Boxen WM
Viel Brisanz im Stallduell um den WBO-Thron

Für Titelverteidiger Zsolt Erdei und Herausforderer Thomas Ulrich steht heute beim stallinternen Duell um die WBO-Krone sehr viel auf dem Spiel. Dem Gewinner steht die Welt offen, dem Verlierer droht das Karriere-Ende.

Im stallinternen Duell zwischen Profibox-Weltmeister Zsolt Erdei und Thomas Ulrich geht es heute in Oberhausen (live im ZDF ab 22.30 Uhr) um deutlich mehr als nur ums Prestige und um den WBO-Gürtel im Halbschwergewicht. Dem Verlierer droht womöglich das Karriere-Ende. Zudem wird nach Meinung von Promoter Klaus-Peter Kohl ein neuer Publikumsmagnet geboren. "Dieser Kampf hat eine ganz besondere Bedeutung, für den Sieger geht es ganz nach oben, ihm stehen alle Türen offen", sagt der Chef der in Hamburg ansässigen Universum Box Promotion.

Nach der unerwarteten Niederlage von Felix Sturm hat Kohl keinen deutschen Weltmeister mehr, der ein gutes zusätzliches Pfund bei den Verhandlungen um den neuen TV-Vertrag im kommenden Jahr wäre. "Es geht um die Qualität des Boxens. Zsolt wird bei einem Sieg noch populärer in Deutschland", sagt Kohl, für den Boxsport unabhängig von Nationalitäten funktioniert: "Wir müssen Quoten haben, und die haben wir."

Dennoch würde sich Kohl nicht gegen einen Weltmeister Thomas Ulrich wehren, den er wegen dessen verschenkter Chancen allerdings kritisiert. "Ulrich kann nicht immer das Talent bleiben. Er ist 31 Jahre alt. Bei einem anderen Weltverband hätte er keinen WM-Kampf bekommen." Will heißen, für den Olympadritten von 1996 ist es die zweite - und letzte Chance.

"Für mich ist es eine weitere Chance, nicht die letzte", meint Ulrich, der bereits als Amateur als der Nachfolger von Henry Maske gefeiert worden war. Schwächen in der Deckung und mangelnder Biss in den entscheidenden Phasen seiner Karriere haben den erhofften Durchbruch bislang aber verhindert. "Ich habe an meiner Deckung gearbeitet und darf mich nicht wieder so reinstürzen", sagt Ulrich mit Blick auf den WM-Kampf.

Am 15. Oktober 2005 ging der Deutsche gegen den polnischen WBA-Champion Tomasz Adamek in der 6. Runde schwer K.o., die zweite Niederlage seiner Karriere bei 29 Siegen. Ironischerweise war es Ulrichs bester Kampf überhaupt. Sein ehemaliger Trainer Fritz Sdunek, der nun den in 24 Kämpfen unbesiegten Erdei betreut, glaubt, dass der Berliner das Potenzial zu einem "Quotenrenner" habe.

Sdunek rebelliert gegen stallinterne Duelle

Weiter ließ sich der Coach allerdings nicht über das Duell der beiden Stallgefährten aus. Sdunek hasst diese Konfrontationen, sie verderben "die Stimmung in der Truppe". Universum-Duelle sind en vogue, zuletzt prügelten sich Mario Veit und Jürgen Brähmer, davor Felix Sturm und Bert Schenk oder Luan Krasniqi und Sinan Samil Sam.

Sduneks Haltung bringt Klaus-Peter Kohl auf die Palme. "Fritz redet Quatsch. Er lässt seine Leute im Sparring antreten, etwas, was man eigentlich nicht macht", sagt der Universum-Chef mit Blick auf die Trainingsrunden zwischen Erdei und Ulrich: "Dann soll er doch zu Hause bleiben. Er will keinen seiner Boxer verlieren sehen, weil er dann Geld verliert. Wir müssen aber gute Kämpfe machen. Es gibt klare Strukturen: Der Trainer ist dazu da, die Kämpfer zu trainieren. Ich bin dazu da, die Kämpfe zu machen."

© SID

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