Bob-Trainer eine Klasse für sich: Das Ausland setzt auf deutsche Wertarbeit

Bob-Trainer eine Klasse für sich
Das Ausland setzt auf deutsche Wertarbeit

Es will schon etwas heißen, wenn selbst die Holländer auf deutsche Trainer setzen. Was im Fußball kaum vorstellbar wäre, ist im Bobsport schon seit Jahren Realität.

HB TURIN. Medaillen pflastern ihren Weg, ihr geschulter Blick ist Garant für die beste Fahrlinie: Egal welche Bobbahn man in dieser Welt abgeht, fast in jeder Kurve steht ein deutscher Olympiasieger oder Weltmeister mit der Videokamera in der Hand. Ob Raimund Bethge, Meinhard Nehmer, Wolfgang Hoppe, Bogdan Musiol oder Matthias Trübner - die Haudegen des Bobsports wissen, wie Edelmetall geschmiedet wird. "Im ganzen Weltcup-Zirkus gibt es keinen Einzigen, der so viel Erfahrung, Wissen und Können mitbringt", schwärmt Bethge vom dreimaligen Olympiasieger Nehmer, der nach den Winterspielen mit 65 Jahren in den Ruhestand geht.

Der Bob-Veteran von der Insel Rügen ist im deutschen Team fast schon Kult. Wie wertvoll die Tipps des gelernten Wettertechnikers, Landwirts und Korvettenkapitäns der Volksmarine sind, sieht man schon im Umgang mit den Athleten. Wenn die knallharten 100-Kilo-Männer der Bob-Branche den Mann mit dem wettergegerbten Gesicht treffen, gibt es wie zuletzt von Lange-Anschieber Kevin Kuske schon mal einen Kuss auf die Stirn.

Etwas robuster mit den Jungs, nach dem Aufgabenwechsel aber etwas feinfühliger mit den Mädels geht Wolfgang Hoppe zu Werke, der für seine markigen Sprüche bekannt ist. Der erfolgreichste Pilot der Welt kennt noch heute fast jeden Winkel der Eispisten und weiß, welche Fahrlinie, welche Materialabstimmung am besten ist. Doch der 48- Jährige hat es mit seinen Frauen nicht immer leicht. "Es ist schon eine eigenartige Disziplin, wenn Sportler noch nicht mal ihre Geräte selbst transportieren können", hatte "Hoppfried" vor seinem Wechsel vom Technik- und Material-Trainer zum Frauen-Coach gesagt. "Da helfen wir nach, ist doch Ehrensache", meint Sportwart Musiol, mit sieben Olympia-Medaillen immer noch der erfolgreichste Anschieber der Welt.

Doch nicht nur die Athleten des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) profitieren von den Erfahrungen der deutschen Trainer. Die Niederländer schwören seit Jahren auf die Dienste von Viererbob-Olympiasieger Harald Czudaj, der seinen ehemaligen Trainer Gerd Leopold gleich mitgebracht hat. Czudajs früherer Anschieber Alexander Szelig, 1994 mit dem Riesaer Viererbob-Olympiasieger, coacht seit Sommer 2005 das Team von Kroatien und schaffte auf Anhieb die Olympia-Qualifikation. Die "Exoten" im Boblager vertrauen auf die Dienste von Rodel-Olympiasieger Horst Hörnlein, der vom Bob- Weltverband FIBT für die kleinen Bob-Nationen wie Japan, Neuseeland oder Brasilien als Trainer angestellt ist.

Dass deutsche Wertarbeit auch im Ausland für Siege gut ist, beweist seit Jahren Gerd Grimme. Der Dresdner betreut seit 2002 Kanadas Bobfahrer um Pierre Lueders. Er feierte WM-Titel, Weltcup- Gesamtsiege und olympisches Silber in Turin mit dem deutsch-stämmigen Kanadier im Zweierbob. Im Viererbob-Rennen am Freitag und Samstag galt Lueders als einer der großen Konkurrenten von Andre Lange.

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