Boxen WM
Huck siegt nach Punkten und bleibt Weltmeister

Marco Huck hat seinen WM-Gürtel der WBO im Cruisergewicht erfolgreich gegen den Briten Ola Afolabi verteidigt. "Käpt'n Huck" ging über zwölf Runden und gewann nach Punkten.

"Sei mal ein Kerl!" Ulli Wegner kniete in den Ringpausen vor seinem Schützling Marco Huck und beschwor ihn mit immer heiserer werdender Stimme. Zwischen Flehen und Fluchen redete der Trainerfuchs auf seinen jungen Schützling ein: "Mill. gucken zu und wollen einen starken Marco sehen. Mensch, Deckung zumachen, hörst du mich nicht?" Nach zwölf anstrengenden Runden war der 67-Jährige fast so fertig wie Huck, aber es hatte sich gelohnt: Der Bielefelder verteidigte in Ludwigsburg seinen WBO-WM-Titel im Cruisergewicht gegen Herausforderer Ola Afolabi (Großbritannien) erfolgreich.

3:0 (115:113, 115:113, 116:112) lautete das Urteil der drei Punktrichter, durch das der 25 Jahre alte "Käpt"n" Huck seinen im August gewonnenen Gürtel behält. Afolabi pendelte wie ein Metronom, wich aus, tanzte, machte Faxen und wurde nur selten getroffen. Und sah sich am Ende natürlich als Sieger: "Ich habe die meisten seiner Schläge abwehren können und die entscheidenden Treffer gesetzt", behauptete der 29-Jährige, "in Deutschland kann man eben nicht nach Punkten gewinnen"

In der fünften Runde hatte der Herausforderer Huck tatsächlich mit einem sehenswerten Aufwärtshaken angeschlagen, er wirkte mit seinem unkonventionellen Stil auch immer gefährlich, aber der Titelverteidiger war insgesamt aktiver. "Es war schwer, gegen diesen starken Gegner zu kämpfen", sagte der gebürtige Serbe, "ein guter Boxer muss auch mit den Mätzchen des Gegners fertig werden."

"Der Kopf war dafür heute entscheidend"

Zwischendurch sah es aber einige Male so aus, als würde Huck die Fassung verlieren. Der ehemalige Kickbox-Weltmeister hat den Ruf, aufbrausend zu sein und die Beherrschung zu verlieren. Auch deshalb stand Wegner pausenlos unter nervöser Hochspannung und nahm Huck nach dem Kampf erleichtert in die Arme: "Für seine kurze Zeit im Leistungssport war das eine hervorragende Leistung. Der Kopf war dafür heute entscheidend."

Hucks Reifeprozess geht offenbar tatsächlich in eine gute Richtung. Bei seiner bisher einzigen Niederlage gegen Steve Cunningham vor fast zwei Jahren gebärdete er sich noch wie ein wilder Haudrauf. Er trennte sich kurzzeitig von Wegner, wusste alles besser. Bis er schließlich mit einer Entschuldigung reumütig zu dem Meistercoach zurückkehrte. "Ich habe mich an die Linie meines Trainers gehalten", sagte Huck, "aber natürlich werden wir diesen Kampf noch auswerten. Ich will meinen Titel schließlich noch eine Weile behalten."

Hucks nächsten Kampf plant Promoter Wilfried Sauerland für März oder April. Dann steht eine freiwillige Titelverteidigung an, und der Herausforderer wird passend ausgesucht. "Man muss dann nicht so einen unangenehmen Gegner haben", sagte Sauerland. Das schont dann auch Nerven und Stimme von Ulli Wegner.

© SID

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