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Delanoe sieht Blair als Sündenbock

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe hat dem britischen Premierminister Tony Blair vorgeworfen, beim Stimmenfang vor der IOC-Abstimmung über die Grenze des Erlaubten hinausgeschossen zu sein.

Vorwürfe gegen den britischen Premierminister Tony Blair erheben die Pariser Verantwortlichen nach der gescheiterten Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012. Im Zentrum der Kritik von Bürgermeister Bertrand Delanoe steht dabei vor allem Blairs Drei-Tage-Trip im Vorfeld der IOC-Abstimmung am vergangenen Mittwoch in Singapur. Auch der Londoner Bewerbungschef Sebastian Coe kam bei der Pauschalabrechnung nicht ungeschoren davon.

London hatte sich im vierten und letzten Wahlgang gegen den Favoriten Paris durchgesetzt und trägt nun zum dritten Mal nach 1908 und 1948 Sommerspiele aus.

"Über Grenze des Erlaubten hinaus geschossen"

"Ich sage nicht, dass sie an der Grenze des Erlaubten gekratzt hätten - sie sind geradewegs darüber hinausgeschossen", erklärte Delanoe nach einer Sitzung des Pariser Bewerbungskomitees: "Der Sieg wurde nicht nach olympischen Regeln vergeben. Wir mussten eine Wahl treffen, vor allem, was Dinge wie Korruption angeht. Wir haben bei unserer Bewerbung den olympischen Gedanken jedenfalls respektiert."

Tony Blair wies die Vorwürfe umgehend zurück und ließ mitteilen, Londons Bewerbung sei regelgerecht gewesen. "Wir können nur auf IOC-Präsident Jacques Rogge verweisen, der unsere Bewerbung als fair eingestuft hat", sagte ein Blair-Sprecher. Der Premier hatte vor der Olympia-Vergabe mehrere IOC-Mitglieder in seiner Hotel-Suite in Singapur empfangen. Frankreichs Staatpräsident Jacques Chirac war erst am Abend vor der Wahl am Ort der Entscheidung eingetroffen.

Streit hart an der Regelgrenze

Jacques Rogge bestätigte nach den Vorwürfen aus Paris noch einmal seine Einschätzung vom sauberen Sieg Londons. "Es handelt sich nur um politische Einflussnahme, wenn ein Mitglied durch politisch-ideologische Gründe in seiner Entscheidung beeinflusst würde. Aber ich glaube nicht, dass Tony Blair ein IOC-Mitglied dazu aufgefordert hat, Mitglied der Labour-Partei zu werden", sagte der Belgier der englischen Tageszeitung The Guardian.

Allerdings räumte auch der Olympia-Chef ein, dass die Kandidatenstädte teilweise hart an der Regelgrenze gestritten hätten. "Manchmal mussten wir ihnen schon einen kleinen Klaps auf die Finger geben", erklärte Rogge.

Nach den Terroranschlägen in London bestätigte er zugleich noch einmal sein Vertrauen in die Austrichterstadt. "Die Spiele 2012 werden in London stattfinden und die besten Sicherheitsvorkehrungen bieten. Es gibt keinen Grund, das in Frage zu stellen", sagte Rogge.

© SID

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