Boxen WM
Felix Sturm wieder Mittelgewichts-Weltmeister

Felix Sturm hat die Revanche gegen Javier Castillejo in Oberhausen gewonnen und sich den WBA-Weltmeistertitel im Mittelgewicht zurückgeholt. Für Sturm war der Titelgewinn der Höhepunkt einer schwierigen Lebensphase

Für Felix Sturm war der WM-Titel mehr als nur ein Kampf. In der Stunde des größten Triumphes ließ der Profibox-Weltmeister die schlimmsten Momente seines Lebens im Zeitraffer an sich vorbeiziehen. "Das war eine harte Zeit, da ist man ganz tief gefallen. Die Niederlage hat auch meiner Mutter schwer zu schaffen gemacht. Dann kam der Tod meiner Mutter nach langer Leidenszeit", sagte der 28-Jährige. Zuvor hatte er mit einem einstimmigen Punktsieg über zwölf Runden am späten Samstagabend in Oberhausen von Javier Castillejo nicht nur die WBA-Krone im Mittelgewicht zurückholte. Sturm tilgte zugleich die Schmach der schweren K.o.-Niederlage gegen den Spanier am 15. Juli 2006.

Zehn Tage nach dem herben sportlichen Rückschlag starb damals die geliebte Mutter des Profiboxers. Dank der Unterstützung seiner Freunde, der Familie und seines Trainer Michael Timm fasste der Sohn bosnischer Einwanderer schnell wieder Mut. "Ich wusste, dass irgendwann wieder die Sonne scheint. Und im Moment scheint sie ganz kräftigt", sagte Sturm, der nach den Erfahrungen der vergangenen zehn Monate einen tiefgreifenden Reifeprozess in allen Bereichen durchmachte.

"Aus Fehlern gelernt"

Den Beweis dafür lieferte er in der Revanche gegen Castillejo ab. "Ich habe bewiesen, dass ich aus Fehlern gelernt habe. Manchmal ist es besser, mit Köpfchen zu boxen. In Zukunft werde ich das nur so machen, dann könnte ich noch einige Zeit Weltmeister bleiben", sagte Sturm, der als zweiter Deutscher nach Markus Beyer zum dritten Mal eine WM-Krone holte.

Anerkennung erhielt der neue Weltmeister nach dem leidenschaftlich geführten Duell vor 5 000 Zuschauern auch von Castillejo. "Diesmal war er ein Champion. Er ist verdient Weltmeister geworden", sagte der bereits 39-Jährige, der Sturm vor zehn Monaten in Hamburg in der zehnten Runde mit einer Serie schwerer Aufwärtshaken gestoppt hatte.

Der deutsche Herausforderer hielt sich anders als im ersten Fight peinlich genau an die von Erfolgscoach Timm, der vor zwei Wochen den Usbeken Ruslan Tschagajew zum Sieg gegen den Riesen Nikolai Walujew geführt und zum WBA-Champion gemacht hatte, vorgegebene Taktik. Auf schnellen Beine blieb Sturm überwiegend auf Halbdistanz, brachte zunächst die linke Führhand blitzschnell ins Ziel und traf im weiteren Verlauf auch häufiger mit schweren rechten Schlaghänden.

Castillejo mit Vorteilen in den Schlussrunden

Doch der Titelverteidiger marschierte scheinbar unbeeindruckt von den Schlägen nach vorne, versuchte alles und hatte in der Kampfmitte und in den beiden Schlussrunden auch Vorteile. Doch Castillejo fehlten die klaren Treffer. "Von Javier kann man was lernen, er hat alle großen Leute geboxt, und er hat mich weitergebracht", sagte Sturm voller Hochachtung.

Erleichtert war auch Promoter Klaus-Peter Kohl. "Die Frage war, wie er den K.o. aus dem Kopf bekommt. Er hat gezeigt, dass er das kann", sagte der Chef der Universum Box-Promotion, der nach einer Durststrecke nun wieder einen Stall voller Weltmeister hat. Vor Sturm hatte der Kroate Stipe Drews am Samstag vom Italiener Silvio Branco den WBA-Titel im Halbschwer geholt, womit insgesamt sechs Universum-Männer WM-Gürtel halten. Dazu kommen Regina Halmich, Julia Sahin und Ina Menzer.

Verärgert war Felix Sturm am Ende nur über die Frage eines spanischen Reporters, warum ein Boxer Weltmeister wird, der nur wegläuft? Sturm: "Große Kämpfer wie Muhammad Ali, Roy Jones junior oder Floyd Mayweather junior haben ihre Kämpfe im Rückwärtsgang gewonnen. Ich bin kein Mike Tyson, ich bin ein Boxer. Damit habe ich mich abgefunden. Punktsieg ist Punktsieg, gewonnen ist gewonnen, Gürtel ist Gürtel. Es steht 1:1, von mir aus können wir nochmal boxen."

© SID

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