BVB-Führung will Westfalenstadion jetzt teilweise zurückkaufen
Stadionleasing hängt wie ein Klotz am Bein

Wer in diesen Tagen hinabschaut auf den Rasen des Westfalenstadions, sieht ein bitteres Bild: Braun und zerfetzt ist die Spielfläche, hingerichtet von der Schlammschlacht, die sich am vergangenen Samstag die Borussia und der VFL Bochum lieferten. Es ist diese Arena, die im Mittelpunkt der Krise des BVB steht.

DORTMUND. Von einem netten Stadion mit einer Kapazität von über 50 000 Zuschauern wurde sie zu einen Tempel des Fußballs. Heute passen über 80 000 Fans hinein, wer Dortmund von Westen aus erreicht, sieht zuerst ihre gelben Spitzen, so wie man von Köln als Erstes den Dom erblickt.

Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde an Neujahr 2002 verkündet, das Westfalenstadion sei an Molsiris verkauft worden, einen Immobilienfonds der Commerz-Leasing. 75,4 Millionen Euro erhielt die Borussia und sollte rund 15 Millionen jährlich zahlen. 2017 dann hätte man das ausgebaute Stadion schuldenfrei übernehmen können. Ein viel zu teures Geschäft, musste die Führungsspitze des BVB im Nachhinein erkennen. "Die Fernseheinnahmen aus dem Kirch-Vertrag hätten genau diese 15 Millionen ausgemacht", rechtfertigte sich der ehemalige BVB-Präsident Gerd Niebaum immer wieder.

Dass schon zu dieser Zeit absehbar war, dass die Fernsehgelder ihren Schwindel erregenden Höhenflug beenden würden - das erwähnte er lieber nicht. "Ein Schwachsinnsgeschäft", richtet einer, der den BVB gut kennt. Und das Geld war direkt weg: "Es floss in die Tilgung von Altschulden und auf das Festgeldkonto", sagte Sanierungsberater Jochen Rölfs am Donnerstag.

Um dieses Konto dreht sich schon seit langem das Denken des Borussen-Managements. 48 Millionen Euro mussten festgelegt werden, sie sollten verzinst den späteren Rückkauf sichern. Derzeit sind es rund 52 Millionen - bares Geld, das der angespannten Liquidität helfen könnte. Also soll Molsiris abgefunden werden.

Offensichtlichste Lösung war lange eine Anleihe vom britischen Spezialisten Stephen Schechter. Doch der, so wird aus der BVB-Zentrale kolportiert, wollte schriftlich festhalten, dass die rund 110 Millionen Euro, über die man verhandelte, ausschließlich in den Stadionrückkauf fließen. Niebaum aber wollte Teile des Geldes in den Spielbetrieb stecken. Also packte er im vergangenen Herbst die Idee einer Stadiongesellschaft aus, an der sich Unternehmen beteiligen sollten. Einen Interessenten gab es bisher aber nicht.

Nun wird eine andere Lösung favorisiert: 42,8 Prozent will der BVB zurückkaufen, aus steuerlichen Gründen über seine Sportartikel-Tochter "goool". Bezahlen will er das mit dem Bardepot zum Preis von 42,8 Millionen Euro. Die restlichen neun Millionen sollen den Spielbetrieb bis zum Saisonende sichern. Das könnte gerade reichen: Nach Informationen des Handelsblatts liegt die aktuelle Deckungslücke bei zehn Millionen.

Allerdings: Die rund 5 000 Molsiris-Anteilseigner müssten zustimmen. Wie drängend die Lage ist, lässt der BVB den Fonds schon spüren: "Zwei Monatsmieten über drei Millionen Euro stehen noch aus", sagte Commerz-Leasing-Vorstand Günter Ress. Um die Anteilseigner zusammenzutrommeln, brauche er mindestens drei Wochen, eher mehr. Und damit wird die Zeit knapp: Der BVB habe nur drei Wochen, um Klarheit zu bekommen, ob die drei noch zögernden Finanzgläubiger und Molsiris dem Sanierungskonzept zustimmen, sagte Geschäftsführer Michael Meier gestern.

Und der ramponierte Rasen an der Grenze zur Unbespielbarkeit? Der soll im März komplett erneuert werden. Und vielleicht wird nicht mehr sonderlich häufig auf ihm gespielt werden.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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