Commonwealth Games: Indern läuft Zeit davon

Commonwealth Games
Indern läuft Zeit davon

Eine Woche vor Start der Commonwealth Games in Neu-Delhi ufern die Probleme aus. Indische Medien bezeichnen die Veranstaltung inzwischen schon als "Spiele der Schande".

Die Organisatoren der Commonwealth Games in Neu-Delhi versinken eine Woche vor Beginn des Großereignisses im Wettlauf gegen die Zeit weiter in Problemen. Nach der Ankunft der ersten Aktiven und Offiziellen ist die Empörung über die Zustände im längst noch nicht fertiggestellten Athletendorf und damit auch die Kritik an den verantwortlichen Funktionären sogar noch gewachsen. Indische Medien bezeichnen die ursprünglich als Werbung für das Land geplante Veranstaltung mit Blick auch auf die immer zahlreicheren Absagen von Topsportlern inzwischen schon als "Spiele der Schande".

"Wir haben immer wieder Fristen und Prioritäten gesetzt und immer wieder feststellen müssen, dass diese Fristen und Prioritäten nicht eingehalten worden sind. Wir sind in den Händen der Inder und aller, die in Indien für die rechtzeitige Beendigung der Bauarbeiten an allen Stätten verantwortlich sind. Unglücklicherweise sind wir damit allerdings auch erst da, wo wir jetzt sind", klagte Geschäftsführer Mike Hooper (Neuseeland) von der Commonwealth-Games-Vereinigung CGF.

Erneute Mängelliste vorgelegt

Sein Präsident Mike Fennell legte am Wochenende erneut eine erschreckend lange Mängelliste vor. Eindringlich appellierte der Jamaikaner angesichts der Rückstände in den Bereichen Unterbringung, Sicherheit, Gesundheit, Hygiene, Transport und Notfallpläne an die Organisatoren, die Anstrengungen um eine Behebung der Probleme weiter zu verstärken.

Fennell lobte zwar die neuesten Bemühungen der Ausrichter, stellte aber auch fest: "Es ist klar geworden, dass die ganze Arbeit, die in den letzten Tagen gemacht wurde, schon viel früher hätte gemacht werden müssen." Das herrschende Chaos habe schon jetzt ein schlechtes Bild auf die Gastgeber geworfen und Indiens internationales Ansehen beschädigt, erklärte Fennell weiter.

Athletendorf im Zentrum der Kritik

Besonders das Athletendorf steht spätestens seit der Ankunft der ersten Sportler aus Großbritannien und den ehemaligen Kolonien des Königreiches im Fokus der Kritik. Fotos von leckenden und verschmutzten Toiletten, dreckigen Duschen und befleckten Betten schürten bei den Delegationen die Verärgerung über die Zustände in den Quartieren für die voraussichtlich rund 6 500 Aktiven. Mehrere Teamleiter bezeichneten die Athletenquartiere, wo am Sonntag das Bett des einheimischen 56-kg-Boxers Akhil Kumar unter dem Gewicht des Sportlers zusammenbrach, als "unbewohnbar". Indiens Regierung beorderte mittlerweile ein Heer von über 1 000 Arbeitern zur Beseitigung der Mängel ins Athletendorf.

Im Raum stehen auch weiterhin die Boykott-Drohungen aus mehreren Ländern für den Fall unzureichender Verbesserungen an den Rahmenbedingungen. Laut Fennell allerdings hat noch keine der 71 eingeladenen Nationen ihre Teilnahme abgesagt.

Zahlreiche Top-Athleten sagen ab

Gleichwohl mehren sich die Absagen prominenter Athleten und gehen den Spielen damit wichtige Zugnummern verloren. Aus Sorgen um ihre Gesundheit sagte nun auch die britische Spitzen-Tennisspielerin Elena Baltacha ihre Teilnahme trotz guter Erfolgsaussichten ab. "Die Entscheidung bricht mir das Herz. Ich hätte gerne für mein Land gespielt. Ich bin aber sehr anfällig für Infektionen, und angesichts der Bedingungen in Neu-Delhi wäre eine Teilnahme zu gefährlich", sagte die in der Weltrangliste auf Platz 50 geführte Schottin.

Vor Baltacha hatten auch ihr in den Top zehn notierter Landsmann Andy Murray sowie der ehemalige Weltranglistenerste Lleyton Hewitt, French-Open-Finalistin Samantha Stosur (beide Australien) und der frühere Australian-Open-Finalist Marcos Baghdatis (Zypern) ihre Zusagen zurückgezogen.

© SID

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