Calvin Brock versus Wladimir Klitschko
Amerikaner hängen in den Seilen

DÜSSELDORF. Ein Schwergewichts-Boxweltmeister aus Kasachstan? Das hätte vor einigen Jahren noch so abenteuerlich geklungen wie die Behauptung, die Freiheitsstatue stehe in Moskau - oder das Bolschoi Theater im Zentrum Brooklyns. Oleg Maskaev, 1969 im Kasachischen Dschambul geboren, aber holte sich im vergangenen August mit einem K.o.-Sieg über den Amerikaner Hasim Rahman den Titel des Verbandes WBC. Damit war die jahrzehntelange amerikanische Regentschaft in der Königsklasse des Boxens endgültig gebrochen.

Zuvor nämlich hatten bereits drei weitere Schwergewichte aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion die prestigeträchtigsten WM-Gürtel mit den funkelnden Intarsien erobert. Den der IBF Wladimir Klitschko aus der Ukraine, hierzulande längst ein gefeierter Superstar und langjähriges Aushängeschild vom Universum-Boxstall Klaus-Peter Kohls; dann Nikolai Valuev (WBA) aus dem russischen Sankt Petersburg, mit 2,13 Meter Größe und einem Gewicht von über 140 Kilogramm buchstäblich ein Riese, der beim Kohl-Konkurrenten Wilfried Sauerland in Berlin unter Vertrag ist; schließlich der Weißrusse Sergey Lyakhowich (WBO). Der verlor zwar am vergangenen Wochenende überraschend gegen Shannon Briggs. Der 34-Jährige New Yorker aber gilt als durchschnittlich begabtes „Auslaufmodell“.

Wer glaubt, die Dominanz der osteuropäischen Boxer dürfte eine kurze Episode bleiben, eine vorübergehende Schwäche der amerikanischen Sportnation, die mit Legenden wie Joe Louis, Floyd Patterson und dem „Größten aller Zeiten“, Muhammad Ali, die klangvollsten Namen in der Geschichte des Schwergewichtsboxens hervorbrachte, der könnte sich täuschen. „Es wird genau umgekehrt sein. Ich behaupte, dass in fünf Jahren 70 Prozent der Weltmeister sämtlicher Gewichtsklassen aus Osteuropa kommen werden.“ Das prophezeit Klaus-Peter Kohl im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Promoter aus Hamburg war Anfang der neunziger Jahre der Erste, der den Trend erkannte. Mit dem Polen Dariusz Michalczewski und den Klitschko-Brüdern Vitali und Wladimir präsentierte er nach dem Fall des eisernen Vorhangs Boxer aus dem ehemaligen Ostblock, die später populäre Weltmeister wurden. „Anfangs hat man mich ausgelacht“, sagt Kohl. Heute lacht niemand mehr. Zu überlegen sind derzeit schon die gut ausgebildeten Boxer der ehemaligen GUS-Staaten, die neben den Kubanern seit Generationen die besten Amateure stellen.

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