Chef der Deutschen Sporthilfe
Kein Sport ohne Sieg und Niederlage

Gereizt habe ihn der Job so gar nicht, sagt Hans Joachim Gäb. Doch dafür, dass ihn die Aufgabe nicht reizt, packt der 69-Jährige kräftig an.

TURIN. "Ich habe nur in einer krisenhaften Situation Verantwortung übernommen, nachdem der Vorstand mich um diese Hilfe gebeten hatte", sagt Gäb. Er ist seit dem 30. Juli 2005 Chef der Deutschen Sporthilfe. Kaum war er im Amt, sorgte er dafür, dass sich die Strukturen der Sporthilfe bald ändern werden: "Bisher operierte ein 16-köpfiger Vorstand über einer Geschäftsführung mit limitierten Kompetenzen. Das machte die Lösung vieler Sachfragen zeitraubend. Ab 1. März nun wird es einen Vorsitzenden der Geschäftsführung geben, der auch einem auf dann nur noch fünf oder sechs Personen reduzierten Vorstand angehört", sagt der ehemalige Opel-Manager. Damit, betont Gäb, sei die hauptamtliche Führung entscheidend gestärkt und operiert selbst auf Vorstandsebene. Zudem sei ein Aufsichtsrat als Kontrollgremium etabliert.

Doch Gäb, dessen Amtszeit Ende 2006 schon wieder endet (Sein Vorgänger, Hans-Ludwig Grüschow, war nach umstrittenen Zahlungen von 45 000 Euro an den wegen Bestechlichkeit fristlos entlassenen MDR-Sportchef Wilfried Mohren, zurückgetreten) hat es dabei nicht beruhen lassen. "Wir haben zudem unsere Verfassung erweitert. Wir wollen einen Leistungssport, in dem die Beachtung der Regeln und die Achtung vor Gegner und Schiedsrichter die ersten Gebote sind", sagt er.

Für diesen Satz steht Hans Wilhelm Gäb persönlich wie kaum ein anderer Sportfunktionär. Denn der frühere deutsche Meister im Tischtennis wird als eine Art moralische Instanz im Sport geachtet. Nun will Gäb seine Erfahrungen nutzen, um der Sporthilfe mehr finanzielle Mittel zu verschaffen. Bislang kann die Stiftung nur zwölf Mill. Euro pro Jahr an die Sportler verteilen. "Wir könnten ein umfassenderes Fördersystem etablieren, in den Nachwuchs investieren und auch die Prämien erhöhen, hätten wir mehr Geld. Mit moderneren Management- und Fundraising-Methoden wollen wir dieses Thema angehen", sagt Gäb.

Natürlich interessiert ihn auch der Sport selbst noch brennend. Er ist optimistisch, dass sich die deutschen Athleten bei den Spielen in Turin gut schlagen werden. "Und wenn die Athleten kämpfen und andere dennoch besser sind, ist das völlig in Ordnung. Kein Sport ohne Sieg und Niederlage."

FAKTEN ZUR DEUTSCHEN SPORTHILFE:

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Stiftungszweck ist die ideelle und materielle Förderung von Sportlern zum Ausgleich für ihre Inanspruchnahme durch die Gesellschaft bei internationalen Meisterschaften und bei nationaler Repräsentation. Die Sportler sollen als Gegenleistung für ihre Verdienste um das Ansehen ihres Landes finanziell gefördert werden.

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe wurde am 26. Mai 1967 in Berlin gegründet, erster Vorsitzender war Josef Neckermann (bis zum Jahr 1988). Seit dem 30. Juli 2005 hat der frühere Opel-Manager-Hans Wilhelm Gäb dieses Amt inne, er wurde Nachfolger des am 29. Juli 2005 zurückgetretenen Hans-Ludwig Grüschow.

Schirmherr der Deutschen Sporthilfe ist Bundespräsident Horst Köhler. Vorsitzender des Stiftungsrates ist der Ex-Daimler-Chrysler-Vorstand und Mercedes-Chef Jürgen Hubbert.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
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