finalmatch - unterbrochen ist.
Sogar vor der Europäer und speziell der Deutschen höchstem Heiligtum machen solche Gedankenspiele der Vermarkter der größten Ligen und Verbände nicht halt: In der FIFA läuft mal mehr mal weniger intensiv eine Diskussion an, den Fußball bis 2022, wenn in Katar die Weltmeisterschaft gespielt wird, in drei Drittel zu unterteilen.
Denn Fußball hat besonders in den USA keine Tradition. Es fallen wenig Tore, für das US-Publikum ist der Sport damit im Gegensatz zu Basketball oder eben dem American Football, nicht so spannend. Offiziell geht's bei dieser Idee zu mehr Spielunterbrechungen um die Gesundheit der Spieler, wenn sie bei großer Hitze auf den Rasen müssen. Praktischerweise bedeutet aber jede zusätzliche Minute Pause für die FIFA, Verbände, Vereine und TV-Sender mehr Werbegeld.
Das fließt eben nur in Rekordhöhen, wenn die Veranstaltungen Rekord-Quoten liefern. Die TV-Sender brauchen fernsehgerechte Inszenierungen, um die Zuschauer vor die Bildschirme zu holen. Eine Tendenz, die es weltweit und auch in Deutschland gibt.
6 Prozent mehr Amerikaner melden sich am Tag nach dem Super Bowl krank.
20 Prozent mehr Kopfscherztabletten werden am Montag nach dem Finale abgesetzt. In den USA spricht man von "Super Bowlitis".
50 Millionen Dollar werden in diesem Tag in Essen investiert. Für die Nahrungsmittelindustrie ist der Super Bowl nach Thanksgiving der zweitwichtigste Tag im Jahr.
120 Millionen Liter Bier fließen die durstigen Kehlen hinunter, damit die Chips und das Popcorn nicht zu trocken sind.
150 Millionen Fans in der Spitze und 111 Millionen Fans im Schnitt sehen das Spektakel in den USA an den heimischen TV-Geräten. Weltweit schauen sogar 800 Millionen Menschen zu. Unter den TopTen der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern in den USA sind acht Super-Bowl-Partien.
150 goldene mit mit Diamanten besetzte Super-Bowl-Ringe werden jährlich an das Siegerteam verteilt. Der Wert eines Rings beträgt in etwa 5000 Dollar.
206 Millionen Dollar generiert die NFL am Super-Bowl-Sonntag. Ein 30-Sekunden-Spot kostet bis zu drei Millionen Dollar. Doch die Firmen zahlen gerne und produzieren ihre Werbungen eigens für den Super Bowl.
250 Millionen Dollar werden von den Fans in Super-Bowl-Fanartikel gesteckt.
600 Dollar kostet ein Parkticket rund um das Lucas Oil Stadium in Indianapolis.
700 Dollar zahlt man für ein Ticket beim Public Viewing vor dem Stadion.
2000 Dollar kostet die billigste Eintrittskarte. Nach oben sind dem Preis-Wahnsinn kaum Grenzen gesetzt. Für eine feine Loge blättert man schnell mal sechsstellige Beträge hin.
4000 Tonnen Popcorn verschlingen die Amerikaner am Super-Bowl-Sonntag.
14.000 Tonnen Chips werden darüber hinaus noch vertilgt.
20.000 Tonnen Guacamole (Avocado-Dip) werden zubereitet, damit die Chips auch ordentlich eingetunkt werden können. Das entspricht im Avocado-Anbau etwa 222.792 Football-Feldern.
25.000 Dollar kostst die Vince-Lombardi-Trophy, die im Super Bowl ausgespielt wird. Ihr ideeller Wert ist natürlich unbezahlbar.
„Natürlich beobachten wir in Deutschland auch eine zunehmende Entertainisierung der Sportberichterstattung. Es müssen sich immer wieder Gedanken gemacht werden, wie sich die teueren Lizenzen vermarkten lassen", sagt Professor Michael Schaffrath (45), stellvertretender Leiter des Lehrstuhls für Sport, Medien und Kommunikation der Technischen Universität München.