Das Geheimnis des Erfolgs
Wie der America’s Cup funktioniert

Segeln ist kompliziert, Hightech-Segeln eine Wissenschaft und für Laien kaum zu durchschauen. Und dennoch kann der Kampf um den hässlichsten Pokal der Welt zum Publikumserfolg werden.

AUCKLAND. Ein deutsches Ehepärchen im Hafen von Auckland: Wir schreiben das Jahr 2003 und Jochen "Schümi" Schümann, Sportdirektor der siegreichen Schweizer America?s-Cup-Yacht Alinghi, landet gerade im Wasser des Hafens. Jubel. Der Cup ist in Europa. "Toll", sagt die Frau. "Kannte ich zwar vorher nicht, dieses Segeln. Aber toll. Da muss man dabei sein." Der Mann: "Kann man solche Boote mieten?"

Um es gleich zu sagen: Nein, kann man nicht. Sollte man auch nicht. Wäre viel zu teuer, zu umständlich, wohl auch zu langweilig - wenn man nicht gerade 17 Profisegler zur Hand hat. Womöglich würde so ein Boot der AC-Klasse in einem Gewässer, für das es nicht gebaut wurde, beim ersten heftigen Wellenschlag auseinander brechen.

Ein America?s-Cup-Boot ist keine Jolle für den Müggelsee. So eine Hightech- Yacht ist eine hoch sensible und extrem technisierte Veranstaltung, nur gebaut für ein bestimmtes Segelgebiet. Mit Hilfe von Armeen an Wetterfröschen, Mathematikern, Wissenschaftlern, Managern, Segeldesignern, Kieldesignern, Riggdesignern, Schraubendesignern, ach ja, und natürlich Seglern.

Den America's Cup stellt man sich am besten so vor: Viele Männer mit hoher Denkerstirn sitzen vor vielen Computern, auf denen Zahlen wie Matrix-Stürme toben. Die Denkerstirn-Männer jonglieren mit verdammt verflixten Formeln, die unsereins nicht mal in einem Albtraum treffen möchte. Sie rechnen Tage, Monate, Jahre, feilen da am Plastik herum, da an einer Schraube, da an einem Tau und freuen sich, wenn sie mal wieder ein Milligramm, einen Millimeter und damit vielleicht eine Nanosekunde herausgeholt haben. Wenn der Cup vorbei ist, dann werden die edlen Yachten im besten Fall umgebaut. Im schönsten Fall landen sie als Kunstobjekt im Garten eines japanischen Millionärs.

Das alles verstärkt natürlich den Eindruck, der Cup sei eine durchgeknallte Veranstaltung von durchgeknallten Millionären für durchgeknallte Wissenschaftler, Techniker, ach ja, und Segler. Und das ist zwar nicht die ganze Wahrheit, aber ein wichtiger Teil der Wahrheit!

Laien tun sich seit jeher schwer mit der Segelei, mit Luv und Lee, Backbord, Steuerbord, vor dem Wind, am Wind. Die Komplexität des Segelns ist ein Grund, warum es für die Medien und damit für das Publikum bis dato so verdammt unattraktiv war. Mit dem America?s Cup, bei dem selbst Schrauben nicht einfach Schrauben sein dürfen, wird?s nun, nein, nicht schwieriger, sondern einfacher. Es ist das große Paradoxon des Cups, der doch so ungemein kompliziert und technisiert ist.

Genau darin steckt der Erfolg des Cups. Er funktioniert auf der Wow- und Autoquartett-Ebene: Fakten gegen Fakten, Hysterie gegen Hysterie. Butterworth von Alinghi hat schon drei Mal den Cup gewonnen. BMW Oracle kostet 150 Millionen Euro. Wow! Deutschland hat nur 30, aber dafür Jesper Bank als Joker. Während so eines Cups werden gefühlte fünf Millionen Hummer gegessen, 100 Millionen Liter Schampus getrunken und wer weiß wie viele Segelluder vernascht. Wow! Jochen Schümann ist einer der erfolgreichsten Segler aller Zeiten. Und China ist auch dabei. Verrückt! Es ist alles, was Sie wissen müssen, um zu verstehen, wie der America?s Cup funktioniert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%