Boxen EM
Ulrich will EM-Titel verteidigen

Europameister im Halbschwergewicht Thomas Ulrich muss seinen Titel gegen den Ukrainer Juri Baraschian verteidigen. Mit Ralf Rocchigiani steht ein alter Bekannter in seiner Ecke.

Für Ralf Rocchigiani ist es der bisher wichtigste Kampf in seiner Karriere als Box-Trainer, wenn heute (23.00 Uhr/live im ZDF) in Halle/Saale sein Schützling Thomas Ulrich und der Ukrainer Juri Baraschian die Fäuste fliegen lassen. Der 32 Jahre alte Europameister Ulrich gilt als Talent, aber auch als schwieriger Charakter mit dem Prädikat "untrainierbar". Beispielsweise schläft er am liebsten daheim im Bett und nicht wie bei der Vorbereitung auf den EM-Kampf gegen den 28-jährigen Baraschian im Hotel Baltic von Zinnowitz.

Ulrich wurde unterstellt, er habe seine Nerven nicht im Griff und deshalb viele Kämpfe platzten lassen. Er spielt gern mit seinem Hasen und macht auch sonst ein paar für einen Berufsboxer ungewöhnliche Dinge. Rocchigiani aber, inzwischen 45 Jahre alt, "kann nicht feststellen, dass da was wahr dran ist, und wir sind jetzt schon fünf Monate zusammen".

Rocchigiani und Ulrich waren sich sofort einig

Er hatte die Geschichten auch gehört und sich Ulrich angeguckt. "War eine Sache von fünf Minuten", sagt Rocchigiani, dann war man sich im Oktober 2007 einig. Auch in Bezug auf Geld und Kompetenzen: Universum-Cheftrainer Fritz Sdunek ist der Boss, Rocchigiani macht die Arbeit vor Ort.

Ist er also doch Trainer geworden. Rocchigiani war von 1983 bis 1999 Berufsboxer, WBO-Weltmeister im Cruisergewicht. Nicht wenige hielten ihn für talentierter als den berühmten Bruder Graciano. Nach der Karriere war Ralf TV-Kommentator, schließlich Wirt. Die Kneipe war am Savigny-Platz in Berlin. Voll mit Erinnerungen an die eigene Laufbahn. 2007 musste er sie schließen.

Ein paar Erfahrungen als Trainer hatte Ralf Rocchigiani schon vorher. Bruder Graciano wurde, als er vor dem Kampf im März 1998 gegen Michael Nunn seinen Coach Emanuel Steward verlassen hatte, von ihm trainiert. In den vergangenen Monaten coachte Ralf Rocchigiani in Berlin und in Duisburg im "Rocky's Gym", das seinem Bruder gehört, Schwergewichtler Richel Hersisia (Niederlande) und die Supermittelgewichtler Christian Pawlak und Ali Yildirim.

"Hätt' ick so viel trainiert, wär' ick heute noch Weltmeister"

Was will er Thomas Ulrich beibringen? "Das ist ja ein guter Boxer", sagt Rocchigiani, "aber jeder hat so kleine Macken." Ulrichs Macke ist "die Defensive". Er soll nach dem Schlagen "die Pfoten hochnehmen" und nicht so offen dastehen. "Sonst hat er doch alles", lobt Rocchigiani, "Schnelligkeit, Power, Schlaghärte, Herz. Fast zu viel Herz. Er lebt wie ein Boxer, hab selten so ein fleißiges Kerlchen gesehen." Der Trainer lacht: "Hätt' ick so viel trainiert wie Thomas, wär' ick heute noch Weltmeister."

Rocchigiani ist wie alle Universum-Trainer freier Mitarbeiter. Ob und wie es weitergeht, hängt vom Ausgang des Kampfes gegen Baraschian ab. Rocchigiani braucht Geld, er hat Schulden. Was er als Boxer verdient hat, ist weg, die Steuerschulden nicht. Schlechte Berater, miese Geschäfte, laue Immobilien. "Da kommste in einen Strudel, aus dem kommste nicht mehr raus", sagt er.

Rocchigiani macht sich "keen Kopp drum, was nach dem Kampf ist". Er denkt nicht an einen Sieg - und an eine Niederlage? "Och nich"", sagt er, "weil det nüscht bringt."

© SID

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