Bob WM
Langes letzte Hoffnung ruht auf dem Pannen-Bob

Bei der WM in Lake Placid will Andre Lange mit seinem Pannen-Bob Edelmetall im Vierer einfahren. "Ich weiß nur nicht, inwieweit sich da was machen lässt", so der 35-Jährige.

Keine Kontrolle, keine Geschwindigkeit: Ausgerechnet im mit Problemen vollgestopften Viererbob liegt Andre Langes letzte Hoffnung auf eine WM-Medaille in Lake Placid. Der mit Steuer-Mill. konstruierte Königsschlitten fuhr der Konkurrenz zuletzt hoffnungslos hinterher - statt in einer "Rakete" sitzt der Chef-Pilot in einem Pannen-Bob.

"Wir werden natürlich versuchen, die Probleme bis Samstag in den Griff zu bekommen. Ich weiß nur nicht, inwieweit sich da was machen lässt", sagte Lange. Der neuen Bob lahmt vor allem im Hochgeschwindigkeitsbereich, Lange klagte zudem über mangelnde Kontrolle an den Lenkseilen.

Lange im Training mit Bestzeit

Immerhin fuhr der Titelverteidiger aus Oberhof im Training Bestzeit und war auch am Start der Schnellste. Und das ohne Top-Anschieber Kevin Kuske, der wegen einer Ellbogenverletzung geschont wurde.

Dass jedoch die Aussagekraft von Trainingsläufen im Rennen nahezu Makulatur ist, musste Lange bereits im Zweier erfahren. Der Olympiasieger war auch dort der Schnellste, doch dann gab es statt Edelmetall mit Platz fünf das schlechteste Resultat seit einem Jahrzehnt.

Der von der Berliner Kufen-Schmiede FES in Zusammenarbeit mit Christoph Langen gebaute Bob wurde mit dem Ziel Olympiagold 2010 entwickelt. Bis dahin soll getestet werden, auch Niederlagen sind einkalkuliert. Für den erfolgsverwöhnten Lange eine dennoch inakzeptable Situation.

Langen: "Im Vierer fährt Andre um die Medaillen mit"

Seinem früheren Erzrivalen Langen hat der achtmalige Weltmeister am Telefon über seine Sorgen berichtet. Zwischen Bayern und dem US-Bundesstaat New York glühten die Drähte, um per Ferndiagnose auf Ursachenforschung zu gehen. Seit Mittwoch ist Langen als ZDF-Experte selbst vor Ort, die Situation sieht er gelassen: "Das wird alles ein bisschen hochgespielt. Andre fährt im Vierer um die Medaillen mit."

Im vergangenen Jahr plagten Lange ähnliche Sorgen. Kurzerhand leaste er sich einen Schlitten vom Konstrukteur Singer aus Rosenheim und fuhr in Altenberg zu Gold. Die FES war bis auf die Knochen blamiert. In diesem Jahr kommt ein kurzfristiger Wechsel wohl aus Kostengründen nicht infrage. "Das würde 100 000 Euro kosten. Das fährt man nicht wieder rein", meinte Langen.

Dennoch ließ der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) offenbar nichts unversucht, um an ein Modell der Brüder Singer zu kommen. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde Generalsekretär Thomas Schwab sogar persönlich vorstellig. "Aber leider konnte ich aus vertragstechnischen Gründen keinen Vierer hergeben", sagte Sepp Singer.

Subkow im Singer heißester Gold-Anwärter

Die kleine Bob-Schmiede rüstet nämlich Langes Dauerrivalen Alexander Subkow aus. Der Russe gilt neben den Amerikanern als heißester Gold-Anwärter in Lake Placid. Aus dem deutschen Team fährt lediglich Karl Angerer Singer, Lange und der im Zweier mit Silber dekorierte Thomas Florschütz fahren FES.

Die ganze Verzweiflung im BSD spiegelt sich in einer Anekdote wieder. Bei der Junioren-WM in Königssee fand sich Christoph Langen in der Werkstatt plötzlich allein mit einem Singer-Bob wieder. Er riskierte einen Blick unter die Haube und wurde prompt erwischt. Langen meldete den Vorfall sogar persönlich beim Verband, Sepp Singer nahm es mit Humor: "Das Geheimnis siehst du so eh nicht."

© SID

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