Chad Hedrick holt Gold über 5000 Meter: Ein Sieg für die tote Großmutter

Chad Hedrick holt Gold über 5000 Meter
Ein Sieg für die tote Großmutter

Chad Hedrick ballte die Fäuste und stieß einen Urschrei aus: 26 Jahre nach Eric Heiden hat am Samstag wieder ein US- Eisschnellläufer Olympia-Gold über 5000 Meter gewonnen.

HB TURIN. Der extrovertierte Texaner schaffte in Turin in 6:14,68 Minuten die schnellste je im Flachland gelaufene Zeit und machte damit seine erste Ankündigung wahr. "Ich widme dieses Rennen meiner Großmutter. Ihr Todestag jährt sich heute zum 13. Male. Sie war mein bester Freund, wir haben sie wegen eines Hirntumors verloren", meinte der Weltrekordler über 1500 und 10 000 Meter.

Der Überraschungs-Dritte von Salt Lake City, der Dresdner Jens Boden, kam als einziger Deutscher in 6:38,34 auf den unbefriedigenden 20. Platz und konnte damit nicht den erhofften Startplatz für die 10 000 Meter erkämpfen. Der frühere 50-malige Inlineskate-Champion Hedrick unterbot nach einem großen Kampf die von den Niederländern Sven Kramer (6:16,40) und Carl Verheijen (6:18,84) im direkten Duell vorgelegten Top-Zeiten und war auch vom einheimischen Europameister Enrico Fabris (6:18,25) im letzten Paar nicht mehr zu erreichen. Die gegenüber den Oranje- Fans in klarer Unterzahl befindlichen Italiener unter den 7500 Zuschauern im Oval Lingotto feuerten ihren Landsmann nach Kräften an und wurden mit der erste Olympia-Medaille für einen Italiener in der Eisschnelllauf-Historie belohnt. Silber behauptete Ex-Junioren- Weltmeister Kramer.

Der von Konkurrenten oft als großmäulig bezeichnete "Crazy Chad" hatte vor den Spielen einen fünffachen Triumph wie sein berühmter Landsmann Heiden bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid nicht ausschließen wollen. "Ich habe in der Vorbereitung alles getan, was man tun kann. Und das Eis hier liegt mir, das hat schon der Weltcup im Dezember gezeigt." Hedrick wird in den kommenden zwei Wochen das Mammut-Programm mit Starts über 1000, 1500 und 10 000 Meter sowie in der Teamverfolgung absolvieren und gilt nur auf der Sprintstrecke nicht unbedingt als Gold-Kandidat.

Jens Boden war ohne Illusionen in die Konkurrenz gegangen. Zwar hatte sich der 27-Jährige nach zwei schwächeren Jahren in der Olympia-Saison wieder vorsichtig zurückgemeldet, doch der Abstand des besten Deutschen zur Weltelite war durch die Leistungs-Explosion an der Spitze noch größer geworden. "Schade, dass es mit den 10 000 Metern nun nichts wird. Aber so ist das, wenn der Körper nicht das macht, was man gern hätte. Ich hatte sehr gehofft, dass es besser geht", meinte der Dresdner.

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