Boxen WM
Klitschko will endlich einen richtigen Gegner

Nicht nur die Fans, auch Wladimir Klitschko war über den schwachen Auftritt von Ray Austin enttäuscht. Daher hofft der Ukrainer nun endlich auf einen ernstzunehmenden Gegner zu treffen: zum Beispiel Nikolai Walujew.

Der Zuschauer wusste am Samstagabend nicht so recht, ob er nun einem WM-Kampf beiwohnte, oder lediglich zusah, wie Wladimir Klitschko einen Sparings-Partner in einem Trainings-Fight auseinander nahm. Ray Austin war kein Gegner für den Ukrainer, vielmehr ein Opfer. Nur 4:25 Minuten hielt sich Wladimir Klitschko mit dem 36-jährigen Austin auf. Eine Serie von vier linken Haken beendete in der zweiten Runde in Mannheim das als großes Spektakel inszenierte Missmatch zwischen dem wohl besten Schwergewichtler der Welt und einem dank der Schwäche der Konkurrenz und eines Systems von vier Weltverbänden zum Pflichtherausforderer aufgestiegenen Durchschnitts-Schläger aus den Straßen von Cleveland. "Ich habe diesen Gegner nicht ausgewählt", sagte Klitschko: "Er war die Nummer eins der IBF." Daher steht nun jemand auf der Liste von Klitschko, von dem er sich mehr Gegenwehr erhofft: Nikolai Walujew.

"So etwas schadet dem Boxen", urteilte HBO-Kommentator Larry Merchant, dessen Sender den Kurzauftritt live in die USA übertrug und damit ebenfalls nicht glücklich war: "Es gibt zu viele Austins."

Klitschko: "Ich möchte gegen Walujew boxen"

Mit 13,27 Mill. TV-Zuschauern in der Spitze und einem Marktanteil von 52 Prozent feierte RTL in Deutschland immerhin eine Superquote, die beste aller Zeiten bei einem Klitschko-Kampf. Doch ob die Zuschauer bei einer erneuten Kurzarbeit wieder einschalten? Jeder weiß also, was als nächstes passieren muss. "Ich hoffe, es geht mit einem Vereinigungskampf weiter", sagte Klitschko: "Ich möchte jetzt gegen Nikolai Walujew boxen, das wäre attraktiv."

Der russische Riese muss zwar zunächst am 14. April in Stuttgart seinen WBA-Titel gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew verteidigen, bei einem Erfolg aber möchte auch der 2,13-Meter-Mann das Duell mit Klitschko. "Es hängt natürlich vom Management ab, aber ich bin jederzeit bereit, gegen Wladimir anzutreten", sagt der ungeschlagene 33-Jährige und lockt den Ukrainer: "Bruder, wir sehen uns im Ring."

Klitschkos hoffen auf Druck der Box-Fans

Davor stehen intensive Verhandlungen. Schon seit er den IBF-Titel vor einem Jahr in Mannheim gewonnen hat, arbeitet Klitschkos Lager an einer Titelvereinigung. "Es ist ein Powerspiel, andere Promoter haben auch Weltmeister und wollen sie nicht verlieren", sagt Wladimir Klitschko, der sich mit seinem Bruder Witali selbst promotet: "Ich hoffe, dass auch der Druck der Öffentlichkeit hilft."

Vor allem Don King hat bislang alle Verhandlungen blockiert und auf Pflichtverteidigungen bestanden. Der Amerikaner hat neben Austin auch Samuel Peter unter Vertrag, der die Nummer eins bei der WBC und damit Herausforderer von Oleg Maskajew ist. "Es hat im letzten Jahr schon ein Treffen bei HBO gegeben", berichtete Klitschko-Manager Bernd Bönte: "King hat alles abgelehnt."

Dem inzwischen 75-Jährigen aber schwimmen immer mehr die Felle davon. Bei Walujew verdient er zwar weiterhin die Hälfte mit, hat aber nach dem Kampf gegen Tschagajew nichts mehr zu sagen. Und Wilfried Sauerland, der Manager von Walujew, ist grundsätzlich bereit, den Megafight mit Klitschko zu machen, wenn beide Boxer die gleiche Börse erhalten. "Ich denke, die TV-Partner würden sich einigen", ließ der Berliner ausrichten, der eigentlich mit der ARD kooperiert.

RTL will Megafight stemmen

Der Megafight wäre aber nur bei RTL zu finanzieren. Fünf Mill. soll Klitschko in Mannheim verdient haben, mit einem Kampf gegen Walujew wäre eine in Deutschland nie dagewesene Dimension erreicht. Dennoch ist der Kölner Sender bereit, die Sache zu stemmen. "Das ist der Kampf, den alle sehen wollen", sagt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer: "Und wir wollen ihn machen."

© SID

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