Boxen WM
"Großmaul" Haye vor Walujew-Fight siegesgewiss

Vor dem WM-Kampf im Schwergewicht gegen Titelträger Nikolai Walujew spuckt Herausforderer David Haye große Töne. "Alle werden sehen, wie ich Walujew zerstöre", so der 29-Jährige.

Zwischen Dampfbügeleisen und Riesen-Schokoküssen wirbt Aldi Süd auf seiner Internetseite für den Box-Kampf am heutigen Abend zwischen Nikolai Walujew und David Haye (22.15 Uhr/live in der ARD). Die Schwergewichts-WM um den Gürtel der WBA beim Discounter, Tickets ab 13,50 Euro. Das irritiert zunächst, weist aber auf den Stellenwert des Schwergewichts im Schatten der Klitschko-Brüder hin. Am Freitag waren immer noch Tickets für die maximal 9 000 Zuschauer fassende Arena in Nürnberg zu erhalten.

"Habe noch nie einen hässlicheren Menschen gesehen"

Dabei hat insbesondere der britische Herausforderer David Haye fast nichts ausgelassen, um den Kampf zu promoten. Perfekt spielte er seine Rolle als Provokateur mit großen Sprüchen und geschmacklosen Gesten. "Alle werden sehen, wie ich Walujew zerstöre", kündigte der 29-Jährige im Vorfeld an, "ich habe noch nie einen hässlicheren Menschen gesehen."

Titelverteidiger Walujew nahm die Beleidigungen mit anscheinend stoischer Ruhe hin. Der 2,13 Meter lange Russe wirkte wie immer zurückhaltend. "Er ist ein Idiot. Soll er reden, was er will", sagte der 36-Jährige, "viel schlimmer wäre es, wenn er mir im Kampf Ärger bereiten würde."

Seine gewaltige physische Überlegenheit von 22 Zentimeter mehr Körperlänge und rund 50 Kilo mehr Gewicht verleiht dem in 52 Kämpfen nur einmal bezwungenen Walujew ein Gefühl der Unbesiegbarkeit. Haye wird schnell um ihn herumtanzen und versuchen zu treffen. Wirkung wird er dabei voraussichtlich nur wenig erzielen, obwohl er als schlagstark gilt.

"Der Ringboden wird zusammenbrechen"

Haye hat allerdings bereits vom Sturz des Giganten geträumt: "Wenn ich ihn K.o. schlage, wird der Ringboden zusammenbrechen", fabuliert der Brite, "ich habe die Chance Geschichte zu schreiben als der erste Boxer, der das Biest zu Boden schickt. Das wird ein Knall, lauter als jedes Feuerwerk."

Der ehemalige Cruisergewichtsweltmeister hat allerdings erst einen Kampf im Schwergewicht bestritten. Dennoch wird er in unabhängigen Ranglisten als Nummer drei hinter den Klitschko-Brüdern geführt. Er ist ein Superstar in Großbritannien und kassiert bei der TV-Vermarktung des Kampfes auf der Insel im Bezahlfernsehen gehörig mit. Seine beiden bereits geplanten Kämpfe zunächst gegen Wladimir und anschließend gegen Witali Klitschko ließ er unter anderem deswegen kurzfristig platzen, weil es keine Einigung über die TV-Rechte gab.

Walujew kündigt neuen "Hammerschlag" an

Statt im September vor 60 000 Zuschauern in Frankfurt/Main gegen Witali zu boxen, tritt er nun also gegen Walujew an. Dessen Promoter Wilfried Sauerland nutzte die schleppenden Verhandlungen mit den Klitschkos schnell aus und kann dadurch seinem TV-Partner ARD einen namhaften Gegner präsentieren. "Wir haben den WM-Kampf nur unserer PR-Kampagne zu verdanken", sagte Hayes Trainer Adam Booth.

Der Titelverteidiger hat sich wie gewohnt wochenlang in der Abgeschiedenheit von Kienbaum auf den Kampf vorbereitet und trotz seines fortgeschrittenen Alters sogar noch etwas dazugelernt. "Ich habe einen neuen Schlag, ich versuche dabei, meinen Gegner von oben zu treffen", sagte Walujew, "wir haben ihn Hammerschlag getauft."

© SID

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