Bob National
Langen: "Konkurrenzkampf untereinander schüren"

Der neue deutsche Bob-Cheftrainer Christoph Langen steht vor einer großen Aufgabe. Im SID-Interview spricht Langen über den Konkurrenzkampf und seine hohen Ansprüche ans Team.

Christoph Langen hat seit dem 1. Juli 2010 das Amt des deutschen Bob-Cheftrainers übernommen. In seiner ersten Wintersaison muss der 48-Jährige den Weggang von Erfolgsgarant Andre Lange kompensieren. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst macht Langen deutlich, dass er hohe Ansprüche an sein Bob-Team hat.

SID: "Herr Langen, nach dem Rücktritt des viermaligen Olympiasiegers Andre Lange fehlt Ihnen als neuer Cheftrainer in dieser Saison auf den ersten Blick der Siegfahrer. Welche Strategie haben Sie, um das zu kompensieren?"

Christoph Langen: "Bei mir gibt es keine Numer eins. Ich will den Konkurrenzkampf untereinander schüren. Auf der Bahn dürfen die Jungs ruhig mit dem Messer zwischen den Zähnen um ihre Positionen kämpfen, aber außerhalb der Bahn sollen sie die Erfahrungen gegenseitig austauschen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir eine ganz starke Mannschaft, die auf Sicht nur schwer zu schlagen sein wird."

SID: "Das ist mutig formuliert, schließlich starten bei den vier Übersee-Weltcups zum Saisonauftakt in Maximilian Arndt und Manuel Machata zwei Youngster ohne große Erfahrung ..."

Langen: "Für mich sind die Jungs jetzt schon Weltklasse. Sie sind heiß und wollen zeigen, dass sie auch international vorne dabei sein können. Unser Konzept ist auf Olympia 2018 ausgerichtet, und da werden die jungen Leute für uns die Kohlen aus dem Feuer holen."

SID: "Wie wirkt sich die offene Hierarchie im Team auf die Leistung aus?"

Langen: "Wenn ich mir die durchweg guten Startzeiten anschaue, dann ist durch den Konkurrenzkampf ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Das zeigt mir, dass im Sommer besser trainiert wurde. Früher haben sich die jungen Leute oftmals mit dem Europacup zufriedengegeben, weil sie wussten, die Weltcupplätze sind besetzt. Jetzt sind sie motivierter."

SID: "Dennoch dürfte der Olympiazweite Thomas Florschütz wegen seiner Erfahrung und Klasse gesetzt sein. Allerdings fällt er für die ersten vier Weltcups wegen einer Bandscheiben-Operation aus. Bereitet Ihnen das Sorge?"

Langen: "Es ist schade für Thomas, dass er sich noch nicht mit den jungen Wilden messen konnte. Aber sein Ziel, bei der Heim-WM in Königssee Gold zu holen, kann er nur erreichen, wenn er körperlich fit ist. Deswegen soll er sich jetzt erstmal von seiner Verletzung erholen und im Januar neu angreifen."

SID: "Ihr Vorgänger, der überaus erfolgreiche Raimund Bethge, war in Sachen Saisonziele immer sehr reserviert. Wie handhaben Sie das?"

Langen: "Mein Anspruch ist sehr hoch, und das formuliere ich auch offen und ehrlich nach außen. Ich werde kein Understatement betreiben, nur um den Druck rauszunehmen. Ich werde da genauso wenig bremsen wie damals auf der Bahn."

SID: "Und wie lauten die Ziele für diese Saison?"

Langen: "Wir wollen bei der Heim-WM in Königssee drei Titel holen."

SID: "Im Bob- und Schlittenverband für Deutschland hat es etliche personelle und strukturelle Veränderungen gegeben, die intern nicht bei jedem willkommen waren. Können Sie mit der Kritik leben?"

Langen: "So ist das nun mal, wenn man Visionen hat und diese verfolgt. Letztlich wird der Erfolg zeigen, ob es richtig war oder nicht. Das ist ja das Gute an unserem Sport: Die Uhr bleibt irgendwann stehen und zeigt dir knallhart, ob du gut oder schlecht gearbeitet hast."

SID: "Keinen Platz im neuen Bob-Trainerteam fand Andre Lange. Warum nicht?"

Langen: "Andre macht jetzt erstmal seine Trainerausbildung. So ein Top-Mann kann aber jederzeit bei uns einsteigen, auch wenn wir erst einmal herausfinden müssen, was der beste Aufgabenbereich für ihn ist. Andre braucht sicher eine leitende Funktion."

SID: "Auf dem Posten des Cheftrainers sitzen aber Sie ..."

Langen: "Wenn ich irgendwann einmal in Pension gehe, kann er meinen Posten übernehmen. Ich plane aber bis 2018."

© SID

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