Boxen WM
Holyfield gibt nicht auf und will fünften WM-Titel

Evander Holyfield will seine Karriere mit einem fünften WM-Titel im Schwergewicht beenden. Trotz seiner letzten Misserfolge im Ring, unter anderem gegen Weltmeister Sultan Ibragimow, lässt er nicht von seinem Ziel ab.

Für Evander Holyfield ist noch lange nicht Schluss. Mit fast 45 Jahren lässt der Altmeister nicht vom Traum des historischen fünften WM-Titels im Schwergewicht ab. Das änderte auch die eindeutige Punktniederlage nach zwölf Runden im Kampf um den WBO-Titel am Samstag in Moskau gegen Weltmeister Sultan Ibragimow (Russland) nichts. "Ich muss mich jetzt wieder hinten anstellen, aber das heißt nicht, dass es vorbei ist", sagte Holyfield nach seiner neunten Niederlage im 53. Profikampf.

Noch einmal hatte er die Gelegenheit, seinen großen Lebenstraum zu verwirklichen und als erster Boxer zum fünften Mal Weltmeister aller Klassen zu werden. Die Erkrankung von WBA-Champ Ruslan Tschagajew hatte völlig unerwartet den Weg für den Texaner in den Box-Olymp frei gemacht. Ibragimow gilt nach Wladimir Klitschko (IBF), Tschagajew und Samuel Peter (WBC) schließlich als schwächster der vier Weltmeister. Eine echte Chance aber hatte der Altmeister nicht.

Nur in den ersten Runden konnte er mit dem 13 Jahre jüngeren Titelträger mithalten und schüttelte ihn in der zweiten Runde mit einem rechten Jab durch. Da erinnerte er an den großen Holyfield, der 1996 Mike Tyson ausgeknockt hatte.

Willenskraft hält Holyfield auf den Beinen

Ab der zweiten Hälfte ging ihm immer mehr die Luft aus, in der elften Runde musste er zu Boden, aber er brachte den Kampf mit großer Willenskraft über die Runden. "Er hat uns überrascht, wir haben nicht gedacht, dass er durchält", sagte ein russischer TV-Kommentator: "Er hat sich als echter Profi präsentiert."

Schon lange konnte "The Real Deal" Holyfield, der letzte verbliebene "Dino" unter den Box-Größen von einst, nicht mehr überzeugen. Im November 2004 wurde er nach der Niederlage gegen Larry Donald durch die Box-Athleten-Kommission der USA aus Angst um seine Gesundheit sogar gesperrt. Trotzdem gab Holyfield nicht auf. In Tests wies er seine Fitness nach und schaffte 21 Monate nach seiner Zwangspause im August 2006 ein Comeback.

Überzeugen konnte er bei vier Siegen gegen bestenfalls zweitklassige Konkurrenten aber nicht mehr. Dennoch wurde er wegen seines großen Namens und weil es zurzeit keinen US-amerikanischen Champion gibt, nochmal zum WM-Kandidaten. Boxerisch aber reicht es einfach nicht mehr. "Ich habe nicht genug Kombinationen geschlagen", sagte er selbst: "Ibragimow war sehr flink, und ich habe mich mit Kombinationen nicht wohl gefühlt."

Holyfield will in Ruhe analysieren

"Der Weltmeister des Volkes", wie sich Holyfield selbst bezeichnet, will sich den Kampf daheim in aller Ruhe auf Video ansehen und sich die Meinung von Experten anhören. "Habe ich so schlecht gekämpft, dass sich ein weiterer Versuch nicht lohnt?", fragte er: "Der Kampf wurde nur nach Punkten entschieden." Zwei Punktrichter gaben ihm vier Runden, einer drei.

Eine Woche hat Holyfield noch Zeit, seinen Rücktritt zu erklären, dann könnte er nach der obligatorischen fünfjährigen Wartezeit pünktlich zum 50. Geburtstag in die Hall of Fame einziehen.

Insbesondere seine großen Kämpfe in den neunziger Jahren haben seinen Status als Top-Schwergewichtler zementiert. In seinen letzten acht Kämpfen kassierte Holyfield allerdings vier Niederlagen, und so läuft er Gefahr, sein eigenes Denkmal zu stürzen.

© SID

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