Dabei sein ist alles
Waldi und Harry – die wahren Olympiastars

Und wenn die Rodler, noch so gut rodeln, die Kombinierer Medaille um Medaille holen und die Biathleten Ruhm und Ehre erschießen - die wahren Stars im Deutschen Haus sind ein langgewachsener Schwabe und ein ästhetisch bedenklich überernährter Bayer.

SESTRIERE/DÜSSELDORF. Für den Einlass bei der abendlichen Olympiazusammenfassung von Waldemar Hartmann und Harald Schmidt gibt es lange Wartelisten, spätestens am Nachmittag ist auch der letzte Quadratmeter Stehplatz vergeben. Jeder will einmal dabei sein, Besuchergruppen kommen bevorzugt an Tagen, an denen die beiden senden. Diejenigen, die nicht reinkommen, sammeln sich zur Sendezeit vor den Großbildschirmen im Foyer.

Selbst der Bundespräsident zeigte Ehrfurcht bei seinem Besuch Anfang der Woche: "Wenn mein Sohn wüsste, dass ich jetzt mit Harald Schmidt zusammenstehe...", stellte das Staatsoberhaupt die Promi-Rangfolge klar. Seien wir ehrlich, Waldi spielt im Duo nur auf dem Bildschirm die erste Geige - und das auch nur angeblich. Und deshalb ist Harald-Schmidt-Sichtung im Deutschen Haus zur Olympischen Disziplin geworden. Wer sie erfolgreich absolvieren will, muss bis zum Abend warten. Gewöhnlich kommen er und Hartmann gegen 21 Uhr ins Haus um sich vorzubereiten. Nur gelegentlich mischen sich die beiden unters Volk, da muss schon ein Bundespräsident oder ein Botschafter den Anlass liefern. Man kann es verstehen, denn wo Schmidt auftaucht, hat er keine Ruhe: Jeder möchte ein Foto mit ihm.

Wem das nicht gelingt, der versucht sich zumindest vor den Kulissen von "Waldi & Harry" ablichten lassen. Während die Fernsehleute die letzten Vorbereitungen für die Show treffen, schleichen sich immer wieder Besucher ins Studio, um einen heimlichen Schnappschuss im Schmidtschen Ledersessel zu machen. Und immer wieder werden ARD-Mitarbeiter angebettelt um einen der hellblauen Schals, die für Gäste der Sendung vorbehalten sind.

Dem deutschen Feuilleton dürfte das nicht gefallen. Die Meinung zu den ersten beiden Ausgaben war einhellig: ein Riesen-Flop. "Junggesellensause" zeterte die "Frankfurter Allgemeine", "quälend" fand es die "Frankfurter Rundschau". "Auch Schmidt kann nicht jeden Tag das deutsche Fernsehen retten", folgerte die "Welt".

Aber sollen sie doch schreiben, was sie wollen, während der Show ruht das Leben im Deutschen Haus. Selbst die Schneeballwurfmaschinen, mit denen ein Sponsor bis tief in die Nacht Geld für die Deutsche Sporthilfe sammelt, steht still. Für die Mitarbeiter eine willkommene Abwechslung zur üblichen abendlichen Hektik. Einzig DJ Marcus, der verzweifelt versucht, Sportler und Journalisten zum Feiern zu animieren, ist sauer: Während Waldi und Harry muss er seine Musik unter Zimmerlautstärke zurückdrehen.

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