Champions League
Liverpool erteilt Leverkusen eine Lehrstunde

Die ausfallbedingt stark geschwächten Leverkusener haben vom englischen Rekordmeister FC Liverpool eine Nachhilfestunde im eigenen Stadion erhalten - und sich mit 0:3 aus der Champions League schießen lassen.

HB LEVERKUSEN. Nach einem 3:1 vor vierzehn Tagen siegte Liverpool auch im Rückspiel am Mittwochabend mit demselben Ergebnis. Der Spanier Luis Garcia machte mit einem Doppelschlag (28./32.) innerhalb weniger Minuten alle Hoffnungen der Leverkusener auf ein "Fußball-Wunder" und ihre dritte Viertelfinal-Teilnahme in der europäischen Königsklasse bereits vor der Halbzeitpause zunichte. Vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena machte der Tscheche Milan Baros (67.) die Leverkusener Pleite perfekt. Jacek Krzynoweks Treffer (88.) kam viel zu spät.

Die ohne fünf Leistungsträger angetretenen Gastgeber fanden nie den "goldenen Mittelweg" zwischen durchschlagskräftigem Angriff und sattelfester Abwehrarbeit. "Der Substanzverlust ist einfach zu groß", musste auch Sportdirektor Rudi Völler bereits in der Pause eingestehen. "Ein bis zwei Spieler kann man mal ersetzen, aber nicht so viele." Liverpool trat hingegen selbstbewusst auf und war in fast allen Belangen überlegen. Vor allem in punkto "Coolness" und Zielstrebigkeit erteilten die "Reds" dem Team von Trainer Klaus Augenthaler geradezu eine Lehrstunde.

Wie erwartet begann Bayer die Jagd auf den Zwei-Tore-Vorsprung der Briten mit engagiertem, aber keinesfalls bedingungslos offensivem Spielaufbau. Zu groß war der Respekt vor dem schnellen FC-Kapitän Steven Gerrard, der von Trainer Rafael Benitez nach seiner Gelbsperre im Hinspiel als hängende Spitze eingesetzt wurde, und dem wendigen Baros - zurecht, wie sich schnell heraus stellen sollte.

Denn während die Leverkusener Offensiv-Bemühungen ohne die gelb- gesperrten Kreativspieler Robson Ponte und Paul Freier arg ideenlos und blutleer blieben, wirkte die wegen der Verletzungen der Stammkräfte Jens Nowotny, Juan und Roque Junior neu formierte Vierer-Abwehrkette von Beginn an wenig sattelfest. Vor allem Youngster Jan-Ingwer Callsen-Bracker bekam den glänzend aufgelegten Baros kaum in den Griff. Glück hatte der 20-Jährige dabei, als er den EM-Torschützenkönig klar im eigenen Strafraum foulte, der französische Schiedsrichter Alain Sars Liverpool jedoch den eigentlich fälligen Elfmeter verweigerte.

Doch nachdem nur durch einen Schuss von Daniel Bierofka (25.) zu dem Ansatz einer Torchance kam und Torhüter Jörg Butt zunächst noch gegen den stark auftrumpfenden Gerrard klären konnte, bestrafte Garcia die anfällige Bayer-Abwehr gleich doppelt: Zunächst spitzelte der bereits im Hinspiel erfolgreiche Spanier nach feinem Zuspiel von Gerrard den Ball ins Netz, bevor er kurz darauf einen Kopfball von Igor Biscan kurz vor Butt unhaltbar abfälschte. Der Bundesliga-Siebte wirkte geschockt und konnte froh sein, dass Butt Garcia mit einer einhändigen Parade an einem Hattrick hinderte (38.)

In der zweiten Spielhälfte war das Augenthaler-Team sichtlich bemüht, trotz der mittlerweile aussichtslosen Situation Charakter zu zeigen und den eigenen Zuschauern noch etwas zu bieten. So sprangen gegen die nun gelassen agierenden Gäste durch Franca (56./60.) und den nach einer guten halben Stunde für den angeschlagenen Dimitar Berbatow eingewechselten Andrej Woronin (58.) zwar mehr Chancen heraus, die Probleme bleiben aber die gleichen. Als der für den enttäuschenden Spielmacher-Ersatz Jason Donovan auf das Feld gekommene Clemens Fritz den Ball unabsichtlich zu Baros lenkte, ließ der sich die Chance nicht nehmen. Krzynoweks Schuss zum 1:3 hatte nur noch statistischen Wert.

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