Cricket-WM in Jamaika
Stranguliert mit einem Hotelhandtuch

BERLIN. In einem eigenen Universum, drei Sport-Galaxien entfernt von Biathlonfolklore und Schwimm-WM-Frust, ist Muttiah Muralitharan eine lebende Legende. Der Cricketprofi aus Sri Lanka hat einen deformierten rechten Ellenbogen, kann seinen Arm nicht ganz strecken und wird deshalb als Werfer in seiner Sportart ebenso gefürchtet wie einst der mit einem X- und einem O-Bein dribbelnde Brasilianer Garrincha im Weltfußball.

Muralis Wurftechnik nicht zum Opfer zu fallen war daher bei der Cricket-WM in Jamaika höchstes Gebot für England. Tagelang berichteten die Zeitungen von nichts anderem. Genützt hat es ihnen bei der seit drei Wochen laufenden Weltmeisterschaft nichts. In der „Super Eight Phase“, in der die letzten acht Mannschaften die vier Halbfinalisten ausspielen, verloren die Engländer neben Sri Lanka auch gegen Neuseeland und Australien. Nun müssen sie gegen Bangladesch, Südafrika und die Westindischen Inseln gewinnen, um doch noch den Titel gewinnen zu können. England, Mutterland des Cricket war noch nie Weltmeister.

Das ist die eine Geschichte. Die andere Geschichte ist die von Bob Woolmer, englischer Nationaltrainer Pakistans, der seit zwei Wochen nicht mehr am Leben ist. Nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft war Woolmer tot im Hotelzimmer aufgefunden worden. Wie die jamaikanische Polizei nach zwei Tagen feststellte, soll Woolmer mit einem Handtuch stranguliert worden sein. Neuen Untersuchungen zufolge ist der Obduktionsbericht allerdings zweifelhaft, vier Beamte von Scotland Yard sollen der Todesursache nun auf den Grund gehen.

Egal aber, was die britischen Ermittlungsbeamten herausfinden, der Ruf des aristokratischen Cricket, einer Sportart, die von Komiker Robin Williams mal als „Baseball auf Valium“ verspottet wurde und gemeinhin als bizarres Rasenschach englischer Collegeschnösel betrachtet wird, hat gelitten.

Schuld daran ist nicht nur Woolmers Tod, sondern ebenso Bestechungsgeld, die Spieler und Trainer in der Vergangenheit immer wieder von der Wett-Mafia kassiert haben sollen. Martin Vaughan, Kapitän der Engländer sagte kürzlich, um das so genannte „Match-Fixing“ werde „seit Jahren eine Mauer des Schweigens aufgebaut.“ Ob manipuliert werde, könne er allerdings nicht sagen. Zu schwer sei es, in einem bis zu acht Stunden dauernden One-Day-Match Unregelmässigkeiten festzustellen.

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