Boxen National
US-Coach Atlas scheucht Maske durch den Ring

In knapp sechs Monaten steigt "Gentleman" Henry Maske wieder in den Ring und feiert gegen Virgil Hill sein Comeback. Im Training zeigt sich der Ex-Weltmeister bereits in guter Form. Nur die Beine bereiten noch Probleme.

Sechs Monate vor seinem Comeback gegen den US-Amerikaner Virgil Hill präsentiert sich der ehemalige Weltmeister Henry Maske schon gut in Schuss. Bei einem öffentlichen Training hat der "Gentleman" in einem Sparringskampf über fünf Runden gegen Dan Sheehan bewiesen, dass er noch immer boxen kann. US-Startrainer Teddy Atlas ließ den 42-Jährigen zweieinhalb Stunden schwitzen.

"Mehr Training als ich schon damals hatte, kann man nicht machen", antwortete "Sir Henry" mit leicht errötetem Haupt nach der Einheit auf die Frage, ob er angesichts seines Alters mehr arbeiten müsse. "Vielleicht anders", fügte Maske an. Im Maylife Boxclub der ehemaligen Stallgefährten Torsten und Rüdiger May am Fühlinger See in Köln ließ der Olympiasieger von 1988 vor den Augen seines überaus kritischen Coaches die Fäuste fliegen.

Problemzone Beine

Die Schnelligkeit in den Armen ist da, die Präzision der Schläge, die wie neuerdings bei seinem Kollegen Axel Schulz begleitet von einem lauten "HA" angeflogen kommen, auch. Die Beine kommen hier und da noch nicht so nach, weshalb Teddy Atlas laut reinredet oder auch mal in den Ring springt und auf die Beine Maskes schlägt.

"Die Beine sind noch nicht so toll, die sind aber ein wichtiges Argument. Sie werden es im Kampf sein müssen", meinte der Ex-Champ zur Revanche gegen Hill, gegen den er im letzten Fight seiner Karriere im November 1996 in München die erste Niederlage einstecken musste. Und auch mit Atlas, der schon die Schwergewichts-Weltmeister Mike Tyson und Michael Moorer betreute, und der Amtssprache Englisch ("Da gab´s Traingseinheiten, da raucht einem der Kopf") kämpft er.

"Ich muss ihn bremsen"

"Er ist ein intelligenter Mann. Manchmal ist das im Training hinderlich, weil er alles hinterfragt. Aber er ist hundertprozentig dabei, ich muss ihn sogar bremsen", schildert Atlas seine Eindrücke nach vier Wochen Arbeit im Basiscamp in Hackensack/New Jersey, einer wenig attraktiven Nachbarschaft in der Nähe von New York.

"Du kannst es mir 20-mal sagen, aber ich muss es spüren", sagte Maske so unter anderem nach einer wiederholten Unterbrechung zu Atlas. "Er weiß, wo meine Stärken sind und macht auch nicht etwas völlig anderes mit mir", sagt der Deutsche, der von der Wahl Atlas mittlerweile restlos überzeugt ist.

Beispiel: Atlas verabredete drei "Privatkämpfe" unter Ausschluss der Öffentlichkeit - unter Wettkampfbedingungen ohne Kopfschutz. Der erste, ein Sechsrunder, findet am 4. November in Hackensack statt, es folgen ein Achtrunden- (Dezember) und Zehnrunden-Kampf (Januar). "Da wird er die Antworten auf seine Fragen bekommen", sagt Atlas, und Henry Maske meinte dazu: "Der Gedanke hat mich fasziniert und beruhigt mich auch."

Atlas springt über seinen Schatten

Teddy Atlas wollte eigentlich nicht mehr coachen. Der 50-Jährige arbeitete die letzten fünf Jahre nur als Experte für den Sportsender Espn. "Ich habe zweimal Nein gesagt. Als Kommentator musst Du keinem sagen, wann er aufstehen, trainieren oder schlafen soll. Man übernimmt Verantwortung, auch für Fehler des Boxers", erklärte Atlas, der von Maske überzeugende Argumente haben wollte: "Er hat um eine Chance gebeten, etwas wieder gutzumachen, was zuvor falsch gelaufen ist. Es ist seine einzige Chance, die wollte ich ihm nicht nehmen."

Schon am kommenden Mittwoch (11. Oktober) geht es wieder nach Hackensack, täglich 6.30 Uhr aufstehen, sieben bis acht Kilometer laufen, vier bis fünf Stunden in Halle trainieren. Abgesehen von einigen Stippvisiten (Weihnachten) bezieht Maske vier Wochen vor dem Kampf dann in München Quartier. Das vorgesehene Kampfdatum 31. März 2007 ist noch nicht bestätigt, weil an diesem Tag die Olympiahalle schon gebucht ist.

© SID

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