Boxen WM
Tschagajew stürzt den "russischen Riesen" Walujew

Bow-Weltmeister Nikolai Walujew ist gestürzt: Der "russische Riese" unterlag in Stuttgart überraschend Ruslan Tschagajew (Usbekistan) und verlor damit seinen ersten von jetzt 47. Profikämpfen.

Schwergewichts-Boxer Ruslan Tschagajew (Usbekistan) hat für eine Überraschung gesorgt und den russischen Weltmeister Nikolai Walujew bei dessen erster Pflichtverteidigung in Stuttgart entthront. Der 28 Jahre alte Herausforderer besiegte den 2,13-m-großen Walujew nach Punkten und sicherte sich in seinem ersten WM-Kampf den Titel der World Boxing Association (WBA). Für den von Wilfried Sauerland gemanagten Walujew war es im 47. Profikampf die erst Niederlage.

Der "russische Riese", der sich zuletzt im Januar 2007 in Basel gegen den US-Amerikaner Jameel Mccline erfolgreich behauptet hatte, konnte diesmal in der Porsche-Arena nicht überzeugen. Damit ist auch ein Vereinigungskampf des 33-jährigen Walujews gegen Wladimir Klitschko in weite Ferne gerückt. Der Ukrainer hatte diesen Wunsch nach seinem Erfolg vor vier Wochen in Mannheim gegen Ray Austin (USA) geäußert. "Ich möchte gegen Walujew boxen, das wäre attraktiv", hatte Wladimir Klitschko gesagt. Auch Walujew hatte seine Bereitschaft für ein Duell mit Klitschko signalisiert. "Es hängt natürlich vom Management ab, aber ich bin jederzeit bereit, gegen Wladimir anzutreten", meinte "The Russian Giant".

"Meilenstein im Boxsport"

Während US-Promoter Don King nach dem hochklassigen Kampf über zwölf Runden fähnchenschwingend "von einem Meilenstein im Boxsport" schwärmte, lieferte der 28-jährige Tschagajew seine ganz persönliche Erklärung für die erste Niederlage von "Goliath" Walujew im 48. Profikampf. "Früher haben alle gesagt, Nikolai ist zu groß und zu schwer, um ihn zu besiegen. Ich bin zwar kleiner, aber ich bin giftig", meinte der neue WBA-Weltmeister. Wohlwissend, dass er seinem Ruf als "White Tyson" in seinem ersten WM-Kampf alle Ehre gemacht hatte.

Mit eisenharten Schlägen aus der Halbdistanz, beeindruckender Schnelligkeit und immenser Disziplin zermürbte der Profi aus dem Universum Boxstall Favorit Walujew. Vor dem "achten Weltwunder", wie Don King den 33-Jährigen aufgrund seiner Körpermaße bezeichnet, zeigte Pflichtherausforderer Tschagajew vom ersten Gong an wenig Respekt. Die Vorbereitung mit Sparringspartnern mit "NBA-Körpermaßen" (Tschagajew: "Ich hatte fast eine Genickstarre") verfehlte ihre Wirkung nicht.

Der gefallene russische Riese Walujew saß noch weit nach Mitternacht mit tief ins Gesicht gezogenem Baseballcap in den Katakomben. Zumindest äußerlich kaum gezeichnet und mit den Gedanken schon bei einer möglichen Revanche. "Ich hoffe, ich werde die Chance dazu bekommen. Bis dahin werde ich hart an mir arbeiten. Es gibt keinen Grund, mich ins Grab zu legen", murmelte der 145kg schwere Walujew und zeigte auch im völlig ungewohnten Moment der Niederlage Größe: "Der Sieg von Tschagajew war verdient, weil ich viele Fehler gemacht habe."

Promoter Wilfried Sauerland hatte für seinen geknickten "Russian Giant" trotz der geschäftsschädigenden Schlappe zumindest tröstende Worte parat. "Nikolai hat viel mehr gezeigt, als alle erwartet hätten", erklärte Sauerland - und erntete nach dem erstaunlich schnellen und sauberen Duell keinen Widerspruch.

Walujews Trainer Manuel Gabrielian warf indes den Fehdehandschuh schon mal in den Ring. "Für mich ist Tschagajew kein richtiger Champion. Das wird er erst, wenn er Nikolai zum zweiten Mal besiegt." Die Ecke des neuen Weltmeisters, der ab der sechsten Runde mit einer verletzten Schlaghand agieren musste, signalisierte bereits Bereitschaft. "Wir sind immer für ein Rematch", bestätigte Universum-Chef Hans-Peter Kohl, der jetzt in Tschagajew erstmals seit dem Absprung der Klitschkos 2004 wieder ein Zugpferd in der Königsklasse im Stall hat.

Kämpfer außerhalb und innerhalb des Boxrings

Der Usbeke aus Andizhan widmete den Triumph seiner Familie. Allen voran Ehefrau Viktoria, die im August ihr zweites Kind erwartet und deshalb auf die Reise nach Stuttgart verzichtet hatte. Tschagajew: "Für sie kämpfe und siege ich. Meinem Sohn Artur hatte ich doch versprochen, dass ich am Sonntag als Weltmeister nach Hause komme", berichtete der "White Tyson" augenzwinkernd.

Zum Scherzen war Tschagajew in den vergangenen Jahren allerdings kaum aufgelegt. Im April 2006 war zwei Jahre nach dem Vater auch seine Mutter an den Folgen eines Herzleidens gestorben. "Das war der traurigste Tag in meinem Leben", sagte Tschagajew, der seine Kampfbörsen in diverse Herz-Operationen investiert hatte. Im Mai 2005 hatte er unter dramatischen Umständen Frau und Sohn aus den Bürgerkriegswirren seiner Heimat befreit. "Ruslan hat eben ein unglaubliches Kämpferherz, einen eisernen Willen und Disziplin", lobte Trainer Michael Timm den neuen WBA-Weltmeister.

© SID

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