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Britische Wachablösung in Wimbledon

Als der geschlagene Tim Henman den Centre Court mit hängendem Kopf verließ, betrat der schottische Jungstar Andrew Murray Platz Nummer eins und gab Großbritanniens gebeutelten Tennis-Fans neue Hoffnung.

dpa LONDON. Als der geschlagene Tim Henman den Centre Court mit hängendem Kopf verließ, betrat der schottische Jungstar Andrew Murray Platz Nummer eins und gab Großbritanniens gebeutelten Tennis-Fans neue Hoffnung.

69 Jahre nach dem letzten einheimischen Triumph durch Fred Perry erlebten die Gastgeber eine Wachablösung in Wimbledon - darin waren sich zumindest die britischen Medien einig.

"Huldigt dem neuen Träger der britischen Wimbledon-Träume", verlangte sogar die altehrwürdige "Times" nach Henmans Zweitrunden-Aus gegen den Russen Dimitri Tursunow und Murrays Sieg über den an Nummer 14 gesetzten Tschechen Radek Stepanek. Die BBC machte sich den Spaß, den so genannten Henman Hill in Murray Field umzubenennen. Auf dem kleinen Hügel am Platz eins hatten tausende Fans stets auf einer Großleinwand die Spiele von Henman verfolgt, der so früh scheiterte wie seit 1995 nicht mehr.

"Er wirkte, als wenn ihm 25 PS fehlen", sagte Boris Becker über den bald 31-Jährigen. Wenig Verständnis hatte der dreimalige Wimbledonsieger für Henmans Klagen über die langsamer gewordenen Plätze, die nun auch Grundlinienspielern Erfolge ermöglichen - so wie dem Australier Lleyton Hewitt 2002. "Die Plätze wurden zu schnell, auch wenn ich damals davon profitiert habe", betonte Becker.

Ans Aufhören denkt Henman nicht, nachdem er im Vorjahr mit den Halbfinals bei den French und US Open seine beste Saison erlebte. "Ich denke über Rücktritt nach, wenn alle von Euch, die Neunter der Welt oder schlechter sind, das auch tun. Dann bleiben nicht mehr viele von Euch übrig", beschied er die britischen Journalisten giftig. Schon auf dem Platz hatte der einst "Gentleman" genannte Profi aus Oxford so geschimpft, dass sich die BBC während ihrer Live-Übertragung zu einer Entschuldigung genötigt sah.

Sieger Tursunow äußerte Mitleid mit Henman und erklärte, er habe erstmals mitbekommen, unter welchen Druck der Lokalmatador stets gestanden habe. Diese Last bekommt nun Murray aufgeladen, der 2004 Juniorensieger der US Open war. "Ich wollte die Briten bei Laune halten. Bei einer Niederlage hätte es wohl Prügel von den Zeitungen gegeben", sagte Murray mit tonloser Stimme. Auf dem Platz ist der 18-Jährige aber ein Temperamentsbündel und reißt die Fans mit. Das dürfte am Samstag gegen Ex-Wimbledon-Finalist David Nalbandian bitter nötig sein. Murray rechnet sich gegen den Argentinier nichts aus: "Er ist viel erfahrener. Ich werde das Spiel verlieren."

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