"Der Ärger in Indianapolis ist riesig"
Abschied von Amerika

Die Formel 1 scheint nach dem Skandalrennen von Indianapolis in den USA keine Zukunft mehr zu haben. Michael Schumacher meint zwar, dass alles nicht so dramatisch sei, aber mit seinem Zweckoptimismus steht er alleine da.

BERLIN. Den Sonntagnachmittag hatte sich Flavio Briatore anders vorgestellt. Der Teamchef von Renault hatte eine Gruppe von Investoren aus Las Vegas zum Rennen nach Indianapolis eingeladen. Briatore wollte den Herren die in den USA nicht eben populäre Formel 1 schmackhaft machen, schließlich hatte er die Idee von einem zweiten Grand-Prix in den USA, am besten in Las Vegas. Briatores Werbeveranstaltung hätte dann aber kaum trister sein können. Für ihn war das - nach dem Rückzug der mit Michelin-Reifen fahrenden Teams - mit nur sechs Autos gestartete Rennen auch eine persönliche Pleite: Briatores Gäste erlebten bei Michael Schumachers Sieg das traurigste Bild, das die Formel 1 je abgegeben hat. Der Automobilweltverband Fia sprach von einem Boykott der Michelin-Teams und bestellte sie zu einer Anhörung ach Paris.

"Über weitere Rennen in den USA muss man jetzt wohl erst einmal nicht mehr reden", sagte Bernie Ecclestone. Der Formel-1-Boss versucht seit langem, den Markt in den USA für seine Serie zu erobern - genauso wie viele Sponsoren. Bis Ende der Achtzigerjahre war die Formel 1 in den USA präsenter als heute, zum Teil sogar mit mehreren Rennen pro Saison. Doch dann gewannen Serien wie Nascar oder Champ-Car die Oberhand. Nach dem Formel-1-Rennen 1991 in Phoenix war erst einmal Schluss. Den Deal mit Indianapolis für einen neuen Grand Prix in den USA feierte Ecclestone im Jahr 2000 als einen großen Erfolg. Doch jetzt steht sogar die Austragung des nächsten Rennens in Frage, obwohl es dafür einen Vertrag gibt.

"Der Ärger in Indianapolis ist riesig. Die Fans, vor dem Start nicht darüber informiert, dass die Teams mit Michelin-Reifen wegen Sicherheitsbedenken nicht starten wollten, hatten kein Verständnis für die Mini-Besetzung. Viele forderten ihr Eintrittsgeld zurück. Sieger Michael Schumacher meinte zwar, so dramatisch sei das alles nicht: "Ich denke langfristig wird das Interesse schon wiederkommen. Und es sind ja viele Fans bis zum Rennende geblieben, denen hat es ja offensichtlich Spaß gemacht."

Doch mit diesem Zweckoptimismus steht Schumacher alleine da. Teamchef Peter Sauber sagte: "Es ist sowieso nicht einfach, die Formel 1 in Amerika zu etablieren und wenn man da so einen Unfug macht, wird sich dadurch das Klima ganz sicher nicht verbessern." Das Klima war schon am Sonntag miserabel. Es wurden sogar Teammitglieder beim Verlassen der Strecke von Fans tätlich angegriffen. Der US-Veranstalter denkt an eine Schadensersatzklage und überlegt, ob er 2006 das Rennen noch einmal austragen will. Streckenbesitzer Tony George veröffentlichte die Adressen der Formel-1-Organisatoren, "damit die Leute sich dort beschweren können". Und die Tageszeitung "Indianapolis Star" titelte : "Goodbye Formel 1".

Der Imageschaden in den USA scheint irreparabel. Red-Bull-Sportchef Helmut Marko kann das verstehen: "Die Leute mussten den Eindruck bekommen, sie hätten es mit einem Haufen arroganter Europäer zu tun, denen die Interessen des amerikanischen Publikums völlig egal sind." Da Red Bull in den USA expandieren will, war das österreichische Unternehmen einer der vielen eruopäischen Verlierer von Indianapolis. Ein anderer war Michelin: die Michelin-Aktien sanken am Montag um über zwei Prozent.

Gewinner waren nur die amerikanischen Serien. Die Manager der Champ-Car-Serie reagierten auch schon auf die Panne in der Formel 1: Besitzer eines Tickets von Indianapolis haben am Wochenende beim Rennen in Cleveland freien Eintritt.

Endstand: 1. M. Schumacher (Kerpen) Ferrari 1:29:43,181 Std.; 2. Barrichello (Brasilien) Ferrari + 1,522 Sek.; 3. Monteiro (Portugal) Jordan + 1 Runde; 4. Karthikeyan (Indien) Jordan + 1 Runde; 5. Albers (NL) Minardi + 2 Runden; 6. Friesacher (Österreich) Minardi + 2 Runden

Fahrer-Wertung nach 9 Rennen: 1. Alonso (Spanien) Renault 59 Punkte, 2. Räikkönen (Finnland) McLaren-Mercedes 37, 3. M. Schumacher 34, 4. Barrichello 29, 5. Trulli (Italien) Toyota 27, 6. Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Williams 25.

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