Boxen International
Maske fordert Hill nach zehn Jahren zur Revanche

Nach mehr als zehn Jahren Ring-Pause fordert Ex-Box-Champion Henry Maske heute in München Cruisergewichts-Weltmeister Virgil Hill heraus. Schon im Vorfeld wurde viel Kritik am Comeback des 43 Jahre alten Maske laut.

Nach mehr als zehn Jahren Pause wagt Henry Maske heute (ab 22.05/live bei RTL) in München sein Comeback im Ring. Dort wartet Cruisergewichts-Weltmeister Virgil Hill auf den "Gentleman". Schon im Vorfeld des Kampfes hatte Maske in der Öffentlichkeit eine Menge verbale Schläge einstecken müssen. Ehemalige Wegbegleiter und Gegner kritisierten und verspotteten die Rückkehr des Ex-Champions im Halbschwergewicht in den Ring nach exakt 3 748 Tagen unter anderem als "Altherrenboxen" (Werner Schneyder).

Zudem glaubt nur jeder vierte Deutsche nach einer Forsa-Umfrage an einen Maske-Sieg, beim Wettbüro Intertops ist der Olympiasieger von 1988 mit einer Quote von 35:10 klarer Außenseiter gegen Hill (12,8:10). Und Mediziner befürchten nach dem Fiasko seines Ex-Stallkollegen Axel Schulz gegen Brian Minto gesundheitliche Folgen für den 43-jährigen Maske.

"Henry hat das Maximum getan"

"Ich habe das Gefühl, dass Henry das Maximum getan hat. Ich hoffe auf einen guten Kampf", sagte Maskes Manager Werner Heinz am Freitag. Sein Schützling schottete sich mit Trainer Manfred Wolke die letzten zehn Tage vor dem Fight hermetisch ab und zeigte sich nur noch einmal am Freitagabend im Hotel Bayerischer Hof auf der Waage. "Für Henry ist das die größte Herausforderung in seiner Laufbahn. Schließlich kehrt er gegen einen Weltmeister in den Ring zurück und nicht gegen irgendeinen Namenlosen", sagte Coach Wolke zu Virgil Hill.

"Ich habe zehn Jahre auf diesen Moment gewartet. Nun freue ich mich sehr auf diesen Kampf. Ich werde morgen noch einen Spaziergang im englischen Garten machen", erklärte Maske, der mit 86 kg um 200 Gramm leichter zur Revanche in den Ring steigt als sein Rivale. "Für Henry ist das die größte Herausforderung in seiner Laufbahn", glaubt Coach Manfred Wolke.

Groß war die Skepsis vor dem zweiten Duell zwischen Maske und Hill, der am 23. November 1996 an gleicher Stelle dem Deutschen in dessen 31. und letzten Profikampf die erste Niederlage beibrachte. "Mit 43 Jahren fängt man normalerweise nicht wieder an zu boxen. Für mich ist das eine Art von Publikumsverarschung. Aber für die Kohle würde ich auch nochmal in den Ring steigen", sagte der zur Zeit inhaftierte Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani zu seinem ehemaligen Gegner Maske, der drei Mill. Euro Börse verdient - 1,8 Mill. mehr als Hill.

"Trotz Skepsis wünsche ich ihm alles Gute"

"Rocky" erhielt trotz alter Rivalität eine Einladung von Maske. "Vor dem Sportler Maske hatte ich schon immer Respekt. Trotz meiner Skepsis wünsche ich ihm alles Gute und hoffe, dass er das Ding gut über die Runden kriegt", sagte der Ex-Champion im Supermittel- und Halbschwergewicht.

Bedenken aus gesundheitlichen Gründen äußerte am Freitag nochmal Ringarzt Professor Walter Wagner. "Es wäre sinnvoll, nach der Sparringphase nochmal eine Kernspintomographie des Kopfes zu machen. Um ganz sicher zu gehen", sagte Wagner der Münchner Tageszeitung TZ mit Blick auf den leichten Schlaganfall von Axel Schulz nach dem Minto-Fight. "Gerade nach so einer langen Pause - er hat ja noch drei Jahre länger als Axel ausgesetzt - ist die Gefahr groß, dass Schläge gegen den Kopf größeren Schaden anrichten." Wagner hatte Maske 2006 durchgecheckt und die Lizenz erteilt.

"Kann nur durch Sabotage verlieren"

Gegen Maske spricht auch das grenzenlose Selbstvertrauen Hills - und dessen Schlagkraft. "Ich war immer ein Wettkampftyp. Ich werde da rausgehen und mein Bestes geben. Eigentlich kann ich nur durch Sabotage verlieren", sagte der US-Amerikaner aus Bismarck/North Dakota, der die Auswahl der Punktrichter kritisierte und Bedenken wegen möglichen Betrugs äußerte. Dazu Werner Heinz gelassen: "Das ist Taktik, um das andere Lager zu verunsichern." Geboxt wird im alten Cruiser, wo 87 Kilogramm das Limit war. Dort fehlen Maske jegliche Erfahrungen.

Anders als an dem Kampf selbst braucht man am Spektakel in der Olympiahalle, das maßgeblich durch TV-Sender RTL mitgestaltet wurde, keine Zweifel zu haben. 17 Kameras fangen die Show und geladenen Promis wie Veronica Ferres, Heino Ferch, Günther Jauch oder die Klitschko-Brüder ein. Sarah Connor besingt, begleitet von einem 60-köpfigen Chor und 30 Streichern, einen unmöglichen Traum ("The Impossible Dream").

Und die Quote dürfte auch stimmen; beim Abschied Maskes am 23. November 1996 mit der Niederlage gegen Hill waren es 17,5 Mill. Zuschauer an den Bildschirmen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%