Boxen WM
Sturm sinnt gegen Castillejo auf Revanche

Heute steigt Felix Sturm in Oberhausen gegen WBA-Titelträger Javier Castillejo in den Boxring. Dabei will der 28-Jährige die Mittelgewichts-Krone zurückerobern, die ihm der Spanier 2006 schmerzlich entrissen hatte.

In nur knapp zehn Monaten bekam Profiboxer Felix Sturm in der jüngsten Vergangenheit die Härten des Lebens voll zu spüren. Aber er nahm die daraus resultierenden Herausforderungen an und will nach der Verarbeitung dieser Erfahrungen heute in Oberhausen die Mittelgewichts-Krone in der Revanche gegen WBA-Titelträger Javier Castillejo (23.00 Uhr/live im ZDF) zurückholen.

"Habe aus den Fehlern gegen Castillejo gelernt"

"Wenn mich mein Umfeld nicht so großartig nach der Niederlage und dem Tod meiner Mutter gestützt und aufgebaut hätte, wäre es nicht mehr zu diesem Kampf gekommen. Jetzt fühle ich mich fit wie nie, habe aus den Fehlern im Kampf gegen Castillejo gelernt und weiß nun, dass Talent alleine nicht ausreicht", sagte der hochbegabte 28-Jährige zu der bisher schlimmsten Phase seines Lebens. Am 15. Juli 2006 verlor Sturm in Hamburg seinen WBA-Titel trotz großer Überlegenheit wegen Leichtsinns in der 10. Runde durch technischen K.o. an den damals bereits 38-jährigen Spanier. Zehn Tage nach dem sportlichen Rückschlag starb die geliebte Mutter nach schwerer Krankheit.

"Gehe mit 110 Prozent in den Ring"

"Ich musste mir eingestehen, dass ich es zu locker genommen und deshalb nur 90 Prozent gezeigt habe. Diesmal gehe ich mit 110 Prozent in den Ring", sagte der Amateur-Europameister von 2000, der über den Tod seiner Mutter in der Öffentlichkeit nicht spricht. Knapp 100 Sparringsrunden absolvierte Sturm, dazu kamen mehrmaliges Videostudium seiner Niederlage ("Damit habe ich kein Problem") sowie kleine Veränderungen in der Ernährung und am Trainingsprogramm.

Doch den größten Schritt machte Felix Sturm auch nach Meinung von Trainer Michael Timm in der Entwicklung seiner Persönlichkeit. "Man kann mit Felix mal in Ruhe Sachen analysieren, ohne dass er hinterher sagt: Was will der Alte von mir?", sagte der Coach des neuen Schwergewichts-Weltmeisters Ruslan Tschagajew.

Vieles sei laut Timm bei seinem Schützling in der Vergangenheit "hier rein- und da wieder rausgegangen". Dieser Wandel sei für das Ziel, wieder Weltmeister in einer Klasse mit großer Historie und Champions wie Sugar Ray Leonard, Marvellous Marvin Hagler, Carlos Monzon oder seinem ehemaligen Bezwinger Oscar de la Hoya zu werden, unabdingbar. "Castillejo wird versuchen, Felix aus der Bahn zu werfen - wie beim ersten Mal", meinte Michael Timm mit Blick auf den ständig attackierenden Spanier.

Castillejo gibt sich selbstbewusst

Castillejo, der 41 seiner 61 Siege (6 Niederlagen) vorzeitig errang, zeigte sich entsprechend selbstbewusst. "Sturm ist nicht mehr der alte. Ich stehe besser da und habe innerlich mehr Kraft aufgebaut", sagte der Weltmeister, dessen harte Trainingsarbeit auch ein Veilchen unter dem linken Auge dokumentierte.

Dass Castillejo überhaupt noch Titelträger ist, hat er seinem letzten Gegner zu verdanken. Am 2. Dezember 2006 verlor der Titelverteidiger in Berlin gegen Mariano Carrera. Doch der Argentinier wurde des Dopings überführt, und Castillejo blieb Weltmeister. Im Rahmenprogramm feierte Sturm damals mit einem technischen K.o.-Sieg über Gavin Topp ein erfolgreiches Comeback.

Anders als sein Gegner und anders als in der Vergangenheit, verzichtete Sturm im Vorfeld auf "große Sprüche". Da passte auch der 77-minütige Wirbel eine Woche vor dem Fight wegen angeblicher neuer finanzieller Forderungen ("Dass ich mehr Geld gefordert habe, ist absoluter Quatsch.") und kurzzeitiger Absage des Fights durch die Universum Box-Promotion überhaupt nicht ins Bild.

© SID

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