Boxen WM
Box-Riese Walujew neuer Schwergewichts-Champ

Der 2,13 m große Hüne aus dem Berliner Sauerland-Stall besiegte in der Nacht zum Sonntag Titelverteidiger John Ruiz aus den USA nach Punkten. Nikolai Walujew ist damit der erste russissche Schwergewicht-Champion.

Es war ein ereignisreicher Box-Abend. Auch nach dem Boxkampf flogen noch die Fäuste. Nikolai Walujew gewan in Berlin als erster russicher Profiboxer den WM-Titel im Schwergewicht. Der 2,13m große Hüne aus dem Berliner Sauerland-Stall besiegte Titelverteidiger John Ruiz aus den USA nach Punkten und ist neuer Champion nach der Version der WBA. Nach dem Kampf kam es zu tumultartigen Szenen ausgelöst durch den Trainer von Ruiz, Norman Stone.

Der Coach des entthronten Champions John Ruiz, entriss dem neuen Schwergewichts-Weltmeister Nikolaj Walujew im Ring bei der Siegerehrung den WM-Gürtel und konnte erst durch den Faustschlag eines Betreuers gestoppt werden. "Dieses Urteil stinkt", schrie der aufgebrachte Trainer, nachdem sein Schützling den Titel der WBA nach Punkten (114:116, 113:116, 114:114) an den Russen verloren hatte.

Stone: "Schlimme Entscheidung"

"Das war eine schlimme Entscheidung. Es bleibt dabei. In Deutschland kann man als Amerikaner nur durch K.o. gewinnen", wetterte Stone und schoss wie von der Tarantel gestochen durch die Schmeling-Halle. Der entthronte Weltmeister war am Boden zerstört: "Ich weiß, dass ich diesen Kampf gewonnen habe. Und das Publikum weiß es auch."

Don King, legendärer Promoter und Manager von Ruiz, schien hingegen Partei für die Gegenseite zu ergreifen: "Ich akzeptiere das Ergebnis. Deutschland ist das neue Schwergewichts-Mekka. Nikolaj kann die Titel der vier Verbände vereinen." Die lautstarke Forderung seines Schützlings nach einem Rückkampf begegnete King mit nichtssagenden Floskeln: "Natürlich hat er einen Rückkampf verdient. Ich tue immer das Beste für meine Boxer."

Sauerland: "So kaum Chancen auf Rückkampf"

Walujews Manager Wilfried Sauerland, der nach einigen vergeblichen Anläufen in den 90er Jahren mit seinem damaligen Schützling Axel Schulz endlich einen Schwergewichts-Champion präsentieren konnte, griff das Ruiz-Lager scharf an: "Wenn man sich so benimmt, hat man kaum Chancen auf einen Rückkampf." Für die Tumulte im Ring machte Sauerland ausschließlich den Trainer von Ruiz verantwortlich: "Bis zum Auftritt von Herrn Stone war das Publikum ruhig und hatte das Urteil der Punktrichter akzeptiert."

Der neue Weltmeister beteiligte sich nicht an der verbalen Schlammschlacht und wirkte in all der Aufregung wie der Riesenfels in der Brandung. "Ich bin stolz, der erste russische Schwergewichts-Weltmeister zu sein. Ich wünsche allen ein schönes Silvester-Fest." Das Pfeifkonzert vieler der insgesamt 10 000 Zuschauer nach der Urteilsverkündung ließ den 2,13 m großen "Riesen aus St. Petersburg" kalt: "Ich habe mich daran gewöhnt, dass die Zuschauer immer zu meinen Gegnern halten."

Walujew verbessert, aber mit zu wenig Angriffswillen

Doch damit tat der neue Champion dem Publikum Unrecht. Man musste kein Anhänger von Ruiz sein, um sich über die Entscheidung des Punktgerichts zu wundern. Mehrmals hatte der US-Amerikaner Walujews Größenvorteil von 25 Zentimetern mit schnell Vorstößen überwunden. Der Sauerland-Schützling zeigte sich im Vergleich zu seinem letzten Auftritt zwar technisch und taktisch verbessert, zeigte aber für einen Herausforderer zu wenig Angriffswillen.

"Der Sieg war knapp, aber am Ende verdient. In Amerika hätte Walujew wohl nicht gewonnen", meinte WBC-Weltmeister und Supermittelgewichtler Markus Beyer. Und auch für Ex-Champion Henry Maske ging der knappe Sieg des Russen in Ordnung: "Es war hachdünn, doch man kann den Sieg geben. Eigentlich bräuchte Walujew eine eigene Gewichtsklasse." Für Walujewwar es der 43. Sieg im 44. Profikampf. Der 33 Jahre alte Ruiz kassierte dagegen bereits seine sechste Niederlage als Profi und dürfte vor dem Ende seiner Karriere stehen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%