Boxen WM
Brähmer greift nach der WM-Krone

Jürgen Brähmer will sich heute im Kampf gegen Hugo Hernan Garay den WBA-Titel im Halbschwergewicht sichern. "Auf diese Chance habe ich jahrelang gewartet", so der "Knastboxer".

Mit sechsjähriger Verspätung will Boxprofi Jürgen Brähmer heute (23.00 Uhr/live im ZDF) den ganz großen Coup landen und sich erstmals die WM-Krone aufsetzen. Als der heute 30-Jährige im Oktober 2002 den Interkontinental-Titel der WBC gewonnen hatte, stand der Schweriner kurz vor dem ganz großen Wurf. Ungeschlagen, laut Promoter Klaus-Peter Kohl "ein Jahrhunderttalent". Alles war bereit für den Sturm an die Weltspitze, außer Brähmers Temperament: Statt im Ring verbrachte er Jahre im Gefängnis. Nicht "Weltmeister" wurde sein Etikett, sondern "Knastboxer."

Heute in Rostock aber ist es nun soweit, endlich: Brähmer fordert Titelverteidiger Hugo Hernan Garay (Argentinien) im Kampf um den WBA-Titel im Halbschwergewicht und würde bei einem Erfolg die Tradition der deutschen Weltmeister Graciano Rocchigiani, Dariusz Michalczewski und Henry Maske in dieser Gewichtsklasse fortsetzen.

"Auf diese Chance habe ich jahrelang gewartet", sagt der Mecklenburger. Seit seiner Freilassung 2005 wurde er wieder aufgebaut, die Defizite durch die verlorenen Jahre aber waren in den Kämpfen zunächst nicht zu übersehen. So kassierte er gegen Stallgefährte Mario Veit im Mai 2006 auch seine einzige Niederlage in bisher 32 Kämpfen.

Trainer Timm erwartet "Kampf bis zum letzten Blutstropfen"

Trainer Michael Timm ist sich aber sicher, dass die Zeit jetzt aufgeholt ist: "Ich arbeite seit 1994 mit ihm zusammen und er war noch nie so gut drauf. Er hat alles getan, um der beste Brähmer aller Zeiten zu werden." Garay, der zweimal knapp gegen Zsolt Erdei verlor, ist allerdings als äußerst harter und manchmal unsauberer Boxer bekannt. Timm erwartet deshalb eine Ringschlacht: "Es wird ein Kampf bis auf den letzten Blutstropfen."

Manager Kohl hatte sich bereits bei der Verpflichtung von Brähmer 2000 die Filmrechte an der Lebensgeschichte des Blondschopfes gesichert. 1996 bereits wurde er Juniorenweltmeister, aber zwei Jahre später bereits wegen zahlreicher Delikte zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Falsche Freunde und schnelle Erregbarkeit zeichneten Brähmer aus, dessen Konfliktlösungsstrategie lange Zeit nicht reden hieß, sondern eher handgreiflich war.

"Das ist nun mal mein Leben"

Timm arbeitete damals nicht nur als Trainer, sondern nach der Freilassung im September 2000 auch als Bewährungshelfer. Dennoch musste der Boxer 2002 seine Karriere erneut unterbrechen. Einem Unfallgegner hatte er zwölf Zähne ausgeschlagen. 30 Monate lautete das Urteil, auch jetzt ist er nur auf Bewährung frei. "Das ist nun mal mein Leben", sagt er, "ich verleumde es nicht."

Die Gratwanderung bleibt. Brähmer wirkt ruhig und abgeklärt im normalen Leben, Freundin Tatjana ist ein wichtiger Halt. Trotzdem gibt es immer wieder Anzeigen gegen ihn, die eine weit größere Bedrohung für sein Leben darstellen, als die Kämpfe im Ring. Ein Verfahren wegen Körperverletzung wurde im Dezember letzten Jahres eingestellt.

In Schwerin aber liegt noch die Anzeige einer Frau vor, die er in einer Disko geschlagen haben soll. Ein Anwalt kümmert sich. "Ich bin völlig unschuldig. Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen", sagt er: "Ich möchte mich nur auf meinen Kampf konzentrieren".

© SID

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