Bob-WM in Winterberg: Grenzenlose Liebe

Bob-WM in Winterberg
Grenzenlose Liebe

Es ist eine Liebe über Grenzen hinweg. Die US-Pilotin Jamie Greubel Poser lebt mittlerweile in Potsdam beim Bob-Weltmeister von 2011, Christian Poser. Das Paar spricht über Nationalstolz und die Absicherung deutscher Sportler.
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WinterbergGemeinsames Training ja, Details zum Material hüten sie jedoch wie Staatsgeheimnisse. Bobpilotin Jamie Greubel Poser aus den USA hat ihren Lebensmittelpunkt mittlerweile in Potsdam beim deutschen Anschieber Christian Poser. „Ich liebe diese Schlösser, wir haben sogar in einem Schloss geheiratet. Das wäre in den USA nie möglich gewesen“, sagte die Amerikanerin aus Newtown/Pennsylvania. Nach Platz fünf im Frauen-Rennen bei der WM in Winterberg brauchte sie eine Menge Trost von ihrem Ehemann. „Ich hatte eine WM-Medaille als Ziel. Leider hat es nicht geklappt“, meinte die Olympia-Dritte von Sotschi in fließendem Deutsch.

Nun will die 31-Jährige bei der Viererbob-WM ihren Mann anfeuern. Immerhin fährt der drei Jahre jüngere Poser im Bob von Nico Walther um die Medaillen mit. „Das wäre ein Traum, wir sind ein eingespieltes Team. Doch ich gehe nicht mit so großen Erwartungen ins Rennen, denn Nico ist das erste Mal bei einer WM und noch ein Rookie“, meinte der gebürtige Cottbuser, der für den SC Potsdam startet.

Für Jamie geht's nach der WM per Flieger nach Lake Placid zu den US-Meisterschaften, Brandmeister-Anwärter Poser muss sich parallel bei der brandenburgischen Feuerwehr um seine fünfjährige Ausbildung kümmern. „Der gemeinsame Urlaub mit Strand, Sonne und Meer in den USA muss bis Juni warten“, betonte der ehemalige Sprinter, der von der ehemaligen Siebenkämpferin viel lernen kann. „Ich bin sicher schneller und stärker, doch technisch ist Jamie besser“, analysierte Poser nach dem gemeinsamen Training vom Frühjahr bis Herbst.

Zum Winteranfang in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung trennen sich oft die Wege, ehe es zum Weltcup-Start ein inniges Wiedersehen gibt. „Jeder arbeitet mit seinem Team, für sein Land. Da reden wir auch nicht über Material-Geheimnisse“, betonte die US-Pilotin. Ihr Mann bewundert den Nationalstolz, dieses Fokussieren auf ein Ziel. „Das war unglaublich bei den Amerikanern in Sotschi. Kein Tropfen Alkohol, unglaublich konzentriert, der olympische Gedanke spielt bei den Amis eine große Rolle, da wird alles untergeordnet“, erklärte Poser. „Den Deutschen geht es da mit der Absicherung von Bundeswehr, Polizei oder Feuerwehr zu gut. So etwas haben die Amerikaner nicht.“

In Übersee haben sie auch nicht so eine herrliche Architektur wie in Potsdam oder Prag, wo der letzte Ausflug des Paares hinging. „Wir lieben es zu reisen. Auch von der Ostsee war Jamie begeistert“, sagte der Anschieber, der auch von den Kochkünsten seiner Frau angetan ist: „Sie kocht wahnsinnig gut, probiert vieles aus. Vor allem die mexikanische Küche beherrscht sie bestens.“

Kennengelernt haben sich beide 2011 in Whistler. „Dann gab es viele Skype-Kontakte und nach einem Vierteljahr der erste Besuch“, meinte Jamie. Ihr Gatte fügte hinzu: „Da war es noch freundschaftlich, aber danach ging es ganz schnell, wie im Eiskanal.“

Beim rasanten Rennsport in der Eisbahn musste ihre Liebe schon einige Schrecksekunden überstehen. Beim Weltcup in Königssee stürzte die US-Pilotin schwer. Poser, der ausgerechnet auf dieser Bahn 2011 Viererbob-Weltmeister mit Pilot Manuel Machata wurde, eilte sofort zu ihr. Außer Prellungen und Abschürfungen ging alles gut aus. Seitdem versucht er immer, im Wettkampf an Jamies Seite zu sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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