Boxen im Schwergewicht
Ex-Sparringspartner fordert Klitschko zum Duell

Francesco Pianeta ist eher ein Boxer der zweiten Riege. Aber wenn er am Samstag gegen Wladimir Klitschko kämpft, hat er einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Gegnern des Ukrainers: Es ist nicht das erste Mal.
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Hamburg/MannheimWo Wladimir Klitschko hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Mit der Wucht von 700 Kilogramm soll die Rechte des Boxweltmeisters aus der Ukraine einschlagen, fanden Experten bei Messungen an einem sogenannten Crash-Dummy heraus. Das sei so, als würde ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern frontal auf eine Wand prallen. Herausforderer Francesco Pianeta aus Gelsenkirchen muss dieser Urgewalt standhalten. Er traut sich am Samstagabend (22.10 Uhr/RTL) in der Mannheimer SAP-Arena gegen Klitschko in den Ring. Es gibt wohl kaum einen Beobachter, der eine Niederlage des Dreifach-Champions Klitschko in Erwägung zieht.

„Ich bin klarer Außenseiter. Aber ich glaube, er unterschätzt mich“, meint Pianeta, der mit sechs Jahren aus der italienischen Region Kalabrien nach Gelsenkirchen kam, wo er seit 22 Jahren lebt. Der Mann aus dem Magdeburger Boxstall von Promoter Ulf Steinforth war einst Sparringspartner von Klitschko und zieht daraus jede Menge Selbstbewusstsein. „Ich wurde damals schon nach einer Woche nach Hause geschickt. Offiziell hieß es, ich habe nicht gepasst“, berichtet Pianeta, vermutet aber Anderes. Sein Trainer Dirk Dzemski erklärt: „Francesco war von Wladimir nicht zu kontrollieren. Das konnte er nicht leiden.“ Klitschkos damaliger Trainer Emanuel Steward soll Pianeta gelobt haben: „Du bist der nächste Weltmeister.“

Noch ein weiteres Detail aus der Vergangenheit baut Pianeta auf. 2003 kassierte Klitschko eine Niederlage gegen Corrie Sanders. Der Südafrikaner, ebenfalls 1,93 Meter groß wie Pianeta, schlug den fünf Zentimeter größeren Klitschko in der zweiten Runde k.o. Der vor knapp acht Monaten erschossene Sanders war Rechtsausleger. Auch Pianeta ist Rechtsausleger. „Corrie Sanders ist für mich ein Vorbild“, sagt der in 29 Profikämpfen unbesiegte Italiener. Einen Zeitungsbericht von damals legte sich der gläubige Katholik als erlaubte Stimulanz unters Kopfkissen.

„Jeder hat natürlich eine Siegchance, durch einen Lucky Punch zum Beispiel. Aber Wladimir ist der beste Schwergewichtler der Welt“, betont Thomas Pütz, Präsident der deutschen Berufsboxer. „Es gibt das Schwergewicht, und es gibt die Klitschkos. Die Brüder sind eine eigene Liga.“ Pianeta ordnet der Chef einer Sicherheitsfirma in die „gute zweite Riege“ ein. Für Klitschko werde es aber nicht reichen. Zwischen der vierten und der sechsten Runde sei Schluss, befand Pütz.

Klitschko lobt seinen Rivalen, weil er nach überstandener Krebserkrankung in den Ring zurückgekehrt ist. „Er hat dem Tod in die Augen geblickt. Er besitzt einen unbändigen Kampfeswillen und kennt keine Angst“, sagte der 37 Jahre alte Champion vor seinem 63. Profi-Kampf. Die Halle ist wie immer bei Klitschko-Kämpfen restlos gefüllt, die Fernsehrechte sind gut verkauft, die Einnahmen folglich im üblichen einstelligen Millionen-Bereich. Verglichen aber mit dem, was der Ukrainer im nächsten Kampf kassiert, gibt es jetzt nur Kleingeld. Im Spätsommer tritt der WBA-Superchampion in Moskau gegen den regulären WBA-Weltmeister Alexander Powetkin aus Russland an. Für Powetkin gibt es dann 4,4 Millionen Euro. Klitschko wird mit 13,32 Millionen Euro überhäuft.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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