Dart-EM in Düsseldorf
Ein Sport trifft ins Schwarze

Dart ist längst vom Kneipenspiel zum veritablen Sportereignis mutiert. Gerade in Großbritannien sind die Spieler zu regelrechten Ikonen geworden. In Düsseldorf wurden nun Europas Beste gekürt - dem Publikum gefiel es.
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DüsseldorfDie Stammgäste des Maritim am Flughafen werden sich gewundert haben: Statt des normalen Publikums im Nadelstreifenanzug war die Lobby  des Düsseldorfer Fünf-Sterne-Hotels von Mittwoch bis Sonntag gefüllt mit Männern und einigen wenigen Frauen, die so gar nicht in das Bild der Luxusunterkunft passten: Viele kostümiert, einige im Unterhemd und mit Badelatschen, fast alle mit einem Bier in der rechten Hand und einem großen Pappschild mit der Aufschrift „180“ in der anderen. Dass hier tatsächlich ein sportliches Großereignis stattfindet, hätten wohl die wenigsten vermutet.

Denn der Grund für den doch etwas ungewöhnlichen Menschenauflauf war die Darts-Europameisterschaft, die erstmals in Düsseldorf stattfand. Darts, das ist der Sport, der in Deutschland lange hauptsächlich in schummrigen Eckkneipen betrieben wurde. Pfeile auf eine im Durchmesser 34 Zentimeter große Zielfläche zu werfen, das klappt auch nach Mitternacht und dem zehnten Pils noch ganz gut. Das Zuschauen allerdings noch besser – und das ist neu.

Zumindest in Deutschland, denn in Großbritannien wird Darts nicht nur häufiger gespielt, auch die Fanmasse ist bedeutend größer. Bei den jährlichen Weltmeisterschaften des größten Weltverbands Professional Darts Corporation (PDC) treffen sich im Nord-Londoner Alexandra Palace nicht nur die besten Spieler der Welt, sondern auch 2.500 Zuschauer. In Düsseldorf sind es im ausverkauften Kronleuchtersaal des Maritim immerhin 1.700.

Dass Darts in Deutschland erst jetzt so richtig aufblüht, während es bei Briten schon lange keine Rand-Sportart mehr ist, hat sozio-historische Gründe: „Die Tradition und die Kneipenkultur machen Darts in Großbritannien so populär. Der Sport ist mit seiner langen Geschichte dort stark in der Alltagskultur verankert“, weiß Marcel Cordes, Vorstand der Kölner Sponsoringberatung Sport+Markt. Der abendliche Gang in den Pub ist ein festes Ritual, endsprechend etablierter die „Kneipensportart“ Darts.

Wie schnell der Sport aber auch abseits der Insel wachsen kann, beweist das Beispiel Raymond van Barneveld. Der niederländische Postbote gewann 1998 völlig überraschend den Weltmeistertitel und löste im deutschen Nachbarland einen wahren Boom aus, zumal das Turnier wegen der Fußball-Winterpause im Fernsehen übertragen wurde. Vor Beginn des Turniers waren 16.000 Niederländer als Dartspieler registiert, heute sind es fast 50.000.

Ein ähnliches Wachstum ist in Deutschland nach Ansicht von Sportmarketingexperte Cordes allerdings nicht vorstellbar: „Ein deutscher Ausnahme-Dartsspieler könnte sich in Großbritannien, Irland und den Niederlanden sicherlich vermarkten. In Deutschland bliebe er eine absolute Randfigur“, glaubt Cordes.

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