sonstige Sportarten
Charaktertest für DFB-Frauen im EM-Halbfinale

Das englische Wetter zum Gruseln, die erwartete Geisterkulisse wenig leistungsfördernd und der Gegner eine weitgehend unbekannte Größe: Das EM-Halbfinale gegen Außenseiter Finnland wird für die deutschen Spielerinnen zum ultimativen Charaktertest.

dpa PRESTON. Das englische Wetter zum Gruseln, die erwartete Geisterkulisse wenig leistungsfördernd und der Gegner eine weitgehend unbekannte Größe: Das EM-Halbfinale gegen Außenseiter Finnland wird für die deutschen Spielerinnen zum ultimativen Charaktertest.

Sollte der fünfmalige Europameister gegen den Frauenfußball-Zwerg aus Suomi am 15. Juni in Preston zum sechsten Mal ins kontinentale Endspiel einziehen, wäre das normal. Ein Straucheln des Weltmeisters gegen die Weltranglisten-16. käme dagegen einer Sensation gleich.

DFB-Cheftrainerin Tina Theune-Meyer warnte deshalb eindringlich vor dem unberechenbaren Gegner: "Die Finninnen haben bisher für die große Überraschung des Turniers gesorgt. Jede Spielerin ist über sich hinaus gewachsen und gibt hier 150 Prozent." Sie habe "das richtiges Näschen" gehabt, als sie zum Vorrundenabschluss der Gruppe A die Partie Finnland gegen Dänemark beobachtete statt das Duell England - Schweden, erklärte Theune-Meyer. So konnte sie den EM-Emporkömmling beim 2:1 über die Däninnen selbst in Augenschein nehmen. "Die Finninnen haben sich unglaublich weiter entwickelt. Sie stehen kompakt und haben eine gute Balance in der Mannschaft", stellte die 51-Jährige fest.

Besonders beeindruckt ist Theune-Meyer von Torhüterin Satu Kunnas und den zwei flinken Stürmerinnen Laura Kalmari und Heidi Kackur. Beide trafen gegen Dänemark und verdienen in der schwedischen Liga ihr Geld. Mit einem ausführlichen Video-Studium stellte das deutsche Trainer-Duo Theune-Meyer/Silvia-Neid ihre Elf 24 Stunden vor dem K.o- Spiel auf den Kontrahenten ein. Danach fand bei typischem Inselwetter mit Regen, Wind und 13 Grad das Abschlusstraining statt.

Finnlands Trainer Michael Käld träumt nach dem knappen 2:3 gegen Gastgeber England, dem respektablen 0:0 gegen Vize-Weltmeister Schweden und dem anschließenden ersten EM-Sieg überhaupt vom ganz großen Coup gegen den Topfavoriten. "Wenn wir in der Defensive gut stehen, bekommen wir vorn irgendwann unsere Chance", sagte er.

DFB-Torhüterin Silke Rottenberg, die in den drei EM-Spielen bisher ohne Gegentor blieb, mahnte: "Ich sehe weder einen Grund noch die Gefahr, dass wir Finnland unterschätzen. Es ist zwar ein Newcomer, aber ein ernst zu nehmender Gegner. Die Chancen stehen 50:50." Trotz des Durchmarschs in der Vorrunde (9 Punkte, 8:0 Tore) verbreitete der Titelverteidiger bislang wenig Glanz. "Das hört sich alles souverän an, aber es ist noch viel Steigerungspotenzial da", sagte Stürmerin Inka Grings selbstkritisch. "Das Halbfinale wird kein Selbstläufer."

Für Pia Wunderlich ist Finnland schwer einzuschätzen. Zumindest erinnert sie sich, vor vielen Jahren gegen die Skandinavierinnen ihr erstes Tor geschossen zu haben, "doch das ist lange her", so Wunderlich. "Jetzt gehören sie zu den besten vier Teams in Europa." Rottenberg macht keinen Hehl daraus, dass ihr ein Halbfinale gegen Gastgeber England im ausverkauften Deepdale-Stadion lieber gewesen wäre. "Das wäre ein Riesenspektakel geworden. So haben wir wohl eher eine Geisterkulisse."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%