Bracht und Stadler
Ironman Hawaii: Duell der eisernen Kapitäne

Wenn am Samstag die Triathlon-Elite zu ihrem Saisonhöhepunkt auf Hawaii aufbricht, schwimmen, fahren und laufen auch zwei Deutsche um den Sieg - Timo Bracht und Norman Stadler. Die beiden Kapitäne des achtköpfigen Commerzbank-Teams trainieren zusammen - im Wettkampf aber sind die beiden Athleten harte Konkurrenten.
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NECKARBISCHOFSHEIM. Nirgendwo ist das Meer stürmischer, der Wind unberechenbarer, der Asphalt brennender. Es sind solche Superlative, die den Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen auf Hawaii zum Nonplusultra im Triathlon machen. An diesem Samstag trifft sich die Elite der Sportart zum Jahreshöhepunkt auf der Pazifik-Insel, der Geburtsstätte des legendären Ironman. Besonders ein Bild hat sich eingeprägt: 1982 brach die führende Julie Moss wenige Meter vor dem Ziel zusammen und wurde von Kathleen McCartney überholt. Moss raffte sich auf, robbte halb bewusstlos auf allen Vieren ins Ziel – als Zweite. Solch dramatische Szenen haben den Ironman auf Hawaii zum Mythos werden lassen.

Bei den Männern gelten in diesem Jahr zwei Deutsche als aussichtsreiche Kandidaten für den Sieg: Timo Bracht, 34 Jahre alt, aus dem nordbadischen Eberbach und der Mannheimer Normann Stadler, 36. Beide starten für das Commerzbank Triathlon Team, zu dem insgesamt acht Athleten zählen – angeführt vom Duo Bracht und Stadler. Klar, dass das Duell der beiden Kapitäne besondere Aufmerksamkeit weckt.

Stadler weiß, wie man auf Hawaii gewinnt. 2004 und 2006 lief er nach 226 Kilometern als Erster über die Ziellinie, vor allem dank überragender Fähigkeiten auf der Radstrecke. Je böiger der Wind, desto besser für den „Norminator“. Dann spielt er seine ganze Klasse aus. Allerdings wartet Stadler seit drei Jahren auf einen weiteren Sieg in einem großen Ironman-Rennen. In dieser Zeit ist Timo Bracht aus dem Windschatten der deutschen Stars Stadler und Faris Al-Sultan, Hawaii-Sieger 2005, aber zuletzt ebenfalls formschwach, in die Weltspitze vorgestoßen. Spätestens seit Brachts spektakulären Sieg im Juli beim Ironman Germany in Frankfurt, als er die Hochkaräter Chris McCormack aus Australien und den Spanier Eneko Llanos auf den letzten Kilometern in Grund und Boden lief, gilt Bracht als Mitfavorit.

Im Gegensatz zu Stadler kann er aus seiner Vergangenheit auf Hawaii wenig Motivation schöpfen. Seine beste Platzierung war Rang acht im Jahr 2004 – im vergangenen Jahr kam er zwar als Fünfter ins Ziel, wurde aber nachträglich wegen einer missachteten Verwarnung disqualifiziert. Diese Erfahrung hat Bracht nicht zurückgeworfen, im Gegenteil. „Ich habe endlich den Schlüssel gefunden, wie ich auf Hawaii ganz vorne landen kann“, sagt er.

Es gehört zu den Ritualen der Hitzeschlacht auf der Pazifik-Insel, dass die Athleten zuvor kräftig den verbalen Muskel anspannen. „Ich habe in den letzten Wochen hart und gut trainiert und traue mir zu, wieder ganz vorne zu landen“, lässt Stadler wissen. Bracht fühlt sich gar „in der Form meines Lebens und reif für den großen Triumph“.

Die Kapitäne des Commerzbank-Achters werden gerne in zwei verschiedene Schubladen gesteckt. Bracht, der smarte Aufsteiger mit Hang zur Perfektion. Sogar seine verschiedenen Laufsocken hat er schon trocken und nass gewogen, um den Unterschied im Detail herauszufinden. Stadler, der sein Selbstbewusstsein mitunter kokett nach außen kehrt, hält so etwas schlicht für „Unsinn“.

Die gegenseitige Wertschätzung ist jedoch gewachsen, erst recht seit die beiden Verantwortung für eine gemeinsame Mannschaft tragen. Im Juni hat die Commerzbank, bis dahin lediglich als Hauptsponsor von Bracht aktiv, auch das Dresdner Kleinwort Triathlon Team übernommen. Das Engagement ist zunächst bis 2011 fixiert. „Die Spitzenleistungen der Triathleten und der Teamgedanke passen hervorragend zu den Werten, für die wir stehen – Partnerschaftlichkeit und Leistungsstärke“, sagt Uwe Hellmann, Leiter Markenführung der Commerzbank. Eine Einschätzung, die der Münchener Experte Thomas Gebert von der Sportmarketingagentur Pilot teilt. „Triathlon übt eine riesige Faszination aus, vermittelt ein gesellschaftliches Wir-Gefühl und gewinnt an medialer Präsenz. Für die Commerzbank ist diese Sportart eine optimale Kommunikationsbühne.“

Die Bildung von Markenteams könnte zum Trend werden. Neben der Commerzbank mit Bracht und Stadler an der Spitze gibt es zum Beispiel seit diesem Sommer das fünfköpfige Team Abu Dhabi Triathlon unter Führung von Faris Al-Sultan – finanziell unterstützt von der Tourismusbehörde des Emirats Abu Dhabi. In Deutschland hatte Automobilhersteller Opel von 2003 bis zum unerwarteten Ausstieg 2005 ein eigenes Profi-Team aufgebaut und war auch Namensgeber des Ironman Germany in Frankfurt.

Die Commerzbank-Kapitäne pflegen nach eigenen Worten ein ganz entspanntes Verhältnis zueinander. „Das vermeintliche Duell zwischen Stadler und mir ist zwar für die Medien ein schönes Thema, aber uns lässt es kalt“, sagt Bracht. Viel wichtiger sei, dass sie als Team die Kräfte bündeln können. Sie trainieren gemeinsam, aber auf der Strecke ist jeder auf sich selbst gestellt.

Bei der Premiere des Commerzbank-Achters hofft der Hauptsponsor natürlich auf ein sportlich erstklassiges Abschneiden. Möglichst viele der in knallgelbem Dress kämpfenden Triathleten sollen es unter die ersten Zehn schaffen. „Als Marke wird die Commerzbank durch die starke Medienpräsenz auf jeden Fall profitieren, unabhängig davon, wie viele ihrer Sportler ganz vorne landen“, sagt Marketing-Mann Gebert.

Und das Duell der Aushängeschilder? Wenn die Abstimmung auf dem Triathlon-Portal „Tri-mag.de“ ein Gradmesser ist, dann hat Timo Bracht die deutlich besseren Karten. 39 Prozent von fast 700 Nutzern tippten bis Donnerstagmittag auf den Eberbacher als Sieger. Selbst Vorjahresgewinner Craig Alexander aus den USA wird schwächer eingeschätzt. Und Stadler landet laut Online-Voting mit neun Prozent auf Platz fünf.

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