Der AC Mailand macht beim Sieg gegen Eindhoven aus zwei Chancen zwei Tore und demonstriert alte Qualitäten
Virtuose Pragmatiker

80 000 Zuschauer im Meazza-Stadion haben beim 2:0-Sieg über den PSV Eindhoven gesehen, wie Milan aus zwei Chancen zwei Tore machte. Milans Trainer Carlo Ancelotti kennt die Kniffe des modernen Angriffsfußballs.

MAILAND. Das Schimpfwort hieß früher "catenaccio". Heute spricht man etwas gehobener von Ergebnispragmatik. Und diese modernere Spielart des alten Verteidigungsbollwerks beherrschte der AC Mailand im Halbfinal-Hinspiel der Champions League virtuos. 80 000 Zuschauer im Meazza-Stadion sahen beim 2:0-Sieg über den PSV Eindhoven, wie Milan aus zwei Chancen zwei Tore machte. Der Ukrainer Andrej Schewtschenko traf kurz vor der Pause, der Däne Jon Dahl Tomasson in der Schlussminute.

Milans Trainer Carlo Ancelotti erwähnt, so oft es geht, seinen Ziehvater Arrigo Sacchi. Unter seinem Regiment habe er die Kniffe des modernen Angriffsfußballs gelernt. Doch der Schüler hat längst seinen Lehrmeister übertroffen. Ancelotti hat Sacchis System in punkto Ergebnispragmatik perfektioniert. "Wir haben unsere Chancen optimal genutzt", sagte der 46-jährige Fußballlehrer und fügte dann voller Siegeszuversicht hinzu: "Wir haben die Torte in der Hand, was fehlt ist nur noch die kleine Kirsche obendrauf." Ancelotti mochte aus seinem gut funktionierenden Ensemble niemanden herausheben, nicht einmal seinen ukrainischen Superstar Schewtschenko. Der 29-jährige, um den sich Milans Spiel drehte, entschied mit einer glänzenden Einzelaktion das Spiel. Und das zu einem Zeitpunkt, da der holländische Meister die deutlich besseren Torchancen aufzuweisen hatte.

Guus Hiddink wahrte denn auch die Contenance nach der unglücklichen Niederlage . "Unser Problem war ganz klar der Abschluss", sagte Eindhovens Trainer. Das effektive Spiel der Mailänder habe ihm durchaus imponiert: "Das ist ihr Spiel: Sie werden auch im Rückspiel auf uns warten, das Spiel kontrollieren und auf Konter lauern."

Die taumelnden Tifosi wollten sich die Freude über den besonderen Triumph nicht schmälern lassen. Auch im Fußball heiligt bekanntlich der Zweck die Mittel. Milans dominante Rolle in der Champions League versetzte so manchen einheimischen Kolumnisten ins Schwärmen über den Wert des italienischen Fußballs im Allgemeinen. "Coole Killer" titelte die Mailänder "Gazzetta dello Sport". Wenn es wortgewaltig und blumenreich irgendwelche sportliche Erfolge zu rühmen gilt, dann ist die größte Sportgazette des Landes schwer zu übertreffen.

Selbstzufrieden äußerte sich auch der Kolumnist des Mailänder "Corriere della Sera", Giorgio Tosatti, der konstatierte, Milan sei zum "goldenen Jahrzehnt" zurückgekehrt. Keine Rede mehr vom Allgemeinplatz, dem Fußball "all? italiana". Die nahe liegende Frage, wie italienisch der AC Mailand mit seinem Mammut-Budget und der Fußballer-Legion noch ist, werfen hierzulande weder Kolumnisten noch Tifosi auf. Wenn es um nationalen sportlichen Ruhm geht, ist eine differenzierte Sicht der Dinge eben nicht leicht.

Milans Vizepräsident Adriano Galliani mahnte unterdessen zur Vorsicht. "Der Gewinn der Champions League ist zwar dreimal so viel Wert, aber wir wollen auch den Meistertitel gewinnen", sagte Galliani. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. In der nationalen Meisterschaft liefert sich der AC Mailand derzeit ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Juventus Turin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%