Boxen
Ahmet Öner: Der neue Chef im Ring

Es ist ein Boxkampf, auf den Deutschland seit Monaten hinfiebert: das Duell zwischen Vitali Klitschko und seinem Herausforderer Juan Carlos Gomez am Samstag in Stuttgart. Doch es geht um mehr als nur den WBC-Titel im Schwergewicht, es geht für den Boxstall Arena und seinen Strippenzieher Ahmet Öner auch um die Vorherrschaft im deutschen Boxsport – und damit um die Gunst der TV-Sender.

DUISBURG. In der stillgelegten Fabrik an der Duisburger Grabenstraße wird wieder malocht. Zwischen Boxring, Sandsäcken, Hanteln und Postern mit Helden vergangener Zeiten steht „Rocky“, Graciano Rocchigiani, zweifacher Weltmeister, einer der Großen der deutschen Boxgeschichte. Heute ist er Trainer, hier im Hinterhof arbeitet er in „Rocky’s Gym“. Ein paar Presseleute stehen herum. Doch nicht wegen Rocchigiani. Sie warten auf den, der in den vergangenen zwei Jahren die Boxszene aufgemischt hat wie kein anderer – es ist Rockys neuer Arbeitgeber.

Die Tür geht auf, er kommt. Ein Typ ohne Lächeln, 90 Kilo schwer, Hose und Sakko schwarz, Hemd weiß, der Bart gestutzt und der Blick flüchtig. Ein Handschlag wie ein Griff nach einer Axt. Ahmet Öner, 37, gibt sich keine Mühe, Sympathie auszustrahlen. Er will vor allem eins: Erfolg. Am Samstag kämpft sein Schützling Juan Carlos Gomez in Stuttgart gegen Vitali Klitschko um die WBC-Weltmeisterschaft. „Wir sind kurz davor, sportlich an der Konkurrenz vorbeizuziehen“, sagt Öner. Es wäre der größte Erfolg seiner erst dreijährigen Karriere als Chef des von ihm gegründeten Boxstalls Arena.

Es ist ein Kampf, auf den Box-Deutschland seit Monaten hinfiebert – ebenso wie der Veranstalter Klitschko Management Group. Deren Haussender RTL zeigt das Duell, ein Riesenspektakel, die Einschaltquote wird wohl bei mehr als 30 Prozent liegen. Ein Sitzplatz am Boxring kostet bis zu 600 Euro.

Wieviel die Klitschkos dabei verdienen, ist ein Geheimnis. Beobachter gehen davon aus, dass die Kampfbörse zehn Mio. Dollar beträgt. Für Gomez bleiben davon schätzungsweise zwischen zehn und 30 Prozent. Doch dieses Geld ist Öner zunächst nicht wichtig – er denkt langfristig. Ein Sieg von Gomez würde alles verändern: „Den Weltmeister im Schwergewicht unter Vertrag zu haben, wäre großartig. Die großen TV-Sender kämen endgültig nicht mehr um uns herum.“

Das fette Geld macht der deutsche Boxsport allein mit Hilfe der Fernsehanstalten. Über Summen und Details wie die Vertragslängen herrscht aber Stillschweigen. Sicher ist nur, dass die Anstalten für hohe Quoten Millionenbeträge zahlen. Die Sender sind die wahren Ringluder.

Die großen Boxpromoter haben den TV-Markt unter sich aufgeteilt: Wilfried Sauerland hat seit Henry-Maske-Zeiten das Monopol auf die ARD, der Universum-Stall von Klaus-Peter Kohl ist auf das ZDF abonniert und die Klitschkos belegen RTL. Für Öner, Vierter im Bunde der wichtigsten deutschen Promoter, aber erst seit 2006 im Geschäft, bleiben Spartensender wie Premiere, DSF und Eurosport. Mit denen lässt sich nur wenig verdienen.

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