CAS für Sportler die letzte Instanz: Das Wort des Schnellgerichts zählt

CAS für Sportler die letzte Instanz
Das Wort des Schnellgerichts zählt

Der Internationale Sportgerichtshof ist die oberste Sportgerichtsbarkeit und damit die letzte Entscheidungsinstanz für die Sportverbände und Nationalen Olympischen Komitees in Streitfragen zum internationalen Sportrecht.

HB TURIN. Vor der Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) kann es schnell vorbei sein. Bei den Olympischen Winterspielen in Turin musste die deutsche Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle die Illusion auf Aufhebung der Schutzsperre begraben. Sechs Jahre zuvor in Sydney war es der 5000-m-Olympiasieger Dieter Baumann, der ausgebremst wurde. Diese Niederlagen sind aber auch ein Gewinn für das seit 1996 bei Olympia etablierte Schnellgericht. "Es ist nicht immer so, dass alle drei Richter einer Meinung sind, aber sie sind wirklich unabhängig", sagte Dirk-Reiner Martens, der einzige Deutsche unter den zwölf Richtern in Turin.

Insgesamt musste das CAS-Schnellgericht bei den XX. Winterspielen bis drei Tage vor der Schlussfeier am Sonntag in acht Fällen urteilen. Seit Etablierung der Ad-hoc-Kammer vor zehn Jahren lag die Zahl der Schiedsverfahren zwischen zehn und zwölf. "Die Angst vor dem Richter ist der Anfang der Weisheit", begründet Martens, warum es nicht zu einer Prozess-Lawine gekommen ist.

Der frühere Basketball-Spieler ist bereits zum vierten Mal nach 2000 in Sydney, 2002 in Salt Lake City und 2004 in Athen einer der Auserwählten aus einer Liste von 250 CAS-Richtern aus der ganzen Welt. Seit 1986 war der fünf Sprachen sprechende Jurist an rund 75 CAS-Verfahren beteiligt. In den rund 30 Jahren seiner Existenz wurde das CAS als letzte und endgültige Instanz von Athleten wie Verbänden bei weit über 800 Streitigkeiten angerufen.

"Bis Mitte der 90er Jahre lag das CAS noch im Dornröschenschlaf", berichtet Martens. Erst danach gewann es an Akzeptanz, vor allem bei den Sportlern. "Im CAS hat sich eine Lex sportiva entwickelt", sagte Martens. "Dies ist das Wichtigste, weil ein Athlet sich bei der Anrufung des Gerichts immer ausrechnen kann, was kommt." Der Job eines CAS-Schnellrichters wird zwar mit 250 Schweizer Franken pro Stunde honoriert, ist aber auch nicht so ganz ohne. Wird die Ad-hoc-Kammer angerufen, müssen die drei benannten Richter binnen einer Stunde zum Verhandlungsort kommen und innerhalb von 24 Stunden entscheiden. "Da kommt es auf Schnelligkeit, Erfahrung und Stehvermögen an", sagte Martens. In Turin hatte er allerdings nur einmal den Vorsitz bei einem Verfahren zwischen kanadischen und bulgarischen Shorttrackern inne.

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