Boxen National
Kohl: "Wichtig waren vor allem die Sportler"

Klaus-Peter Kohl wird am kommenden Dienstag zum ersten Mal ein Jubiläum feiern: 25 Jahre Universum Box-Promotion. Im Interview mit dem sid stand der Jubilar Rede und Antwort.

"Ich habe noch nie ein Jubiläum gefeiert", sagt Klaus-Peter Kohl, "ich blicke lieber vor als zurück." Am kommenden Dienstag aber ist das anders. Da feiert er mit zahlreichen Weggefährten, Geschäftspartnern, Freunden und vielen starken Jungs dann doch: 25 Jahre Universum Box-Promotion. Rund 400 Gäste werden im Gym in Hamburg erwartet, wenn Ex-Weltmeister Artur Grigorian zu einem Showkampf wieder in den Ring steigt, flankiert von den berühmten "Nummerngirls" Regina Halmich, Ina Menzer, Alesia Graf und Susi Kentikian.

Der Jubilar sprach mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über den ersten Kampfabend, der vor allem finanziell ein Flop war, den Durchbruch, die Grenzeröffnung 1989 und die Zukunft.

sid: "Herr Kohl, 25 Jahre Universum Box-Promotion. In dieser Zeit haben Sie gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Wilfried Sauerland entscheidend das Profiboxen in Deutschland geprägt. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?"

Klaus-Peter Kohl: "Ich blicke lieber voraus als zurück. Ich habe noch nie ein Jubiläum gefeiert, ich wurde richtig dazu gedrängt. Für mich war immer nur die Zukunft entscheidend. Wichtig waren vor allem die Sportler. Da haben wir unter anderem in Dariusz Michaelczewski, Regina Halmich und den Klitschko-Brüdern herausragende Boxer gehabt, die wesentlich zum Erfolg von Universum beitrugen."

sid: "Wie sind Sie 1984 auf die Idee gekommen, Box-Promoter zu werden?"

Kohl: "Ich war damals ehrenamtlich Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer und Vizepräsident des Europäischen Boxverbandes. In Deutschland gab es nur den Promoter Wilfried Sauerland. Es war viel Idealismus dabei, aber im Hintergrund stand auch immer die Geschäftsidee. Ich habe immer gedacht, dass man mit Boxen Geld verdienen kann und dass das Fernsehen interessiert sein muss. Geld verdienen kann man nur mit Fernsehen. Aber das Geld war letztendlich nie meine Motivation."

sid: "Ihr erster Kampfabend am 24. Februar 1984 in Hamburg war nicht sehr erfolgreich ... "

Kohl: "Damals durfte ich als BDB-Präsident natürlich nicht selbst veranstalten. Deshalb standen andere Namen auf dem Plakat. Ich kenne immer noch die Vornamen aller Besucher, weil ich die Tickets selber verkauft habe. Die Veranstaltung war finanziell ein Flop. Ich habe 150 000 Mark verloren. Es waren mit Freikarten zwar 2000 Zuschauer in der Halle, aber verkauft haben wir nur 500."

sid: "Dennoch haben Sie weitergemacht, wenn auch erst nach drei Jahren Pause ..."

Kohl: "Man muss natürlich aus Fehlern lernen, und mir war klar, dass man investieren und dass ich einen eigenen Stall eröffnen muss. Mit fremden Boxern bekommt man kein Geld zurück. Da sagt jeder andere Manager nur Danke schön."

sid: "Wie konnten Sie sich in dem Haifischbecken Berufsboxen durchsetzen? Da hat man es doch mit ausgebufften Kontrahenten wie Don King zu tun, von denen jeder seinen Vorteil sucht ..."

Kohl: "Ich hatte es etwas einfacher durch meine Funktionärstätigkeit. Man kannte mich, und ich kannte die anderen. Das gibt größere Akzeptanz. Das Wichtigste ist, dass du die richtigen Boxer hast. Hast du Erfolg, wollen sie dich, es ist immer dasselbe. Zuverlässigkeit und Geradlinigkeit sind am wichtigsten. Ich habe mich nicht immer mit jedem geeinigt, aber ich kann jedem in die Augen schauen."

sid: "Was war für Sie der Durchbruch?"

Kohl: "Das war schon die Weltmeisterschaft von Markus Bott im Februar 1993 im Cruisergewicht. Er war ja erst der vierte deutsche Weltmeister überhaupt nach Max Schmeling, Eckhard Dagge und Graciano Rocchigiani. Wichtig war natürlich der Vertrag mit Premiere. Sauerland hatte einen Vertrag mit der ARD. Einen der ersten Kämpfe von Henry Maske aus Hamburg-Wandsbek haben wir 1990 noch gemeinsam gemacht. Der lief im Ersten. Wir haben dann beide mit RTL verhandelt, die wollten Boxen groß machen. Plötzlich kam Premiere zu mir. Das war mein Glück. Das hat mir die Möglichkeit zu zwölf Veranstaltungen jährlich gegeben. Dadurch konnte ich den Boxstall richtig aufbauen."

sid: "Wann haben Sie denn begonnen, Geld zu verdienen?"

Kohl: "So ab 1995, als Dariusz und Artur Grigorian Weltmeister waren. Als es anfangs nicht so rosig aussah, hat meine Tochter Gaby einmal halb im Scherz gesagt, sie sollte mich entmündigen lassen."

sid: "Welche Rolle spielten die deutsche Einheit und die Öffnung der Grenzen ab 1989?"

Kohl: "Die Grenzöffnung 1989 war ein erster Schritt in Richtung Europa. Wir sind alle Europäer. Ich kann sagen, ich bin Hamburger und Europäer. In 50 Jahren redet niemand mehr über den nationalen Hintergrund, und das wird Europa stark machen."

sid: "Denken Sie nicht, dass die TV-Quoten und Ihr Erfolg als Promoter noch größer wären, wenn es einen deutschen Schwergewichtsweltmeister gäbe?"

Kohl: "Wenn es im Boxen einen talentierten Deutschen gibt, versuche ich den natürlich zu holen. Wir müssen uns aber davon lösen, immer nur auf die Deutschen zu achten. Sagen Sie mir mal einen echten deutschen Weltstar im Fußball. Philipp Lahm vielleicht, Michael Ballack vielleicht. Aber wurden die Weltmeister, Europameister und Champions-League-Sieger? Es gibt keinen Beckenbauer, Netzer oder Seeler mehr. Kahn war wohl der letzte. Und trotzdem brummt die Bundesliga, weil das Produkt stimmt."

sid: "Stimmt denn das Produkt Boxen noch? Gibt es nicht zu viel Boxen im Fernsehen?"

Kohl: "Nein, es kann nicht zu viel sein, wenn die Qualität stimmt. Ich habe immer gesagt, wir setzen auf das Sportliche. Man muss etwas machen, wo die Zuschauer sagen, das war Weltklasse. Entscheidend ist dafür ein starker Stall. Man muss einen Stall haben, aus dem immer wieder Kämpfer zu Weltmeistern werden können. So sind auch ganz plötzlich Denis Inkin und Karoly Balzsay zu Weltmeistern geworden und haben dabei tolle Kämpfe gezeigt."

sid: "Was waren für Sie die schönsten Momente in den 25 Jahren?"

Kohl: "Wenn die Kämpfer groß und erfolgreich sind, ist das eine Sache. Aber es macht unheimlichen Spaß, junge Leute heranzuführen, wenn die dann erste Titel holen. Ich erinnere mich noch daran, wie schön es war, als Dariusz 1993 seinen ersten Titel gewonnen hatte. Besonders waren die erste WM von Bott und der Kampf von Dariusz gegen Virgil Hill, mit dem er Dreifach-Weltmeister geworden ist. Dann die WM-Titel der Klitschkos, die Kämpfe von Regina Halmich und natürlich der Fight von Felix Sturm gegen Oscar de la Hoya. Es wäre natürlich noch schöner gewesen, wenn er nicht betrogen worden wäre, aber dieser Kampf war sein Durchbruch."

sid: "Apropos Sturm. Warum kommt der Kampf gegen Arthur Abraham nicht zustande, den jeder sehen will?"

Kohl: "Wenn der Kampf zu finanzieren wäre, würde man ihn machen. Aber er hat ein Volumen, das zurzeit in Deutschland nicht darstellbar ist. Abraham hat ja mal gesagt, er würde gegen Felix umsonst antreten. Da haben wir gleich zugestimmt, aber dann wurde Arthur von Wilfried Sauerland zurückgepfiffen."

sid: "Sie haben gesagt, Sie blicken immer nach vorne. Wie schauen Sie in die Zukunft?"

Kohl: "Da ist mir nicht bange. Wenn Jean-Marcel Nartz als technischer Leiter im Sommer aufhört, sind bei Universum im Büro außer mir fast alle unter 40. Man muss sich immer erneuern und den Nachwuchs heranführen. Ich ziehe mich schon langsam zurück. Mein Schwiegersohn Dietmar Poszwa lernt ja bereits als voll verantwortlicher Chef bei Spotlight. Natürlich fragt er mich auch manchmal um Rat, aber entscheiden tut er ganz alleine. Das ist auch ganz wichtig, damit es nicht so ist wie bei Don King. Er hat seinem Sohn Carlbis heute keine Verantwortung übertragen. Das halte ich sogar für einen großen Fehler."

© SID

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